WILDHAUS: In der Welt von Posts und Tweets

Die Bewirtschaftung von sozialen Medien nimmt im Tourismus eine immer grössere Rolle ein. Auf der Suche nach einer Feriendestination lassen sich viele von Bildern und Videos leiten.

Armando Bianco
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Bilder im Kopf: Die professionelle Bewirtschaftung von Online-Kanälen wird für das Toggenburg immer wichtiger. (Bild: swiss-image.ch/Dolores Rupa)

Bilder im Kopf: Die professionelle Bewirtschaftung von Online-Kanälen wird für das Toggenburg immer wichtiger. (Bild: swiss-image.ch/Dolores Rupa)

Armando Bianco

armando.bianco@wundo.ch

Zwei Biker im Vordergrund bilden eine Silhouette, die letzten Sonnenstrahlen am Horizont fallen flach über die Alp, die wunderschöne Aufnahme strahlt ein Gefühl der Zufriedenheit aus. Ein anderes Bild zeigt einen dyna­mischen Carver auf einer frisch planierten Piste, der Schnee stiebt unter den Kanten, im Hintergrund erheben sich majestätisch zwei der sieben Churfirsten.

Das Toggenburg in seiner ganzen Schönheit steckt in diesem klassischen Ferienprospekt, der für Sommer/Herbst in einer Auflage von 30 000 Stück gedruckt wurde. Darin sind sämtliche Vorzüge der Feriendestination in Wort, Bild und Zahl aufgeführt. Professionell gestaltet, hoch­wertige Aufnahmen, keine Attraktion und Information fehlt. Blättern, schwelgen, träumen, buchen. Zu jeder Jahreszeit. Toggenburg Tourismus hat in den letzten Jahren in die Qualität des Ferienprospekts investiert, eine kleine Region kommt hier auf Papier ganz gross raus.

Der nächste Klick ist nicht weit entfernt

Der erste Schritt geht im heutigen Zeitalter aber immer weniger über das bedruckte Papier. Die Köder, um potenzielle Feriengäste zu begeistern, werden online via soziale Medien gestreut. Insta­gram, Pinterest, Twitter, Snapchat, Facebook und Blog heissen die elektronischen Kanäle, welche Toggenburg Tourismus bewirtschaftet. Wer aus der schier endlosen Masse an Accounts, Posts und Tweets im Internet herausragen möchte, muss Bilder und Videos und Botschaften verbreiten, die den User auf den ersten Blick fesseln, denn der nächste Klick ist nicht weit entfernt. Smartphone und Tablet sind stets griffbereite Reiseführer, die nie veralten. «Ohne die digitale Welt läuft heute praktisch nichts mehr, auch im Tourismus ist das deutlich zu spüren», hält Toggenburg Tourismus dazu fest – natürlich online. Papier ist vergänglich (aber un­bestritten von längerer Lebensdauer als jedes andere Speichermedium), jedoch nicht allzeit verfügbar wie die digitalen Produkte.

In der Erstellung der Inhalte konzentriert man sich im Land der sieben Berge derzeit auf zwei ­Social-Media-Kanäle, nämlich Insta und FB, ausgeschrieben Insta­gram und Facebook. Es gelte, diese Kanäle wirkungsvoll zu bestücken, dreimal die Woche ein hübsches Bildli online zu stellen, reiche bei weitem nicht. Social Media effektiv zu nutzen, erfordert Wissen, Kreativität und ein Feeling für den User. Und manchmal braucht es ein bisschen Glück und Dynamik, damit ein Bild oder ein Video viral geht und das Netz erobert. Schon manch offensichtlich unbedeutender Post ist zum Millionen-Klick-Wunder geworden.

Ein angesagter Kanal mit ­hohem Wachstum ist derzeit Insta­gram. Diese Plattform eignet sich für die touristische Kom­muni­kation besonders gut, denn gute Bilder sind für Feriengäste oft ein Entscheidungskriterium. Im vergangenen Sommer hat man im Toggenburg bekanntlich einige Top-Instagramer auf die Motivsuche geschickt, diese haben ihre besten Schnappschüsse mit Zehntausenden von Followern (zu Deutsch Anhängern) ­geteilt. Das nennt man Erschliessung neuer Zielgruppen. Er­freu­liche Reichweiten erzielt auch die Video­reihe «Toggenburg Tourismus on Tour», in denen die Belegschaft selbst verschiedene Angebote im Tal erkundet. Mit der Vernetzung und Weiterverbreitung durch andere User vervielfältigt sich die Botschaft schnell, der Aufwand rechtfertigt sich dadurch alleweil.

Seit sieben Jahren jeden dritten Tag ein Tweet

Der Blick in die Online-Aktivitäten zeigt eine beachtliche Qualität. Die Verantwortlichen setzen seit sieben Jahren im Schnitt jeden dritten Tag einen Tweet ab, in jüngerer Zeit immer häufiger mit toll gemachten Videos in hoher Qualität unterlegt. Twitter wird ja bekanntlich auch von US-Präsident Donald Trump als Kommunikationsmedium genutzt. Auf Instagram lässt man Bilder sprechen, auch mal mit Filtern gepimpt, das hat dem Kanal bisher 1150 Followers gebracht. Etwas verwaist hingegen ist der Toggenburger Auftritt bei Pinterest, was sicher mit nicht generös vorhandener Kapazität zu tun hat. Regelmässig gibt es auch spannende Beiträge im hauseigenen Blog mit viel Hintergrundwissen für Lese- statt Fotoratten.

Auch andernorts werden übrigens die Social-Media-Kanäle befeuert, zum Beispiel bei Heidiland Tourismus, das eine ähnliche Struktur wie das Toggenburg aufweist. Diese Destination legt die Priorität ebenfalls auf Instagram, Facebook und Twitter. Anstatt für Pinterest haben sich die Social-Media-Verantwortlichen im Sarganserland jedoch für die Fotoplattform Flickr entschieden.