Wildhüter in Hundwil erlösten Luchs

Ein Jungluchs drang am Samstag in ein Hühnergehege ein und verletzte sich dabei schwer an der Vorderpfote.

Janine Bollhalder
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Der Luchs in Hundwil hat aufgrund seines Zustandes erlegt werden müssen.

Der Luchs in Hundwil hat aufgrund seines Zustandes erlegt werden müssen.

Symbolbild

Am Samstag, 1. Februar, ist ein Luchs in ein Hühnergehege in Hundwil im Gebiet Hinterebnet eingedrungen. Es war ein Jungtier aus dem letzten Jahr. «Ein ausserordentlich schwaches Tier», sagt der Jagdverwalter des Kantons Appenzell Ausserrhoden - Heinz Nigg. Nur deswegen sei es so nahe an die Zivilisation gekommen.

Der abgemagerte Luchs hat zwei Hühner getötet. Dabei hat er sich im Netz des Hühnerzauns verfangen und an der rechten Vorderpfote verletzt.

«Es blutete zwar nicht stark, aber eine Sehne wurde verletzt, welche die Jagdfähigkeit des Luchses stark eingeschränkt hätte»

Das Raubtier entfernte sich in ein nahes Bachtobel. Der Hühnerhalter alamierte die kantonale Wildhut.

Zwei Angehörige der Jagdverwaltung haben das geschwächte Tier schnell gefunden. Es hatte sich nahe einer Strassenbrücke in einer Dickung verkrochen. Der Luchs war stark unterernährt und unsicher auf den Beinen. «Und zeigte nur noch eine sehr eingeschränkte Fluchtreaktion», sagt Jagdverwalter Nigg. «Ein Luchs würde normalerweise flüchten, wenn sich ihm ein Mensch nähert.»

Die Wildhüter erlegten das Jungtier. Der Körper wurde zur pathologischen Untersuchung an das Zentrum für Fisch- und Wildtiermedizin in Bern gesandt. Die Ergebnisse stehen bislang noch aus, die Untersuchungen dauern rund einen Monat. Jagdverwalter Nigg sagt: «Durch den Befund erfahren wir, ob das Tier aufgrund einer Krankheit so schwach war oder ob es Parasiten hatte.»

Der junge Luchs hätte nicht aufgepäppelt werden können. Heinz Nigg sagt:

«Luchse kann man nicht gesund pflegen. Sie müssen in einem speziellen Gehege untergebracht werden und dürfen sich nicht an Menschen gewöhnen.»

Es ist aber nicht so selten, dass geschwächte oder verhungerte Jungtiere gefunden werden, weiss Nigg. «Das erste Lebensjahr ist für Luchse das gefährlichste.» Jeweils im Feburar werden die Jungtiere von ihren Müttern verstossen, denn es ist die Paarungszeit der Luchse. Von nun an sind die Luchse auf sich selbst gestellt.

«Im Kanton Appenzell Ausserrhoden gibt es drei bis vier selbstständige Luchse», schätzt Jagdverwalter Nigg. «Luchse besetzten ein Revier, welches sie gegen gleichgeschlechtliche Artgenossen verteidigen.» Die Luchse werden mittels Fotofallen erfasst und erhalten dann eine Identifikationsnummer. Das Jungtier aus Hundwil war noch nicht erfasst. Es verstarb ohne Bezeichnung.

Einen Zusammenhang zwischen dem schwachen Jungtier in Hundwil sowie dem von einem Passanten tot aufgefundenen Luchs in Kirchberg vermutet Heinz Nigg nicht. «Die Distanz ist zu gross.» Aber er gibt zu bedenken:

«In der Natur ist nie etwas zu 100 Prozent sicher»
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