Wieder ganz viel Zeit verschenkt

Die Hospizgruppe Toggenburg-Neckertal führte am Dienstag ihre 6. Hauptversammlung mit neuer Präsidentin durch. Die Anwesenden liessen sich im Anschluss von Monika Laib über Sterbekultur und Blumenrituale informieren.

Martina Signer
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Blumen und Kerzen unterstützen laut Referentin Monika Laib den bewussten Abschied nach dem Tod. (Bilder: Martina Signer)

Blumen und Kerzen unterstützen laut Referentin Monika Laib den bewussten Abschied nach dem Tod. (Bilder: Martina Signer)

WATTWIL. Die Hauptversammlung einer Hospizgruppe zu besuchen, löst im Voraus eher trübe Gedanken aus. Doch Fränzi Niebecker, die neue Präsidentin des Vereins Hospizgruppe Toggenburg-Neckertal, machte deutlich, dass mit dem Begleiten von schwerkranken oder sterbenden Menschen nicht nur traurige Situationen einhergehen. «Die Menschen, die uns brauchen, fühlen sich aufgefangen», sagt sie und betont, dass dies nur funktionieren könne, wenn alle Fäden zu einem Netz zusammenlaufen. Dazu brauche es auch Leute mit Herz, die bereit seien, einen Teil ihrer Zeit zu verschenken. Im Vorstand laufen alle diese Fäden zusammen. Jedes Vorstandsmitglied hat andere Aufgaben, sei es in der Seelsorge oder in der Pflege, und so können die Synergien in der Hospizgruppe optimal genutzt werden.

Berührende Begegnungen

Zeit. Das haben die freiwilligen Begleiterinnen der Hospizgruppe auch im vergangenen Jahr jede Menge verschenkt, wie Einsatzleiterin Agnes Heiniger-Gmür vor Augen führte. Insgesamt waren es 40 Stunden am Tag und rund 180 Stunden in der Nacht, in welchen die Begleiterinnen schwerkranken oder sterbenden Menschen zur Seite standen. «Dankbar blicken wir auf ein Vereinsjahr zurück, welches geprägt war vom Geben und Nehmen», sagte die Einsatzleiterin. Im Austausch mit den 17 freiwilligen Begleiterinnen hätten die Einsatzleiterinnen von so mancher berührenden Begegnung erfahren dürfen. Oft fühlen sich die Begleiterinnen als Beschenkte, wenn sie Einblick erhalten dürfen in ein Familiensystem, einen persönlichen und intimen Lebensabschnitt eines Menschen miterleben dürfen und ihnen die Tür zu einem zuerst fremden Zuhause geöffnet wird. «Mit viel Einfühlungsvermögen, Anteilnahme und einem grossen Herzen begegnen unsere Begleiterinnen den schwerkranken Menschen und ihren Angehörigen. Solche Begegnungen berühren und beschäftigen oft noch weitere Tage.» Dabei sei es wertvoll, wenn die Begleiterinnen auch später Rückmeldungen erhielten. So könnten sie das Erlebte oftmals besser verarbeiten.

Zwei neue Kräfte im Vorstand

Die Traktandenliste sah am Dienstag eine Neuwahl vor. Kurzfristig habe sich aber nebst Trudi Fischer auch noch Elisabeth Kaiser entschieden, die Tätigkeit im Vorstand an eine neue Person zu übergeben. Trudi Fischer war laut Fränzi Niebecker eine Frau der ersten Stunde, als es um die Gründung einer Hospizgruppe Toggenburg-Neckertal ging. Sie habe damals als Spitex-Mitarbeiterin gemerkt, dass die Spitex teilweise überlastet sei und habe auf eigene Faust Leute gesucht, welche Unterstützung bieten konnten. So hat sie damals den Anstoss zur Gründung des Vereins gegeben. Sie habe als Fachperson Pflege mit ihrer reichen Berufserfahrung wertvolle Impulse in den Vorstand gebracht. Für sie wurde Doris Scherrer in den Vorstand gewählt. Doris Scherrer kann ebenfalls auf einen reichen Erfahrungsschatz in der Pflege zurückgreifen, leitet sie doch schon seit 17 Jahren die Spitex Oberes Toggenburg.

Elisabeth Kaiser war im Vorstand das Bindeglied zu den Begleiterinnen. Sie ist ausserdem im Palliativ Forum Kirchberg aktiv. Mit viel Herzblut hat sie die beiden Ämter ausgeführt und übergibt ihren Sitz im Vorstand der Hospizgruppe nun an Regula Bucher, pensionierte Fachfrau für Betreuung aus Wattwil.

Wieder mit dem Tod befassen

Im anschliessenden Referat ging die diplomierte Floristin Monika Laib aus Amriswil auf das Thema Blumenrituale und Sterbekultur ein. «In der heutigen, schnelllebigen Zeit bleibt oft nicht genügend Raum, um sich mit dem Tod zu befassen», sagt sie. Um die Geburt werde ein grösseres Aufhebens gemacht als um den Abschied. Sie ermutigte die Anwesenden, wieder zu einer Sterbekultur zurückzufinden und den Tod nicht zu vernachlässigen. Dies passiere immer häufiger – gewollt oder ungewollt. Rituale unterstützen laut der Expertin den bewussten Abschied von geliebten Menschen. Dabei seien Blumen, Kerzen oder auch nur stille Worte hilfreich, gab sie den Anwesenden mit auf den weiteren Weg.

Agnes Heiniger-Gmür Pflegefachfrau und Einsatzleiterin der Hospizgruppe

Agnes Heiniger-Gmür Pflegefachfrau und Einsatzleiterin der Hospizgruppe

Fränzi Niebecker Präsidentin Hospizgruppe Toggenburg-Neckertal

Fränzi Niebecker Präsidentin Hospizgruppe Toggenburg-Neckertal

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