WILDHAUS: «Strukturwandel, nicht Krise»

Über 220 Besitzer von Ferienhäusern und -wohnungen trafen sich am Freitagabend zu einem Informationsaustausch. Im Zentrum davon stand eine Diskussion zur Frage «Hotellerie in der Krise?»

Sabine Schmid
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Sprachen gemeinsam über die Hotellerie (von links): Christian Laesser, Claudia Oberhofer, Michael Müller und Rolf Züllig. (Bild: Sabine Schmid)

Sprachen gemeinsam über die Hotellerie (von links): Christian Laesser, Claudia Oberhofer, Michael Müller und Rolf Züllig. (Bild: Sabine Schmid)

Sabine Schmid

sabine.schmid@toggenburgmedien.ch

Der Verein Pro Toggenburg, in dem sich über 135 Zweitwohnungsbesitzer in der Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann zusammengeschlossen haben, organisierte ein Podium mit Personen, die viel zum Thema Hotellerie sagen konnten. Nebst dem Gemeindepräsidenten Rolf Züllig diskutierten Michael Müller, Geschäftsführer im Wildhauser Traditionshotel Hirschen, und Christian Laesser, Professor für Betriebswirtschaftslehre, mit besonderer Berücksichtigung der Tourismuswirtschaft an der Universität St. Gallen. Claudia Oberhofer vertrat die Jufa-Gruppe, die in den nächsten Jahren in Wildhaus ein Hotel erstellen will.

Michael Müller antwortete auf eine Frage von Moderator Peter Hasler, dass er und sein Haus in keiner Hotelkrise stecke. Wohl aber seien die vergangenen Jahre turbulent gewesen. Der «Hirschen» begegnet dem mit Innovation und einem kompletten Umbau von sämtlichen Hotelzimmern. Michael Müller ist überzeugt, dass sich diese Anstrengung auszahlen wird. Bei der Arbeitsproduktivität entwickelt der Hotelbetrieb neue Lösungsansätze. Den hohen Mitarbeiterkosten begegnet der Betrieb damit, dass er mit viel mehr Lernenden arbeiten will. Kritik dafür erwartet Müller nicht. Er sieht sich in der Verantwortung, Facharbeiter auszubilden, die nach der Lehrzeit im Gastgewerbe tätig sein werden.

Hotellerie muss sich gesundschrumpfen

Gemeindepräsident Rolf Züllig brachte seine Perspektive als Hotelgast in die Diskussionsrunde. Er hielt fest, dass die Mobilität im Vergleich zu früher zugenommen habe und man, beispielsweise nach einem Wander- oder Skitag, häufig nach Hause fährt. Der Gast brauche ein Erlebnis im Hotel und seine Erwartung müsse übertroffen werden, dann sei er auch bereit, sich eine Übernachtung zu leisten, ist Rolf Züllig überzeugt. Das gelinge aber nicht, wenn der Hotelier für jeden da sein wolle. Als eine Lösung schlug der Gemeindepräsident daher eine Positionierung der Hotels vor.

Christian Laesser hielt fest, dass es keine Hotelkrise gebe, sondern einen Strukturwandel. Heute müssten viele Betriebe schliessen, weil es eine Überkapazität gebe. Was jetzt passiere, sei eine Gesundschrumpfung, sagte er. Diese passiere aber nicht nur in der Hotellerie. Als Gegenmittel empfahl Christian Laesser, die Geschäftsmodelle zu ändern. Eine Fokussierung könne dabei helfen.

Claudia Oberhofer meinte, dass es der Jufa-Gruppe gelungen sei, auf den Strukturwandel zu reagieren. Dies, gepaart mit einem vielfältigen Angebot, stecke hinter dem Erfolg des Unternehmens, das über 55 Familienhotels in mehreren Ländern betreibt. Mit dem Hotel in Wildhaus, das gemäss Claudia Oberhofer im Winter 2019/2020 eröffnet werden könnte, möchte die Jufa den Schritt in die Schweiz wagen. Mit dem neuen Hotel könnten nicht nur die Hausgäste, sondern auch die Zweitwohnungsbesitzer und die Bevölkerung profitieren, stellte Claudia Oberhofer in Aussicht. Einige Anlagen, wie beispielsweise das Hallenbad oder die Kegelbahn, könnten gegen Eintrittspreise öffentlich zugänglich werden. Als Konkurrenz zum Reka-Feriendorf sehen sie sich nicht, aber als Ergänzung.

Kein Kampf zwischen Hotels und Ferienhäusern

In der Diskussion mit den Zweitwohnungsbesitzern wurde Michael Müller auf die Definition der Zielgruppe im «Hirschen» angesprochen. Sie würden sich auf Seminargäste spezialisieren, antwortete der Hotelier. Daneben wolle man ein Ferienhotel für die Generationen zwischen 45 und 75 sein.

Zum Verhältnis der Hotellerie zur Para-Hotellerie sagte er, dass alle im gleichen Boot sitzen. «In der Ferienzeit, wenn die Wohnungen belegt sind, geht es uns allen gut». Die Gäste in Ferienhäusern und Ferienwohnungen seien auch wichtig für den «Hirschen», denn sie würden im Restaurant und in der Bar einkehren. Christian Laesser fand, dass die Hoteliers und die Zweitwohnungsbesitzer nahe zusammenstehen und sich nicht gegenseitig bekämpfen sollten. Schliesslich gehe es im Tourismus nur um eines: Die Menschen gehen irgendwo hin und geben Geld aus. Je mehr sie davon ausgeben, umso besser sei es für die jeweilige Region.