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WIL: Der Planer im Hintergrund

Walter Bachmann ist seit 2011 Generalsekretär der SRG. Seine Karriere in den Medien verdankt der Wiler seiner Zeit beim Lokalfernsehen Wil. Sein Job gefällt ihm, auch wenn er die Programmnähe vermisst.
Tim Frei
«Das Hobby, Filme zu machen, ist eine Leidenschaft, die mir bis heute geblieben ist», sagt Walter Bachmann. (Bild: Tim Frei)

«Das Hobby, Filme zu machen, ist eine Leidenschaft, die mir bis heute geblieben ist», sagt Walter Bachmann. (Bild: Tim Frei)

Tim Frei

tim.frei@wilerzeitung.ch

Hoch oben in den Räumen des Hauptsitzes der SRG an der Giacomettistrasse 1 in Bern liegt das Büro von SRG-Generalsekretär Walter Bachmann. Das Pult mit Computer ist so eingerichtet, dass der 54-jährige Wiler im Stehen arbeiten kann. Für Erholungs- und Denkpausen dient ein grosses rotes Sofa, das er aber nur selten nutzen kann. Von den Bergen des Berner Oberlandes bis zur Stadt – die Aussicht von oben aus diesem Hochhaus ist eindrücklich.

In sechs Wochen steht die Abstimmung über die No-Billag-Initiative an, welche die Abschaffung der Billag-Gebühren fordert. An diesem 4. März befindet das Stimmvolk somit über die Zukunft der SRG. Man könnte nun meinen, dieser Tag schwebe wie ein Damoklesschwert über Walter Bachmann. Doch weit gefehlt: Der erste Eindruck eines gelassenen, souveränen und bodenständigen Mannes bestätigt sich während des Gesprächs. Betreffend seine Familie – Bachmann hat fünf Kinder – zeigt er keine Berührungsängste und gibt sogar einige private Details preis. So zeigt er auf seinem Handy ein von ihm produziertes Videoporträt seiner Tochter, die Zirkusartistin werden will. «Das Hobby, Filme zu machen, ist eine Leidenschaft, die mir geblieben ist», sagt der in Wil aufgewachsene Walter Bachmann. Man nimmt ihm das völlig ab; die Freude, die er dabei versprüht, wirkt ansteckend. Wie aber hat diese Begeisterung Walter Bachmann von Wil bis nach Bern auf den Posten des Generalsekretärs geführt?

Bereits am zweiten Tag war er Kabelträger

Prägend für seinen Werdegang sei der 15. September 1980 gewesen, sagt Bachmann, der heute mit seiner Familie in Ammerzwil im Berner Seeland auf einem ehemaligen Bauernhof wohnt. Damals rief das Lokalfernsehen Wil in seiner ersten Sendung Bürger dazu auf, mitzumachen. Bachmann packte diese einmalige Chance. «Schon am zweiten Tag konnte ich mich als Kabelträger betätigen», so Bachmann. Später hatte er bei diesem Bürgerfernsehen verschiedene Rollen als Programmschaffender inne – als Kameramann, Regisseur, Produzent oder Sendungsleiter. Es habe nur eine informelle Hierarchie gegeben: «Zwei bis drei Teamleader leiteten die Sitzungen und machten Planungen.» Der Rest habe sich völlig natürlich ergeben: «Man hat sich gegenseitig ausgeholfen – mal war der eine der Chef einer Sendung, mal der andere.»

Fernsehequipment auf Gemüsewagen gestapelt

Das Lokalfernsehen Wil, das später Tele Wil hiess, war ein Pionier: Es war das erste konzessionierte lokale Privatfernsehen, welches über einen längeren Zeitraum Sendungen betrieb. Auch der Geist war pionierhaft: «Wir realisierten damals Sendungen, wie man es sich aus heutigen professionellen Gesichtspunkten nicht mehr vorstellen könnte.» Für eine Liveübertragung einer Zivilschutzübung in der Stadt Wil hätten sie beispielsweise das gesamte Equipment auf dem Wagen eines Gemüsehändlers gestapelt. Verdient hat Bachmann beim Lokalfernsehen Wil nichts. Und trotzdem konnte er sein Jusstudium mit Vertiefung in Medienrecht an der HSG in St. Gallen dank dieser Erfahrung finanzieren – wenn auch nicht direkt. «Als Programmschaffender konnte man das Equipment günstig ausleihen und damit Videoproduktionen für Dritte machen, zum Beispiel Generalversammlungen von Banken übertragen.»

Generalsekretär – ein vielfältiger Job

Nach Abschluss seines Studiums 1989 wechselte Bachmann zur SRG, wo er verschiedene Führungspositionen bekleidete. Bis 1994 war er Leiter Honorare und Lizenzen/Sponsoring, bis 1999 Stabschef Fiktion und Unterhaltung und bis 2005 Leiter Programmservices und Stabschef Programmdirektor und -dienste. Bis 2011 leitete er das Multimediazentrum sowie den Bereich Vermarktung und Partnerschaften, ehe er im gleichen Jahr zum Generalsekretär ernannt wurde. «Dass ich diesen Werdegang machen konnte, verdanke ich der Zeit beim Lokalfernsehen in Wil.» Bei seiner einzigen Bewerbung im Jahre 1989 sei die Medienerfahrung entscheidend gewesen. Und auch für seine verschiedenen Positionen in der SRG sei es von grossem Vorteil gewesen, dass er die Seite der Programmschaffenden kannte.

Als Generalsekretär hat er, fast wie damals in Wil, eine sehr vielfältige Arbeit: Er ist so etwas wie der Stabschef der Geschäftsleitung und der Generaldirektion. Er führt den Rechtsdienst, die Strategie- sowie Planungsgruppe, welche die Geschäfte der Geschäftsleitung planen, und das Risikomanagement. Zudem laufen die Kontakte der SRG mit den Bundesbehörden über ihn, genauso wie die Koordination von Kooperationen mit privaten Medienunternehmen. Ein grosser Unterschied zur Arbeit beim Lokalfernsehen ist die fehlende Programmnähe. «Klar vermisse ich diese, wer würde das nicht?» Er sei als Generalsekretär wohl am weitesten vom Programm entfernt. «Das ist aber auch richtig so.»

Walter Bachmann tritt kaum in der Öffentlichkeit auf. Weshalb? «Ich muss als Planer dafür schauen, dass die Maschine im Hintergrund läuft. Das erwartet wie damals Roger de Weck auch der jetzige Generaldirektor Gilles Marchand von mir.» Dass dieser und andere Personen die SRG an Medienkonferenzen oder Podien gegen aussen präsentieren, sei nur logisch. «Sie können das auch besser als ich. So kann ich meine Stärken als Planer und Organisator im Hintergrund besser einsetzen.»

«Es wird langfristig weniger Sender geben»

SRG-Verantwortliche betonen in Interviews immer wieder, dass es bei einem Ja zu «No Billag» für die SRG keine Zukunft gebe. Bachmann bekräftigt dies im Gespräch und betont, dass für beide Szenarien Planungen in Vorbereitung seien. Bei einem Ja müsste das Unternehmen geordnet für eine saubere Liquidation zurückgefahren werden, um einen Konkurs zu verhindern. «Eines ist aber auch klar: Die SRG wird bei einem Nein eine andere sein als vor der Initiative. Sie muss und wird sich reformieren», sagt Bachmann.

Kritiker der SRG monieren oft, sie sei zu gross, habe zu viele Sender. Bachmann zeigt Verständnis für diese Kritik und sagt: «Es wird langfristig weniger Sender geben. Dies, weil sich auch die SRG an die veränderte Nutzung – vor allem von jungen Menschen – anpassen muss.» Der Trend gehe weg von der linearen zur non­linearen Nutzung: «Gleich bleiben wird die Produktion von Inhalten und gleichwertigen Angeboten für die Sprachregionen, verändern werden sich aber die Verbreitungskanäle.»

Zu seiner Heimat Wil hat Walter Bachmann nach wie vor einen starken Bezug. Regelmässig trifft er Freunde von damals oder besucht seine Mutter. «Ich schätze es enorm, dass ich diese Freunde noch treffen kann.» Die Wahrnehmung von Wil habe sich für Bachmann auch mit der Aussensicht von Bern nicht verändert, wie er sagt: «Dafür habe ich wohl zu wenig Distanz zu Wil.» Der Blick auf die Ostschweiz habe sich aber verändert: «Man solidarisiert sich mit den anderen Ostschweizern und kommt weg vom Konkurrenzdenken.»

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