Wieder Aus für ein Restaurant im Appenzeller Vorderland: Nach 40-jähriger Wirtetätigkeit schliessen Brülisauers die heimelige «Traube»

Volle vierzig Jahre lang haben Liliane und Sepp Brülisauer-Kehl ihrer «Traube» die Treue gehalten. Nachdem sich familienintern keine Nachfolgelösung realisieren liess, hat sich das Ehepaar schweren Herzens für die Aufgabe des Restaurants entschieden.

Peter Eggenberger
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Liliane und Sepp Brülisauer-Kehl waren die Betreiber der Oberegger Erststock-Wirtschaft «Traube».

Liliane und Sepp Brülisauer-Kehl waren die Betreiber der Oberegger Erststock-Wirtschaft «Traube».

Peter Eggenberger

In der an der Strasse Oberegg – Ebenau – Scheidweg gelegenen «Traube» begann die Familientradition Brülisauer im Jahre 1878, als der aus Schlatt-Haslen stammende Baptist Brülisauer mit seiner Gattin Viktoria die Oberegger Wirtschaft übernahm. Ab 1914 wirtete die zweite Generation, die 1935 von Ida und Hans Brülisauer-Breu abgelöst wurde. Vertreter der vierten Generation ist Sepp Brülisauer. Als ausgebildeter Zimmermann war er an verschiedenen Arbeitsstellen ausserhalb des Hauses tätig, und von 1974 bis 2001 arbeitete er im industriellen Webereiunternehmen Sefar AG in Heiden.

Gemütliche Höckler-Atmosphäre

Das Restaurant war folglich in erster Linie die Domäne von Gattin Liliane, die das Haus zum beliebten Treffpunkt mit viel Höckler-Atmosphäre werden liess. In den 1980er-Jahren verstärkte eine umfassende, mit Kirschbaum- und Arvenholz gestaltete Innenrenovation das Gefühl von gastlicher Geborgenheit, in der Einzelgäste, Familien, Gruppen und Vereine gerne verweilten. Viel Beachtung finden bis heute die damals geschaffenen Schnitzereien mit Wappen- und Naturmotiven, die Heimatliebe und Bodenständigkeit vermitteln. Im gleichen Zug wurden auch verschiedene Nebenräume renoviert, und gleichzeitig entstand die aussichtsreiche Sonnenterrasse mit direktem Zugang zu den Gaststuben.

Kundenmosterei von regionaler Bedeutung

Zu den Traditionen der «Traube» gehörte die vor fünf Jahren aufgegebene, von Sepp Brülisauer betriebene, modern ausgerüstete Kundenmosterei, die von Landwirten und Privaten aus der ganzen Region aufgesucht wurde. Nach der Aufgabe dieses Betriebsbereichs schliesst nun am 28. November auch das traditionsreiche Restaurant, nachdem keine familieninterne Nachfolgeregelung getroffen werden konnte.

«Wir haben gerne gewirtet.»

Das Haus bleibe ihr Wohnort, und die künftig privat genutzten Gaststuben würden sie wohl fast täglich an die vielen schönen Stunden mit ihren treuen Gästen aus nah und fern erinnern.

In Oberegg-Reute sind 24 Restaurants verschwunden

Seit der Übernahme der «Traube» durch Sepp und Liliane Brülisauer im Jahre 1980 sind in Oberegg folgende Restaurants verschwunden: Krone, Bären, Hirschen, Grütli, Riethof (im Dorfbereich), Alpenhof, Frohe Aussicht, Landmark (St. Anton), Schäfli (Eschenmoos), Hirschen (Kellenberg), Waldheim und Traube (Büriswilen), Sternen (Mitlehn) und Eintracht (Kapf).

Im eng mit Oberegg verbundenen Rüütiger Ortsteil Schachen verschwanden die Restaurants Waldegg, Taube und Kreuz. In Reute-Dorf wurden der Ochsen, die Linde und der Sternen geschlossen, und in Mohren (Reute) schliesslich sind die Wirtschaften Sturzenhard, Löwen, Krone und Grütli Vergangenheit.

Wiedereröffnet wurden im gleichen Zeitraum die Oberegger Restaurants Rütegg und Dreikönig.