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In der Ziegelhütte Appenzell werden wilde Musikbilder gezeigt

Zwischen den Weltkriegen herrschte eine Zeit des Aufbruchs. Das zeigt sich in 200 knalligen Covern von Musiknoten aus jener Zeit, die in der Ziegelhütte Appenzell zu sehen sind.
Urs-Peter Zwingli
Kurator Roland Scotti (links) und das Sammlerpaar Dora und Walter Labhart in der Ziegelhütte Appenzell. (Bild: Urs Bucher)

Kurator Roland Scotti (links) und das Sammlerpaar Dora und Walter Labhart in der Ziegelhütte Appenzell. (Bild: Urs Bucher)

Frauen mit kurzen Bubikopf-Frisuren tanzen eng mit anderen Frauen, schwarze Musiker blasen ins Saxofon, dazwischen rasen Züge durchs Bild und immer wieder: feiernde Menschen in bunten Kulissen.

Solche Sujets dominieren die Umschläge von Musiknoten aus den 1920er- und 1930er-Jahren, welche die Ziegelhütte Appenzell in ihrer neuen Ausstellung «Oh, Donna Clara» zeigt. Unter diesem Titel, der von einem damaligen Tangostück entliehen ist, hat der Schweizer Kulturjournalist und Musikforscher Walter Labhart 2017 bereits ein Buch herausgebracht. «In meiner Musikbibliothek befinden sich mehrere 10000 Partituren, Tonträger, Handschriften und eben auch Titelblätter von Musiknoten», sagt der 75-jährige Labhart beim Rundgang durch die Ausstellung.

Die Musiktitel hat er gemeinsam mit seiner Frau Dora vor Jahrzehnten auf Reisen durch Europa, die USA und Südamerika zusammengetragen. «Das bedeutete, in einfachen Hotels unterzukommen und Antiquariate zu durchstöbern», erinnert sich Dora Labhart mit einem Schmunzeln.

Kurze Haare, wildes Nachtleben

Geprägt sind die Musiktitel von der Art déco. Diese Gestaltungsrichtung entwickelte sich in der sozialen und technologischen Aufbruchsstimmung zwischen den Weltkriegen: Jazzmusik wurde populär, Frauen trugen kurze Haare, das Nachtleben pulsierte und immer mehr Autos rollten über die Strassen.

«Die Verbreitung des Radios hat dazu geführt, dass viel mehr Musik die Menschen erreichte», sagt Roland Scotti, Kurator der Kunsthalle. «So wurden die Musiknoten begehrt. Die Menschen wollten, was sie im Radio hörten, zu Hause oder in Kneipen nachspielen und -singen.» Der ausufernde Art-déco-Stil auf den Titelblättern dieser Noten wolle die pulsierende Moderne abbilden.

Tatsächlich könnte man das Lebendige als verbindendes Element der über 200 Musiktitel identifizieren – in deren Explosion der Farben und Formen herrscht nämlich eine chaotische Vielfalt der Stilmittel: Bereits die Typografie ist wild, oft kommen auf einem Musiktitel bis zu vier Schriftarten vor.

Viele Künstler gerieten in Vergessenheit

Gezeigt werden vor allem stilisierte Menschen im weiten Kontext von Tanz, Liebe und Musik. «Viele Zeichner und Illustratoren waren bei Verlagen angestellt und produzierten über Jahre Musiktitel», erklärt Musikforscher Labhart.

«Dass einige Titel signiert sind, zeigt, dass dies dennoch Werke mit einem gewissen künstlerischen Anspruch sind.»

Viele Künstler gerieten im Zweiten Weltkrieg in Vergessenheit. «Dies ist eine Gelegenheit, ihr Schaffen wieder zu entdecken», sagt Kurator Scotti. Den Besuchern werden Kurzbiografien der Künstler abgegeben und in der Ziegelhütte-Konzertreihe sind vier Abende einigen ausgestellten Kompositionen gewidmet.

Klug gegliedert ist die Ausstellung in zwei Ebenen: In der unteren, im «Kiosk», sind Art-déco-Titel dicht aufgereiht, fast als würde man durch ein Geschäft streifen. Ergänzend stehen in der Mitte des Raums Radios der Epoche aus der Sammlung des Röhrenradio-Museums Ledergerber in Bühler.

Auch Musikabspielgeräte vergangener Tage sind ausgestellt. (Bild: Urs Bucher)

Auch Musikabspielgeräte vergangener Tage sind ausgestellt. (Bild: Urs Bucher)

Der obere Stock, das «Museum», ist reduzierter. Hier werden zeitliche Vorläufer der Art déco gezeigt, darunter grosse Namen: So ist ein Musiktitel, den Pablo Picasso für einen Ragtime von Igor Strawinsky illustriert hat, zu sehen, zudem werden Werke des spanischen Surrealisten Salvador Dalí, des Schweizer Künstlers Max Bill sowie des französischen Malers Jean Cocteau gezeigt.

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