Wieder weniger Schützen

Trotz erstmaliger Abgabe einer Kranzkarte hält der Teilnehmerrückgang beim Stoss-Schiessen an. Für das 500-Jahr-Jubiläum des Standes Appenzell plant der Verband eine Überraschung. Sorgen bereitet die Zielhangsanierung.

David Scarano
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GAIS. Der Rückgang der Teilnehmerzahlen beim Stoss-Schiessen ist markant: Anfang des Millenniums zielten noch rund 1400 Schützen mit ihren Ordonnanzwaffen aus 50 oder 300 Metern auf die Scheiben. Im vergangenen Jahr waren es noch 820. Dieses Wochenende sank die Zahl auf 740. Verbandspräsident Peter K. Rüegg nennt als einen der Gründe für den steten Rückgang den gesellschaftlichen Wandel, unter dem auch andere historische Schiessen zu leiden hätten. Ebenfalls eine Rolle spiele die Tatsache, dass in vielen Schützenvereinen das Stoss-Schiessen nicht mehr zur Jahresmeisterschaft zähle.

Attraktiver werden

Tatenlos schaut der Stoss-Schützenverband dem Teilnehmerschwund aber nicht zu. «Wir führen immer wieder Neuerungen ein, um die Attraktivität zu steigern», sagt Peter K. Rüegg. 2006 beförderten die Delegierten den Leiter des Liegenschaftenverwaltung des Kantons Thurgau und Präsidenten von Pallavolo Kreuzlingen vom Aktuarsposten an die Spitze des Stoss-Schützenverbandes. Seither weht beim grössten Schiessanlass des Appenzellerlandes ein frischer Wind. Unter seiner Ägide zügelte der Anlass von der Starkenmühle wieder an den ursprünglichen Ort bei der Stoss-Kapelle. Eine weitere wichtige Änderung betraf die Erneuerung des Gastronomieangebots. Statt des traditionellen Militär-Eintopfes Spatz wird den Schützen ein Stoss-Filet angeboten. Auch in diesem Jahr wartete das Stoss-Schiessen mit einer Neuerung auf: Treffsichere Schützen (ab 52 Punkten) erhielten erstmals eine Kranzkarte. «Wir reagieren damit auf den Wunsch vieler Teilnehmer», sagte Peter K. Rüegg. Bislang kannte das Fest strenge Richtlinien: Nur ein Prozent der Teilnehmer erhielt einen Kranz.

Überraschung 2013

Der Teilnehmerrekord beim Stoss-Schiessen stammt aus dem Jahre 1955. Damals kamen im Rahmen der 550-Jahr-Feierlichkeiten der Schlacht am Stoss fast 2200 Schützinnen und Schützen nach Gais. Im kommenden Jahr feiert das Appenzellerland wiederum ein grosses Jubiläum. Am 17. Dezember 2013 jährt sich zum 500. Mal der Tag, an dem das Land Appenzell als 13. Stand in die Alte Eidgenossenschaft aufgenommen wurde. Gemeinsam mit dem Kollegen des Vögelinsegg-Schiessens, dem zweiten historischen Schiessen im Appenzellerland, plant der Stoss-Schützenverband eine Überraschung. Was genau, verrät Peter K. Rüegg zum jetzigen Zeitpunkt nicht.

Was passiert nach 2020?

Der Stoss-Verband hat aber nicht nur mit den Teilnehmerzahlen zu kämpfen. Sorgen bereitet auch die unumgängliche Zielhangsanierung. Diese dürfte laut Peter K. Rüegg finanziell wohl nicht zu bewältigen sein. Die Auflagen des Bundesamts für Umwelt müssen bis 2020 erfüllt werden. Danach könnte der Fall eintreten, dass das Stoss-Schiessen nicht mehr wie bisher in freier Natur stattfindet, sondern in eine Schiessanlage zügeln muss. Die Gewehrschützen dürften dann im Gaiser Schiessstand ihren Wettbewerb austragen, die Pistolenschützen hingegen müssten ausserhalb der Gemeinde Unterschlupf finden. «Zwei Standorte wären für den Festcharakter des Stoss-Schiessen nicht gut», sagt Peter K. Rüegg. Noch bleiben einige Jahre, um eine Lösung für den grössten Schiessanlass des Appenzellerlands zu finden.

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