Wie steht es mit der Führungserfahrung?

Auf die neue Legislatur hin wird in Appenzell Ausserrhoden ein Sitz in der auf fünf Personen verkleinerten Regierung frei. Die Appenzeller Zeitung beleuchtet in den nächsten Wochen die Kompetenzen der Kandidierenden unter verschiedenen Blickwinkeln. Gewählt wird am 8. März.

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Zurücklehnen ist nicht, Führung erfordert ein aktives Zugehen auf die Menschen. (Bild: fotolia)

Zurücklehnen ist nicht, Führung erfordert ein aktives Zugehen auf die Menschen. (Bild: fotolia)

Auf die neue Legislatur hin wird in Appenzell Ausserrhoden ein Sitz in der auf fünf Personen verkleinerten Regierung frei. Die Appenzeller Zeitung beleuchtet in den nächsten Wochen die Kompetenzen der Kandidierenden unter verschiedenen Blickwinkeln. Gewählt wird am 8. März. Heute rücken wir die Führungsqualitäten in den Vordergrund. Die Kandidierenden bringen dazu ganz unterschiedliche Erfahrungen und Hintergründe mit. Allen gemeinsam scheint, dass sie schon in jungen Jahren Führung übernommen haben. Die politische Erfahrung und das Netzwerk bilden die künftigen Beiträge.

Angesprochen auf seine Führungserfahrung, nutzt der parteiunabhängige Regierungsratskandidat Alfred Stricker aus Stein die Möglichkeit, erst seine grundlegenden Gedanken darzulegen. «Führen kann man nicht in einem Kurs lernen und dann kann man es», sagt er. «Du musst die Menschen lieben und situativ entscheiden.» Auch gelte es, sich mit dem Team den gemeinsamen Zielen unterzuordnen. Der Mensch stehe im Zentrum, wenn es darum gehe, schnell zu handeln, vorauszuschauen, zu planen und zu organisieren.

Alfred Stricker gibt sich überzeugt, dass sich seine Führungskompetenz auf eine breite Erfahrung abstützt und er diese im Laufe der Zeit stets optimieren konnte. Deshalb sei er auch robust genug, auf verschiedene Situationen zu reagieren.

Konkret erwähnt Stricker als seine erste Führungserfahrungen die technischen Führungsfunktionen im TV Stein und im Turnverband Appenzellerland. Zudem war er im Militär als Offizier im Sport und Gebirge tätig, ebenso in der Feuerwehr. In beruflicher Hinsicht erwähnt er seine Aktivitäten in der Lehrlingsausbildung von Landwirten und sein derzeitiges Engagement im Vorstand des Schweizerischen Bauernverbandes. Bleibt noch die politische Seite: Er sei elf Jahre lang im Steiner Gemeinderat aktiv und damit Chef diverser Gremien gewesen.

Seinen persönlichen Führungsstil bezeichnet Alfred Stricker als menschlich-kooperativ. «Die Beteiligten anhören, Dringlichkeit beurteilen und entscheiden», sei eine seiner Führungsmaximen.

Angesprochen auf seine Führungserfahrung lässt es sich der CVP-Regierungsratskandidat Norbert Näf aus Heiden nicht nehmen, dem Journalisten gleich einige Mails vorzulesen. Spontan hätten ihn diese vor Weihnachten erreicht. Darin wird er, der derzeit noch als Gemeindepräsident von Heiden wirkt, nicht nur als Chef gewürdigt, der hinter dem Team stehe, sondern auch als einer mit Fachkompetenz und Elan. «Ich führe mit Vertrauen in die Fähigkeiten der Leute», bringt Norbert Näf seine Führungsmaxime auf den Punkt. Würde man die Mitarbeitenden nur als Nummern oder Funktionsträger betrachten, könne man nicht gleich viel von ihnen erwarten, wie wenn man sie als Menschen anspreche. Zum Mitarbeitergespräch gehört für ihn nicht nur die Frage, was jemand gemacht habe, sondern stets auch der Blick darauf, wie sich jemand weiterentwickeln könne.

Als seine erste Führungserfahrung nennt der Regierungsratskandidat seine Anstellung als Gemeindeschreiber von Untereggen, wo er einem Team von fünf Personen vorstand. Bei seiner nächsten Anstellung in Eschlikon habe er bereits ein Team von 12 Personen geleitet. Die politische Führung sei schliesslich dazu gekommen, als er Gemeindepräsident von Heiden wurde. Die Gemeinde Heiden habe rund 150 Angestellte. Norbert Näf erwähnt überdies seine erste Führungserfahrung als Jungwachtleiter und das Dunant-Jahr, wo er der Organisation mit rund 200 freiwilligen Helfern vorstand.

Angesprochen auf ihre Führungserfahrung bringt es die FDP-Regierungsratskandidatin Monica Sittaro im ersten Satz auf den Punkt: «Für mich ist Führung seit 15 Jahren Alltag.» Es sei die tollste Aufgabe. Man habe mit Menschen zu tun, müsse Flexibilität unter Beweis stellen und dürfe dabei das Ziel nicht aus den Augen verlieren. Seit bald sechs Jahren ist sie Prorektorin am Gewerblichen Berufs- und Weiterbildungszentrum St. Gallen GBS und führt einen Bereich mit rund 300 Mitarbeitenden. Wichtig sei ihr – egal mit welchen Berufsgruppen sie zu tun habe – stets nach den gleichen Prinzipien zu führen. Als wichtigste Eigenschaften nennt sie die Verlässlichkeit und Authentizität. «Das gibt Vertrauen», so Sittaro. Anerkennung und Wertschätzung der Mitarbeitenden finden sich ebenso in ihrer weiteren Aufzählung wie auch Offenheit.

Vor der gegenwärtigen Tätigkeit war Monica Sittaro zehn Jahre lang Schulleiterin im Kanton Zürich. Ausserberuflich habe sie Führungserfahrungen im Verbandswesen gemacht. Schliesslich fokussiert sie nochmals auf ihre jetzige Arbeit, die mehr sei als nur Schulleiterin. Der Bereich Weiterbildung am GBS arbeite selbsttragend, ihre Arbeit sei deshalb mit einem KMU vergleichbar und beinhalte einen grossen betriebswirtschaftlichen Anteil. Sittaro besitzt das Schulleiterzertifikat und sie hat den CAS Leadership an der Uni St. Gallen absolviert. (rf)

Alfred Stricker - Kanton AR - Bild: pd

Alfred Stricker - Kanton AR - Bild: pd