WILDHAUS: Zum letzten Mal am seidenen Faden?

Die kommende Spielsaison der Wildhauser Puppenbühne ist noch gerettet. Aber falls sich keine Freiwilligen finden, um die Puppenspiele weiterzuführen, könnte dies nach vier Jahrzehnten das Aus bedeuten.

Adi Lippuner
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Bei der Aufführung des Märchens «Hänsel und Gretel» in der Spielsaison 2013/14 verabschiedeten sich Kinder und Erwachsene nach der Aufführung von den Puppen. (Bilder: Adi Lippuner)

Bei der Aufführung des Märchens «Hänsel und Gretel» in der Spielsaison 2013/14 verabschiedeten sich Kinder und Erwachsene nach der Aufführung von den Puppen. (Bilder: Adi Lippuner)

Adi Lippuner

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Alljährlich wird durch eine stattliche Zahl Freiwilliger bei der Wildhauser Puppenbühne je ein Stück für Kinder und für Erwachsene erarbeitet. Was hinter jeder Spielsaison steckt, wird erst deutlich, wenn mit den Frauen und Männern, die sich Jahr für Jahr für dieses Kulturkleinod einsetzten, gesprochen wird.

Da sind beispielsweise Irmgard und Stefan Litscher, Gründungsmitglieder des Vereins und damit Engagierte der «ersten Stunde». Seit 40 Jahren ist das Ehepaar dabei, hat unzählige Stunden für die Puppenbühne investiert und dabei viel Freude erlebt. «Wir bereuen keinen einzigen Tag, doch nach der nächsten Spielsaison ist Schluss», betont sie ihre Aussage.

Mehr als ein halbes Jahr gebunden

Stefan Litscher hat bisher die Stücke überarbeitet, Dialoge geschrieben, sich um die Aufnahme mit den Sprecherinnen und Sprechern gekümmert, die Bänder zusammengefügt und beim Stück für die Erwachsenen Regie geführt. «Dies bedeutet, dass viel Vorbereitungsarbeit während der Sommersaison anfällt und dann, wenn es um die Vorbereitung und die Proben geht, ist jede Woche ein Tag fix gebucht.»

Irmgard Litscher engagiert sich nicht nur als Puppenspielerin, sie führte auch während längerer Zeit bei der Nachmittagsgruppe Regie. «Und wenn es nicht rund lief, sei dies beim Puppenbau oder wenn irgendwo Hilfe benötigt wurde, war ich da.» Insider wissen, dass die Puppenbühne und Litschers untrennbar miteinander verbunden sind. «Doch nun soll Schluss sein, denn seit der Pensionierung als Oberstufenlehrer wünschen wir uns mehr Freiraum.»

Angesichts der Tatsache, dass sowohl in der Nachmittags- als auch in der Abendgruppe Vakanzen entstehen, ist Präsident Bruno Anderhalden dringend auf Freiwillige angewiesen. «Die Puppenbühne wurde während der 40 Jahre immer von ehrenamtlich tätigen Frauen und Männern betreut und wir hoffen, dass dies auch in Zukunft so sein wird.» Allerdings verhehlt der Präsident nicht, dass es sozusagen eine Minute vor zwölf ist. «Die kommende Saison ist noch gesichert, dann aber hängt die Puppenbühne am seidenen Faden. Ohne Nachwuchs muss der Betrieb eingestellt werden.»

Apropos nächste Spielsaison: Die Kinder dürfen sich auf «Aladin und die Wunderlampe» freuen, für die Erwachsenen ist «Der Tag, an dem der Papst gekidnappt wurde» auf dem Programm. Beides sind Stücke, die schon einmal auf dem Spielplan standen. «Somit sind die Dialoge vorhanden und auch die Puppen müssen nicht neu erstellt werden», lassen die Verantwortlichen hinter die Kulisse blicken.

Die Gründung der Wildhauser Puppenbühne geht auf das Ehepaar Susi und Egon Uebersax zurück. «Wir hatten vor dem Umzug nach Wildhaus bereits eine kleine Puppenbühne mit 20 Zuschauerplätzen in Heerbrugg», so Susi Uebersax. «Wir haben das Ganze nach Wildhaus gezügelt und fanden im Rietlistall einen Platz.» Unterstützt wurden sie damals vom damaligen Kurdirektor Werner Bernet. Ganz einfach sei es auch früher nicht gewesen, genügend Freiwillige für die Aufgaben vor und hinter den Kulissen zu finden. «Aber es gab so etwas wie eine ‹moralische Verpflichtung› für Lehrkräfte. Wer eine Stelle in Wildhaus antrat, der wurde ins Team der Puppenbühne integriert», blickt Susi ­Uebersax zurück.

Professioneller Betrieb nicht möglich

Und heute? Freiwilligenarbeit mit hohem, zeitlichem Engagement wird nur noch von wenigen Frauen und Männern geleistet. «Aber genau das benötigen wir, um die Aufführungen der Puppenbühne sicherzustellen», erklärt Bruno Anderhalden. «Bei 40 Plätzen und damit Einkünften von 300 bis 400 Franken, je nachdem, ob es sich um eine Nachmittags- oder Abendveranstaltung handelt, können keine Entschädigungen bezahlt werden.» Ein Verlust der Wildhauser Puppenbühne würde von Seiten Toggenburg Tourismus sehr bedauert, wie Tanja Loher, Leiterin Marketing, betont. «Die Vorstellungen sind sehr gut gebucht, wir machen den Vorverkauf und sehen jeweils, dass sowohl Kinder als auch Erwachsene gerne ins Puppentheater gehen.» Gemeindepräsident Rolf Züllig bezeichnet die Puppenbühne als wichtige Institution im gesamten Angebot der Feriendestination. «Es ist für kleine und grosse Gäste ein besonderes Erlebnis. Gerade im Zeitalter der modernen Medien ist es wohltuend, wenn eine Geschichte mit Hilfe von Puppen erzählt wird.»

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