Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

WIL: Nass, dreckig und im Galopp

Übers Wochenende tummelte sich auf den Weierwisen in Wil ein buntes Volk – Authentizität war gross geschrieben. Trotz nasser Witterung zog das fünfte mittelalterliche Hofspektakel eine grosse Besucherzahl an. Das Rahmenprogramm war bunt und informativ.
Carola Nadler
Ritter führten Geschicklichkeitsspiele an den Turnieren als Training für Kampfhandlungen auf. (Bild: Carola Nadler)

Ritter führten Geschicklichkeitsspiele an den Turnieren als Training für Kampfhandlungen auf. (Bild: Carola Nadler)

WIL. Der Geruch nach Holzfeuer, Leder, verbrannten Kräutern und nassem Dreck überlagerte am Wochenende die Äbtestadt. Anoraks und Wanderschuhe, zwar nicht ganz Mittelalter-like, waren die sinnvollste Kleidung für einen Besuch des Hofspektakels auf den Weierwisen. Ansonsten konnten die Regengüsse den Teilnehmenden nichts oder höchstens einen leichten Schnupfen anhaben trotz schlammverkrusteter Lederschuhe und blosser, in Felle eingewickelter Schultern. Miese Laune? Keineswegs, mit einem Jetzt-erst-recht-Lächeln wurde das Mittelalter zelebriert, wurde eingetaucht in ein Leben jenseits des heute sterilen Wohlstandskonsums – Mittelalter ist Kult.

Mittelalter ist Lebensgefühl

Es ist ein markanter Unterschied, ob man sich an der Fasnacht in ein Lederwams zwängt oder ob man an einem Wochenende fünf Stunden lang ein Poulet über dem Holzfeuer dreht, das Feuer für das Schmieden eines Schwertes mit einem Blasebalg am Leben erhält oder auf Geschirrspülmittel und Deo verzichtet. Das Zelebrieren des Mittelalters ist wie ein Virus, ein Lebensgefühl, das auch über die Grenzen eines solchen Festes hinausreicht. In der Freizeit werden Kampftechniken trainiert, Kleider nach historischen Vorbildern mit möglichst authentischen Textilien genäht, werden überlieferte Kochrezepte ausprobiert.

So standen zwar für die Verköstigung des Volkes – Teilnehmer und Besucher – auch Pizza und Pommes – so historisch wie nur irgend möglich hergestellt – auf den Speisekarten der Buden. Doch grössere Nachfrage erfreuten sich die Hanftaschen mit Röstfleisch, die Zwiebelsteaks, Mehlspatzen und Dinnende, eine Flammkuchen-ähnliche Speise aus dem Schwäbischen. Selbstverständlich flossen auch Bier und Met.

Holzfiguren geköpft

Das Rahmenprogramm war bunt und informativ. Gaukler, Musiker und Ritter zeigten mit ihren Darbietungen, was im Mittelalter an Unterhaltung geboten worden war: Rasante Rhythmen, halsbrecherische Geschicklichkeitsübungen und immer wieder Spiele, um die Kampftechniken nicht einschlafen zu lassen. Auch die Ritterturniere dienten diesem Ziel: Im Galopp mussten mit dem Schwert Holzfiguren geköpft und Apfelscheiben geschnitten werden. Vor allem bei Kindern kamen die Demonstrationen besonders gut an: Wie legt man sich ein Kettenhemd an und für welche Kampfform wendet man welches Schwert an? An Marktständen schliesslich wurden Waren feilgeboten, die jedes Anachronistenherz höher schlagen liess: Felle, Pfeile, Buchbindekunst, Kräuter, Kleidung und Schmuck. Was im Jahr 2008 als einmaliges Volksfest geplant war, hat sich aufgrund der immensen Rückmeldungen zu einer beliebten Tradition gemausert.

OK-Präsident Philippe Weder zeigte sich trotz des regnerischen Wetters zufrieden. «Es war ein gelungener Anlass.» Das Konzept habe sich bewährt, das OK flexibel auf die Wetterbedingungen reagieren und die Teilnehmer sowie Besucher hätten gut mit der Situation umgehen können. Wie viele sich ins Mittelalter entführen liessen, kann noch nicht gesagt werden.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.