Wie weiter mit dem Frauenfussball

Die Kirchberger Frauenabteilung ist nach dem Abstieg aus der Nationalliga B in eine Krise geschlittert. Auflösungserscheinungen treten auf. Vereinspräsident Silvan Breitenmoser äussert sich zur schwierigen Lage.

Beat Lanzendorfer
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Präsident Silvan Breitenmoser (rechts) möchte Salih Özdemir, Trainer des Frauenteams der letzten Saison, gerne im Verein behalten. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Präsident Silvan Breitenmoser (rechts) möchte Salih Özdemir, Trainer des Frauenteams der letzten Saison, gerne im Verein behalten. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Gerüchten zufolge hat sich das Frauenteam aufgelöst. Ist das korrekt?

Silvan Breitenmoser: Es ist korrekt, dass sich neben den bereits seit längerem bekannten drei Rücktritten praktisch alle Spielerinnen des letztjährigen Teams nächste Saison neu orientieren und für einen anderen Verein spielen werden. Das ist aber nicht gleichbedeutend mit der Auflösung des Teams als solches.

Hat sich diese Entwicklung schon während der Saison abgezeichnet?

Breitenmoser: Das ist schwierig zu sagen. Tatsache ist, dass wir bereits in den vergangenen Jahren zunehmend Schwierigkeiten hatten, genügend Spielerinnen mit der notwendigen Qualität für unser Team nach Kirchberg zu bringen. Die sportliche Talfahrt hat diesen Effekt nochmals verstärkt. Dass nun nach dem Abstieg viele Abgänge resultieren, ist an sich nicht ungewöhnlich. Als Verein haben wir diese Erfahrung auch schon bei den Männern machen müssen, damals nach dem Abstieg von der zweiten in die dritte Liga. Dass wir nun aber praktisch keine Spielerinnen halten konnten, war sicher enttäuschend.

Gibt es Gründe, warum praktisch die ganze Mannschaft den Verein verlassen hat?

Breitenmoser: Wie gesagt, hatten wir primär ein Kaderproblem. Selbst wenn sich das ganze Team dazu entschlossen hätte, zu bleiben, wären wir wohl nicht in der Lage gewesen, nächste Saison ein schlagkräftiges 1.-Liga-Team zu stellen. Zu glauben, dass wir für ein 1.-Liga-Team zusätzliche Spielerinnen nach Kirchberg hätten locken können, wäre unrealistisch gewesen. Deshalb hat sich der Vorstand zum Schritt entschlossen, sich in der kommenden Saison auf ein Team zu konzentrieren. Ziel wäre natürlich ein 2.-Liga-Team gewesen. Aber dazu hätten wir einige Spielerinnen aus dem NLB-Team gebraucht.

Einige der Spielerinnen wären bereit gewesen, zu bleiben, wussten aber nicht, wie es weitergeht. Wie begegnen Sie dem Vorwurf, der Vorstand hätte nicht oder zu spät mit der Mannschaft geredet?

Breitenmoser: In den Gesprächen mit einzelnen Spielerinnen hat sich gezeigt, dass sich eigentlich niemand vorstellen konnte, tiefer als in der 1. Liga zu spielen. Wie ich bereits ausgeführt habe, wäre dies aber angesichts der Tatsache, dass wir kein genügend grosses Kader zusammengebracht hätten, nicht möglich gewesen. Wahrscheinlich hätte man diese Gespräche früher führen sollen – ich glaube aber nicht, dass dies am Resultat viel geändert hätte.

Die Entwicklung ist eigentlich atypisch. Der Frauenfussball boomt, bestes Beispiel ist die WM in Kanada. Kirchberg aber muss den Betrieb zurückfahren. Wo fehlt es?

Breitenmoser: Das stimmt nur bedingt. Wir dürfen nicht vergessen, dass Kirchberg auch nächste Saison eine beachtliche Frauenabteilung führen wird. Ich glaube, dass sich der Frauenfussball weiter entwickelt. Um jedoch gesamthaft erfolgreich zu sein, wird sich die Spitze stärker regionalisieren. Es ist einfach nicht sinnvoll, wenn im Umkreis von 50 Kilometern vier bis fünf Teams im Spitzenfussball mitmischen wollen. Unser Ziel ist es deshalb auch, unseren Startplatz in der 1. Liga in der Ostschweiz zu halten und nach Möglichkeit in unserer Region in absehbarer Zukunft erneut zu versuchen, ein Angebot im Spitzenfussball zu schaffen. Aus diversen Gründen müsste so ein Team im Raum Wil angesiedelt sein.

Die Möglichkeit, die Meisterschaft in der 1. Liga als FC Kirchberg zu starten, schliessen Sie demnach aus?

Breitenmoser: Für uns als FCK ja. Dafür haben wir momentan schlicht keine Basis. Wie gesagt, werden wir aber den Startplatz in der 1. Liga in der Ostschweiz halten. Mittels einer Gruppierung mit dem FC Amriswil können wir nächste Saison ein 1.-Liga-Team in Amriswil stellen und eine 3. Liga in Kirchberg. Vielleicht werden sogar einige unserer Spielerinnen im 1.-Liga-Team in Amriswil weiterspielen. Der FC Amriswil hat eine sehr gute Ausgangslage und kann für nächste Saison diverse Zugänge von erfahrenen Spielerinnen verzeichnen. Deshalb macht dieser Schritt für uns Sinn, und wir sind überzeugt, dass wir die gleichen Ziele haben, wie die Verantwortlichen in Amriswil.

Eine Zusammenarbeit mit einem Verein der Region war kein Thema?

Breitenmoser: Sicher war das ein Thema. Die Gespräche führten aber zu keinem positiven Abschluss.

Bisher galten die Frauen als gut im Verein integriert. War dem nicht so?

Breitenmoser: Das würde ich nicht in Frage stellen. Unsere Frauenabteilung ist gross und besteht auch nicht nur aus unserer 1. Mannschaft. Dass ein sportlicher Abstieg immer Risiken birgt, was das Kader angeht, ist letztlich auch normal. Viele unserer Spielerinnen sind jung und können noch viele Jahre auf hohem Niveau spielen. Da ist es verständlich, dass sie ihr Glück an einem anderen Ort versuchen.

Der Spielbetrieb in der Nationalliga B war ein finanzieller Kraftakt. Wollte oder konnte der Verein kein Geld mehr in die Frauen investieren?

Breitenmoser: Nein, das war nie ein Thema. Aus Sicht des Vereins sind wir immer von zwei ersten Mannschaften ausgegangen. Sowohl die Männer wie die Frauen hatten gleiche Voraussetzungen – das war mir sehr wichtig. Insgesamt war das finanziell natürlich anspruchsvoll, aber wir standen immer zu unserem Frauenteam.

Kann man in etwa beziffern, wie hoch die jährlichen Aufwendungen für die Frauen waren?

Breitenmoser: Das ist schwierig zu sagen. Man kann aber sicherlich sagen, dass die direkten Kosten im Vergleich zum Männerteam deutlich höher waren.

Wie geht es nun weiter?

Breitenmoser: Wir werden in Kirchberg mit einem 3.-Liga-Team in die Saison starten. Zudem versuchen wir, in Zusammenarbeit mit Amriswil, möglichst schnell wieder an die NLB heranzukommen. Wie sich dann der Spitzenfussball wieder in der Region verankern lässt, werden wir sehen. Ideen dazu gibt es.

Die Frauen haben auch wichtige Ämter im Verein besetzt. Müssen auch für diese neue Amtsträger gesucht werden?

Breitenmoser: Das müssen wir abwarten. Momentan sind sicherlich noch viele Emotionen im Spiel. Das braucht jetzt noch etwas Zeit, bis klar wird, wie es für die einzelnen Spielerinnen weitergehen wird.

Viele dürfte in diesem Zusammenhang auch interessieren, wie es mit dem Frauenfussballfestival (FFF) im Winter weitergeht. Gibt es eine Fortsetzung, immerhin feierte es im letzten Januar sein zwanzigjähriges Bestehen?

Breitenmoser: Natürlich wollen wir das FFF weiterführen. Ich bin mir sicher, dass wir hierfür eine gute Lösung finden werden.