WILDHAUS: Mit Herz, Hand und Kopf

Zwei Künstlerinnen mit unterschiedlichen Werken stellen im Kur- und Bildungszentrum Sunnehus aus. Zu sehen sind Tonarbeiten, Radierungen und Monotypien.

Adi Lippuner
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Musiker Christoph Ammann, Künstlerin Elisa Richle neben einem ihrer Bilder, Ursula Schneitter mit einer Raku-Schale und Rita Galliker vom «Sunnehus»-Team (von links). (Bild: Adi Lippuner)

Musiker Christoph Ammann, Künstlerin Elisa Richle neben einem ihrer Bilder, Ursula Schneitter mit einer Raku-Schale und Rita Galliker vom «Sunnehus»-Team (von links). (Bild: Adi Lippuner)

Adi Lippuner

redaktion@toggenburgmedien.ch

Sonntagnachmittag im lichtdurchfluteten Speisesaal des Sunnehuus: Eine grosse Zahl Gäste und Freunde der Künstlerinnen Ursula Schneitter, Alt St. Johann, und Elisa Richle, Cagiallo, treffen nach und nach zur Vernissage ein. Untermalt wird das Treffen von Querflötenklängen, gespielt von Christoph Ammann.

Rita Galliker vom Team des Kur- und Bildungshauses Sunnehus heisst die Gäste willkommen: «Es ist mir eine grosse Freude, dass so viele Menschen den Weg zu uns gefunden haben. Sie erweisen damit den beiden Künstlerinnen und ihren Werken die Ehre.» Es sind handfeste Arbeiten, welche die beiden Frauen präsentieren – Ursula Schneitter formt Ton und brennt diesen in der uralten Raku-Technik. Elisa Richle hat sich, nach mehreren Entwicklungsphasen in der Malerei, der Drucktechnik verschrieben. Gemeinsam ist den beiden Künstlerinnen, dass sie ihre handfesten Arbeiten als «ihr Lebenselixier» bezeichnen. Ausgestellt sind die Werke in den Gängen des Hauses. Sie ermuntern die Gäste, durch die beiden Stockwerke zu flanieren. Bei Elisa Richle, sie ist eine gebürtige Toggenburgerin und lebt im Tessin, ist es das Druckverfahren mit einer Handpresse. «Diese Arbeitsweise lässt viele Möglichkeiten offen und hält immer wieder Überraschungen bereit,» wird bei einem Rundgang erklärt.

Wer den Begriff «Radierung» hört, denkt an den Radiergummi. Der Begriff aber stammt von «radere», kratzen ab. Gestaltungsmittel sind Linien, Striche und die gesamte Fläche. «Es ist in erster Linie ein Handwerk, erfordert viel Zeit, lässt aber auch viel kreativen Spielraum zu», erläutert die Künstlerin.

Mehrere Exemplare oder Unikate

Am Anfang stehe ein Gedanke oder eine Idee, dies werde in die mit Wachs vorbereitete Metallplatte eingekratzt. Es folge die Bearbeitung mit Säure, dann das Einfärben. So können im Tiefdruckverfahren mehrere Exemplare hergestellt werden. Anders die Monotypie: Bei dieser Technik sind die Fläche, die Farbe und Materialien wichtig. Gearbeitet werde intuitiv, die Künstlerin lässt sich von der Farbe, der Form und dem Material inspirieren. Gedruckt wird auf der Druckerpresse oder mittels Handabzug. Es gibt nur ein einziges Exemplar, also ein Unikat. Ursula Schneitter lebt und arbeitet in Alt St. Johann. Die ehemalige Flugbegleiterin liess sich auf ihren Reisen von der Kunst und dem Kunsthandwerk inspirieren. Besonders fasziniert ist sie von der Raku-Technik, einem Brennverfahren, das im 16. Jahrhundert in Japan entwickelt wurde. «Mit den Händen arbeiten, beim Brennen aber auch viel dem Zufall überlassen und sich über das Resultat freuen, ist für meine Tätigkeit zentral», war zu erfahren. Die zarten, filigran und doch äusserst stabil wirkenden Gegenstände tragen die Handschrift einer Künstlerin, die mit Herz, Hand und Kopf arbeitet.

Die Werke von Ursula Schneitter und Elisa Richle sind bis Freitag, 25. August, im «Sunnehus» ausgestellt.