Wiener Spezialitäten

Brosmete

Erich Fässler
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Kaiserschmarren, Esterhazyschnitte, Sachertorte, Fiakergulasch, Wienerschnitzel und Tafelspitz gehören dazu. Sie sorgten für unser leibliches Wohl in Wien. Für die geistige Nahrung sorgten Johann Nestroy und das Volkstheater. In «Höllenangst» aus dem Jahre 1849 heisst es: «Ich lass mir meinen Aberglauben von keiner Aufklärung nicht rauben.» Das Ergänzungsfach Geschichte der Kanti Trogen war vom Stück geradezu elektrisiert. Ihm sind die 168 Jahre nicht anzumerken. Es ist brutal aktuell. Wo wir in der Welt auch hinschauen, überall grassieren Aberglauben und Vorurteil. In Österreich bringen sie den Noch-Kanzler Christian Kern am kommenden Sonntag zu Fall, weil seine Wahlmaschinerie insgeheim und gemein Vorurteile fütterte, um den Gegner zu desavouieren. Sebastian Kurz sollte im Kern getroffen werden.

Lügner haben nur zuweilen kurze Beine. Fake-News können sich lohnen, denn sie füttern Vorurteile. Das zahlt sich aus, weil wir Gerüchten und Feindbildern mehr Glauben schenken als der Wahrheit. Der Aberglaube ist ein despotischer Tyrann, Eigennutz verewigt ihn und in der Umsetzung zur Tat wird er zum Fanatismus. Die Liftfahrt hinauf zum barocken Kuppelfresko in der Karlskirche gehörte mit zu unserem Programm. Und siehe da, da war es wieder, das Schlechtmachen der Gegner. Im Zuge der Gegenreformation triumphiert die ­Eucharistie im goldenen Mantel über den Teufel, die Falschheit und die Häresie in Form der ­Lutherbibel. Luther wird verteufelt, weil er die Bibel ins Deutsche übersetzte und die Menschen vom Aberglauben befreien wollte.

«Wenn a ka Teufel nicht wär, wo kommt alles das Teufelszeug her?» Nicht Nestroy sagt, was Teufelszeug ist. Das erledigen unsere Einflüsterer, seien es Politiker, Parteien, Ideologen, Werber oder Twitterer. Und dabei beteuern sie alle hoch und heilig, unseren Geist zu «illuminieren»…

Erich Fässler