WILDHAUS: Ist der Kredit für den Hotelneubau «unfair» oder ein «grosser Impuls»?

Hotelbetreiber in Wildhaus beurteilen das 7-Millionen-Franken-Engagement der Gemeinde für die öffentlich nutzbaren Bereiche wie Bowlingbahn und Schwimmbad im geplanten Jufa-Hotel völlig unterschiedlich.

Thomas Schwizer
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Im öffentlichen Teil der Jufa-Hotels wird auch ein Spielbereich für die ganze Familie angeboten. Im Bild spielen Mädchen im Spielhaus des Indoorspielbereichs im Jufa-Hotel Stubenbergsee. (Bild: PD)

Im öffentlichen Teil der Jufa-Hotels wird auch ein Spielbereich für die ganze Familie angeboten. Im Bild spielen Mädchen im Spielhaus des Indoorspielbereichs im Jufa-Hotel Stubenbergsee. (Bild: PD)

Unterschiedlicher könnten die Reaktionen von vier Hoteliers aus Wildhaus betreffend des Gemeindebeitrags nicht sein, über den in Wildhaus am 15. April abgestimmt wird. Zwei sind kritisch bis sehr kritisch eingestellt, zwei finden es einen enorm wichtigen Impuls für die Wirtschaft, insbesondere den Tourismus im Obertoggenburg.

«Die Gemeinde knöpft uns jeden hintersten Rappen ab, zahlt diesen Investoren aber sieben Millionen und gibt die Anlage in fremde Hand. Und zwar in ausländische Hand, die genau im gleichen Kundensegment wie wir anderen Hotels tätig ist: Familien, Gruppen, Seminare.» Er selbst brauche jeden mit eigener Hand erwirtschafteten Franken, um ihn jeweils gleich wieder in sein Hotel investieren zu können.

Das sagt ein Wildhauser Hotelier, der den Beitrag der Standortgemeinde gegenüber den Hotels mit einheimischen Inhabern und Betreibern als «unfair» bezeichnet. Er will auf keinen Fall namentlich genannt werden, «denn ich brauche jeden einheimischen Gast, und wenn ich mich exponiere, dann bekomme ich das sicher zu spüren».

Gemeinde soll in Anlagen beim Curlingzentrum investieren

Er bezweifelt, dass die Versprechungen betreffend einheimischem Personal, einheimischen Handwerkern und Lieferanten von den Investoren und Betreibern eingehalten werden.

Wäre eine Bowlingbahn oder eine Wasser-Spielelandschaft nicht auch für seine Gäste eine Standortattraktivität? Er erwarte, dass nicht viele seiner Gäste die öffentlich zugänglichen Freizeitanlagen im Jufa-Hotel nutzen würden, «weil sie eine Hemmschwelle haben, dafür in ein anderes Hotel zu gehen». Würde die Gemeinde die sieben Millionen in eine entsprechende öffentliche Freizeitanlage investieren, «zum Beispiel beim Curlingzentrum oder bei der Schandfleck-Ruine Hotel Acker», dann wäre das für alle positiv, sagt der anonym bleibende Hotelier.

«7,5 Millionen schenken ist mir eindeutig zu viel»

Mit Namen exponiert sich Petra Federer, Hotelière im Hotel Sonne Wildhaus. Es gehört zur Beutler Gruppe, die in der Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann drei Hotels betreibt. Mit einer neuen Konkurrenz habe sie keine Probleme. «Ein neues Hotel, positive Impulse für die Region, neue Gäste, mehr Erlebnis in Wildhaus … Alles wunderbar!», sagt sie. Auch bewundere sie die Gemeinde, dass sie sich für den Tourismus derart einsetze und dafür investieren wolle. Petra Federer stellt fest: «Dass die neuen Investoren mit dem Bauland unterstützt werden und sie auch noch Parkplätze gratis zur Verfügung bekommen finde ich okay. Wir möchten ja auch, dass die Region weiterkommt.» Doch sie kritisiert: «Aber auch noch 7,5 Millionen Franken schenken! Das ist mir eindeutig zu viel.»

Zudem bezweifelt sie, dass das «Planschbecken» gross genug werde, damit alle Interessierten nebst den Jufa-Gästen Platz finden und sich daran erfreuen könnten. Aber das mache nichts, spart sie nicht mit einer Portion Sarkasmus, denn alle drei Beutler Hotels hätten bereits eine Wasserwelt mit Sauna, wirbt sie in eigener Sache, eine gar mit «Blöterli und nigelnagelneuer Sauna», eine mit Aqua-Klang und eine mit einer Gegenstromanlage. Und alle seien gegen eine kleine Gebühr öffentlich zugänglich.

In einer Kooperation sieht Petra Federer Chancen

Sie teilt die Hoffnung, dass die Jufa-Hotels wirklich Tausende neue Gäste, «Jufa-Anhänger», nach Wildhaus bringen wird. Das neue Hotel bringe aber nicht nur Gäste, sondern ziehe auch bestehende ab und der Preiskampf dürfte sich verschärfen, erwartet sie.

Das neue Jufa-Hotel brächte für Petra Federer aber auch Chancen. Seit Jahren werde gepredigt, dass die Hotels kooperieren müssen, um Erfolg zu haben. «Gemeinsam sind wir stark und haben Gewicht, können etwas erreichen und auch sparen.» Mit so einem grossen Partner und einem Anschluss an die Einkaufsverträge und Mitarbeiterpools der Jufa würde sie Geld sparen. «Aber das entspricht nicht meiner Regionalpolitik mit dem Einkauf von heimischen Produkten in der heimischen Region.» Ihre Devise lautet: «So oder so: Mit Vollgas in die Zukunft, da sind wir dabei.» Und was auch immer die Abstimmung bringe: «Wir lieben auch die österreichischen Gäste.»

«Enormer Impuls für die ganze Region»

In die Erweiterung und Erneuerung von Stump’s Alpenrose haben die Besitzer und Betreiber in den letzten Jahren mehr als 4 Millionen Franken investiert. Im Hotel Hirschen werden aktuell für 3,5 Millionen Franken neue Zimmer und Infrastruktur realisiert.

Die beiden Hoteliers Roland Stump und Michael Max Müller begrüssen das Projekt Jufa Hotel ausdrücklich –und auch die 7-Millionen-Investition der Standortgemeinde Wildhaus-Alt St. Johann in die dortigen, öffentlich nutzbaren Anlagen. Das bekräftigen sie gemeinsam auf Facebook und gegenüber dem W&O.

Volkswirtschaftlich ein enormer Nutzen

Zuerst habe er geschluckt, als er die Summe hörte, welche die Gemeinde beisteuert, sagt Michael Max Müller. Doch er sehe dies als wirtschaftliches und touristisches Impulsprogramm. Das Jufa Hotel sei für das ganze Tal enorm wichtig. «So ein Impuls ist für unser Tal dringend nötig», hält er fest.

Auch Roland Stump begrüsst das Jufa Hotel «auf der ganzen Linie». Es sei «ein enormer Impuls für die ganze Region». Heute sei es ein Modus vivendi, dass eine Gemeinde ein für die Region so wichtiges Projekt aktiv unter-stütze. Es sei positiv, dass die Jufa-Gruppe Wildhaus, dank der Ausrichtung auf Familien, Jugendliche und Gruppen, als vielversprechend erachtet.

Volkswirtschaftlich erwartet Müller dank dem Jufa Hotel einen enormen Nutzen. «Wenn man davon ausgeht, dass das neue Hotel rund 3,5 Millionen Franken Umsatz erzielen wird, bedeutet dies, dass rund 1 Million direkte Warenkosten anfallen werden. Es ist anzunehmen, dass davon über 50 Prozent direkt im Tal bleiben werden (Waren für Restauration, Getränke etc.).»

Ähnliches erwartet er sich durch den Neubau. Beim eigenen Umbau im «Hirschen» würden rund ein Viertel von gut drei Millionen Franken als Wertschöpfung im Tal bleiben. Er hofft, dass das auch bei den 21 Millionen des Jufa Hotels ähnlich sein werde.

Das mit dem Jufa Hotel ein «international Player» nach Wildhaus komme, bezeichnet Müller als Glücksfall. Denn dank dessen enormer Marketingkraft bringe es eine Belebung und neue Kunden. Auch Roland Stump ist überzeugt, dass der grosse Kundenstamm dieser Gruppe neue Gäste nach Wildhaus bringt.

Michael Max Müller fügt bei, auch seine Kunden im «Hirschen» würden vom Schlechtwetter-Angebot profitieren, das mit der Freizeitinfrastruktur durch die Investition der Gemeinde realisiert wird. So stünden die sieben Millionen allen Hotels zur Verfügung. Roland Stump ergänzt, die Investition durch die Gemeinde ermögliche, dass nicht nur die Gäste anderer Hotels, sondern auch die vielen Zweitwohnungsbesitzer und die Einheimischen ein schon lange gewünschtes öffentliches Wellnessangebot erhalten.

Zusätzliche Wertschöpfung für alle in der Region

Der Hotelier von «Stump’s Alpenrose» ist überzeugt, dass auch die Bergbahnen umsatzmässig direkt vom Jufa Hotel profitieren werden. Sehr wichtig seien dessen Gäste auch für die nahe Eisbahn, den Tennisplatz,

die Minigolf-Anlage und andere, die finanziell teilweise «an der Grenze» seien. Auch für die weiteren Infrastrukturen in der Region wie Gamplüt und Chäserrugg würden sie zusätzliche Wertschöpfung bringen, betont Roland Stump.

Auch er fürchtet sich nicht vor der neuen Konkurrenz, im Gegenteil: «Jeder gut laufende Betrieb bringt mir einen Nutzen, denn jeder Gast in einem anderen Hotel ist ein potenzieller Restaurant-Gast bei mir.» Die Jufa-Gäste würden auch anderswo konsumieren. Zu den Befürchtungen von Kollegen sagt Stump: «Die Jufa-Zimmer sind einfach ausgestattet und auf Mehrfachbelegung ausgelegt. Wir anderen sind anders ausgerichtet. Zudem sind die Jufa Hotels nicht so persönlich geführt wie unsere.»

«Hirschen»-Hotelier Michael Müller sieht das neue Hotel auch als «Ansporn für die bestehenden Hotels mit positiven Auswirkungen. Das bringt uns den Kick, unsere Angebote zu überprüfen, aufzurüsten und zu investieren», sieht er den Mitbewerber als durchaus positiv.

Urnenabstimmung am 15. April

21 Millionen Franken investiert die liechtensteinische ITW-Gruppe in das Jufa-Hotel, das in Wildhaus geplant ist und von der österreichischen Jufa-Gruppe betrieben wird (W&O vom 15., 24. und 27. März). Allerdings nur, wenn die Gemeinde das Projekt mit 7 Millionen Franken unterstützt, wie die ITW sagt.

Die Standortgemeinde Wildhaus-Alt St. Johann will dieses Projekt unterstützen, indem sie die auf Familien und Gruppen ausgerichteten öffentlichen Nutzungen im Hotel mit einem Betrag von 7 Millionen Franken unterstützt. Insbesondere sind es Spielbereiche, ein Fitness- und Wellnessbereich mit einem Wasserbecken sowie eine Bowlingbahn. Betrieb, Unterhalt und Ersatzkosten gehen zu Lasten des Betreibers und des Investors. Zudem stellt die Gemeinde dem Investor 6693 Quadratmeter Bauland in der Sandgrueb im Baurecht zur Verfügung.

Am 15. April stimmt die Bürgerschaft an der Urne über den Gemeindebeitrag ab. Am Freitag, 6. April, um 20 Uhr, findet nochmals eine Informationsveranstaltung zur Vorlage im Mehrzweckgebäude Chuchitobel statt. (ts)