Wie Wind und Wolken

Das Konzert der beiden Solisten Matthias Roth und Valentin Wandeler im Rahmen des Konzertzyklus Pro Wattwil vom Sonntag war eines der spannenden Sorte.

Peter Küpfer
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Den beiden Solisten war die Freude an ihrem anspruchsvollen Programm ins Gesicht geschrieben: Matthias Roth (links) und Valentin Wandeler. (Bild: Peter Küpfer)

Den beiden Solisten war die Freude an ihrem anspruchsvollen Programm ins Gesicht geschrieben: Matthias Roth (links) und Valentin Wandeler. (Bild: Peter Küpfer)

Den Anfang des Konzerts im Rahmen des Konzertzyklus Pro Wattwil machte Schumann, einer der frühen Meister, welcher zur unbestrittenen Anerkennung der Klarinette auch als Soloinstrument viel beigetragen hat. Seine Phantasiestücke für Klarinette und Klavier (op. 73) sind ein Muss für jeden Konzert-Klarinettisten. Valentin Wandeler (Klarinette) erwies sich schon zu Beginn als sensibler Interpret zwischen romantischer Entrückung und abgründiger Melancholie. Matthias Roth gab am Flügel mit Dynamik und Expressivität entsprechend Echo.

Wie Matthias Roth in seiner kurzen Begrüssung und Ankündigung ausführte, sind die beiden Musiker auch vom zweiten Komponisten auf dem Programmzettel, Alban Berg, fasziniert. Dessen berühmte «Vier Stücke für Klarinette und Klavier», ein frühes Opus (op. 5), entstand 1913, als sich Berg, wie Roth sagte, gerade auf dem Weg zur Annäherung an die Zwölftonmusik befand. «Für uns ist es ein Erlebnis zu entdecken und mitzugestalten, wie Alban Berg gerade hier mit einem Minimum an Umfang ein Maximum an musikalischer Intensität erreicht», sagte Roth.

Unterbrechung des Schweigens

Beide Interpreten traten darauf sogleich den Beweis ihrer Behauptung an. Die vier Stücke, Einzel-Juwelen jedes für sich, loten die ganze Bandbreite moderner Musik aus. Man sieht Fabrikschlote und Vorstadt-Chausseen, hört das Scheppern von Metall in Fabrikräumen so gut wie Vogelrufe in der Dämmerung oder sich entfernende Schritte auf menschenleeren Strassen. Alles nur angedeutet, alles als Zitat. Musik ist auch hier, nach den Worten eines Toggenburger Komponisten, die Unterbrechung des Schweigens, Konzentration und Emotion.

Den programmatischen Abschluss machten die beiden Interpreten mit der mächtig ausholenden Sonate Nr. 2 in Es-Dur (op. 120, 2) von Johannes Brahms. Hier erschienen noch einmal geballt alle Facetten ihres Könnens und ihrer Ausdruckskraft. Obwohl ausgreifender als die Stücke von Berg, ist hier auch der Altmeister auf der Suche nach musikalischer Reduktion auf das Wesentliche, wie das Programmheft anmerkte. Konzentration war also angesagt bei gleichzeitiger Gelassenheit, eine Haltung, die sich auf den Gesichtern der beiden sensiblen Interpreten so gut abzeichnete wie in ihrem gleichzeitig kontrollierten und beseelten Spiel.

Ein Strauss von Dreingaben

Das Publikum reagierte mit anhaltendem und begeistertem Applaus für den Auftritt der beiden Musiker, von denen der eine, Matthias Roth, im Toggenburg aufgewachsen ist und seine Impulse an dem Ort empfangen hat, wo er nun zusammen mit seinem Kollegen aufgetreten ist: an der Kanti Wattwil. Mit sichtlichem Vergnügen.

Das zeigte sich auch an den grosszügig bemessenen Dreingaben, darunter Debussys Rhapsodie Nr. 1, Regers «Albumblatt» und ein Werk des Schweizer Komponisten David Philip Hefti, eine eigentliche Uraufführung ausser Programm, wie die Musiker verrieten.

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