Wilde Kerle

Der moderne Mann ist in der Krise, sagt man. Von den ganzen Emanzen total eingeschüchtert. Verwirrt! Verunsichert! – Es ist nichts Neues, aber Tatsache ist: Männer wissen nicht mehr, was Frauen wollen.

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Der moderne Mann ist in der Krise, sagt man. Von den ganzen Emanzen total eingeschüchtert. Verwirrt! Verunsichert! – Es ist nichts Neues, aber Tatsache ist: Männer wissen nicht mehr, was Frauen wollen. Dabei muss ich der Fairness halber zugeben, dass wir Frauen auch nicht ganz konsequent sind in unseren Bedürfnissen. Grundsätzlich möchten wir ja durchaus einen Partner, der seine Gefühle zeigt (was wiederum bedingt, dass er überhaupt welche hat und sich dessen auch bewusst ist) und uns für unser Aussehen und unsere Persönlichkeit immer wieder aufs neue lobt. Der Mann soll also gefühlsbetont sein. Aber, und das ist ein wirklich sehr grosses Aber: Bei aller Emotionalität darf der Typ auf gar keinen Fall ein Weichbecher sein.

Wenn Sie nun denken, die Welt sei verloren, weil sich Frauen und Männer schlicht nicht mehr verstehen, so sehen sie allzu schwarz. Es gibt Auswege. Mindestens einen kenne ich aus Erfahrung, und der geht so: Eine muntere Truppe von Männern, allesamt den emotionalen Ansprüchen der Frau genügend, trifft sich einmal pro Woche, um ihre Männlichkeit auszuleben. Die Jungs tun alles, was echte Kerle auszeichnet. Sie prügeln sich (das nennen sie dann Kampfsport), trainieren ihre Muckis und sitzen hernach beim Bier um den Stammtisch. Zur Abwechslung steht auch schon mal Bagger fahren, Bäume fällen oder ballern im Schiesskeller auf dem Programm.

Von solchen Highlights zehren alle Beteiligten während Tagen. In ausschweifenden Mailfluten bestätigen sie sich im nachhinein, wie kämpferisch der eine ausgesehen habe, wie mutig der andere gewesen sei und wie hart im Nehmen überhaupt alle seien. Von Bildschirm zu Bildschirm wird weiter um Ruhm und Ehre gekämpft; dabei werden Titel verteilt wie «Der Kiefer», «Der Silberblick» oder «The Rock». So sind am Ende alle zufrieden. Die Damen inklusive – vorausgesetzt, ihr Typ ist nicht «Der zittert wie Espenlaub». Corina Vuilleumier