Wie wär's mit einem Piraten?

Wer sein Geld gewinnbringend anlegen möchte, vertraut weder Bank noch Börse. Investiert wird in Piraten! Genauer in somalische Kriminelle, die vor dem Horn von Afrika Handelsschiffe kapern und Lösegeld erpressen.

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Wer sein Geld gewinnbringend anlegen möchte, vertraut weder Bank noch Börse. Investiert wird in Piraten! Genauer in somalische Kriminelle, die vor dem Horn von Afrika Handelsschiffe kapern und Lösegeld erpressen. An die 240 Millionen Dollar sollen sie allein im vergangenen Jahr verdient haben. Doch nur an die 30 Prozent des Lösegeldes geht an die Piraten. Der Rest wird an Clanführer, an korrupte Politiker oder in Form von Schutzgeld an Milizen bezahlt. Der grösste Teil des Geldes – rund 40 Prozent – fliesst jedoch ins Ausland, wo die Sponsoren der Piraten sitzen. Laut der Zeitung «Toronto Star» sind es alleine in Kanada mehr als 100 000 im Exil lebende Somalier, die in ihre kriminellen Landsmänner investieren. Sie bezahlen die Boote, Waffen und Ortungstechnik der Seeräuber und bekommen dafür als Rendite einen Teil des Lösegeldes. In bar versteht sich! Denn in Somalia gibt es keine Bank. Das Geld wird mit Hilfe von Schleusern rund um die Welt transferiert. Ein System, das auf Ehre und Vertrauen basiert. Spuren hinterlässt es keine. Piraten-Sponsoring nachzuweisen, ist entsprechend schwierig und damit umso lukrativer. Bis Ende Mai dieses Jahres kaperten die Piraten 22 Schiffe und nahmen 362 Seeleute als Geiseln. Beruhigen wird sich die Situation kaum. Schiffe unter deutscher Flagge dürfen zum Beispiel keine automatischen Waffen mitführen. Das deutsche Recht verbietet dies. Erlaubt sind nur halbautomatische Jagd- und Sportwaffen so- wie ehemalige Kriegswaffen, die oft an antike Museumsstücke erinnern. Die Piraten und ihre Financiers wird es freuen.

Christa Wüthrich

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