Willi Eberhard, Chronist aus St. Peterzell

Mit Willi Eberhard ist ein Mann gestorben, der St. Peterzell prägte und grosse Verdienste erworben hat. Viele Jahrzehnte engagierte er sich sowohl für die katholische Kirche wie auch die Öffentlichkeit.

Kurt Nüssli
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Willi Eberhard, 1924–2014. (Bild: pd)

Willi Eberhard, 1924–2014. (Bild: pd)

Als viertes Kind der Eheleute Gottlieb und Anna Eberhard wurde Willi Eberhard 1924 im Dreien, seinem späteren Wohnsitz, geboren. Der aufgeweckte Sohn bewältigte die Schulzeit mit Bravour. Früh spürte er die Liebe zur Natur und vor allem zum Wald. Nach der obligatorischen Schulzeit besuchte er die Landwirtschaftliche Schule in Flawil und erhielt dort nicht nur das Rüstzeug für den späteren Beruf, sondern konnte sich auch eine gute Allgemeinbildung aneignen.

50 Jahre Kirchenpfleger

Bereits im Jahre 1949 übernahm er das Amt des katholischen Kirchenpflegers St. Peterzell. Er hat dieses mit sehr grossem Einsatz, absoluter Zuverlässigkeit und Weitsicht während 50 Jahren ausgeführt. Die Verwaltung der kirchlichen Liegenschaften und des Waldes bedingte grossen Sachverstand aus verschiedensten Gebieten und oft auch diplomatisch-vermittelnde Fähigkeiten. Doch nicht nur die Kirche durfte auf seine Mitarbeit zählen: Während 22 Jahren war er im Gemeinderat, wo er unter anderem lange den Vorsitz der Vormundschaftsbehörde innehatte. Immer wieder versuchte er, menschliches Elend, das er kraft dieses Amtes antraf, in bessere Bahnen zu lenken. Lange Jahre amtete er zudem als Präsident des Aufsichtsrates der örtlichen Raiffeisenbank und war Präsident der Gruppenwasserversorgung Oberes Neckertal. Gerade die Verbindung von Wasser und Natur beeindruckte ihn sehr. Gerne zeigte er auf einem Bild mit dem Alpsteinmotiv, das in seinem Zimmer im Altersheim Risi in Schwellbrunn hing, die Lage der verschiedenen Quellen, die während seiner Amtszeit gefasst wurden und die Wasserversorgung des Tales sicherten.

Vater von sechs Kindern

Eine Wahl hat ihn besonders tief gefreut: jene als Mitglied des Katholischen Kollegiums des Bistums St. Gallen. Über seine erste Sitzung in diesem Gremium schrieb er: «Als bei der Ratsvereidigung die Glocken der Kathedrale läuteten, gab es nur zwei Geschehnisse, die mich mehr bewegten: der Tag meiner Erstkommunion und meine Hochzeit mit Lydia.» Das Arbeitspensum war beeindruckend. Da waren der Landwirtschaftsbetrieb und die diversen Ämter. Im Jahre 1956 hatte er Lydia Looser geheiratet und mit ihr sechs Kinder bekommen. Zu all dem kam seine geliebte Waldarbeit. Diese war ihm herznah, das Hegen und Pflegen fast mehr als das Fällen. Er hatte nicht nur in all den Jahren rund 5000 Bäume gefällt, sondern pflegte den Kirchenwald, als wäre es sein eigener. In den Jahren 2000–2006 war er als Waldverwalter der katholischen Kirche tätig, eine Altersarbeit, die ihm sehr grosse Freude bereitete und welcher er sich mit grosser Hingabe gewidmet hat. Bei der Würdigung der verschiedenen Ämter darf erwähnt werden, dass er die vielen Wege während einem halben Jahrhundert ohne Auto zurückgelegt hat und fast unermüdlich der Öffentlichkeit diente.

Buchbeiträge und Chronist

Die vielen Kontakte und Einblicke sowie sein grosses Interesse am regionalen und weltlichen Geschehen liessen in ihm einen schier unerschöpflichen Fundus an Wissen und Erfahrungen wachsen, an dem alle, die ihm begegneten, teilhaben durften. Als ob er nicht schon genug Arbeit gehabt hätte, war er es oft, der Nachrufe und später Zeitungsartikel, Buchbeiträge oder Kolumnen schrieb. Er war ein vorausschauender, gradliniger und zur eigenen Meinung stehender Mensch und Chronist und hat das Tal geschätzt und sehr viel zum Gemeinwohl beigetragen. Die uns umgebende Mitwelt, Bäume und Wasser hatten ihn ihm einen Beschützer.

Mit Willi Eberhard ist ein Stück St. Peterzell-Geschichte zu Ende gegangen. Ihm gebührt ein ehrendes Andenken.

Willi Eberhard, 1924–2014. (Bild: pd)

Willi Eberhard, 1924–2014. (Bild: pd)