«Wie im Leben: Oma rief – Opa kam»

Wer den Text für eine Todesanzeige schreiben muss, findet im Internet Hilfe zuhauf. Manche Hinterbliebene wollen der Anzeige aber eine persönliche Note geben, werden selbst zu Dichtern und Gestaltern: Ein kühnes Unterfangen, das nicht immer gelingt.

Monika Egli
Drucken
Teilen
Besser «Stärker als der Tod ist die Liebe» und damit ein wenig gewöhnlich als mit einem «Nun ist endlich Schluss» weit weg vom guten Geschmack. (Bild: fotolia)

Besser «Stärker als der Tod ist die Liebe» und damit ein wenig gewöhnlich als mit einem «Nun ist endlich Schluss» weit weg vom guten Geschmack. (Bild: fotolia)

Todesanzeigen sind zu Traueranzeigen geworden. Ging es in den Anfangszeiten der publizierten Todesanzeigen – in Appenzell Ausserrhoden um das Jahr 1850 herum – oft darum, eine rechtliche Änderung in einem Geschäft bekanntzugeben, allenfalls mit dem Zusatz «schmerzerfüllt», wollen Hinterbliebene heutzutage ausführlich ihre eigene Gefühlslage schildern, daneben aber auch das ganz Besondere des Verstorbenen, seine positiven Eigenschaften und Vorlieben hervorheben. Kein einfaches Unterfangen! Der Platz ist knapp, und ein Leben in zwei, drei Sätze zu packen, ist ein schwieriges Unternehmen.

Besser ein wenig gewöhnlich…

An Hilfestellungen für das Texten mangelt es nicht. Ob bei der Inserateannahme einer jeden Zeitung oder im Internet: Zitate, Bibelsprüche, Lebensweisheiten und stilvoll formulierte Sätze sind in unendlicher Vielzahl vorhanden. Das führt allerdings auch dazu, dass sich die Todesanzeige nicht mehr besonders voneinander abheben. Die beiden meist benützten Sinnsprüche sind: «Und immer sind da Spuren deines Lebens, Gedanken, Bilder und Augenblicke. Sie werden uns an dich erinnern, uns glücklich und traurig machen und dich nie vergessen lassen.» Auch der Schriftsteller Victor Hugo wird oft zitiert: «Du bist nicht mehr da, wo du warst – aber überall, wo wir sind.»

…als «aus die Maus»

Um der Todesanzeige eine sehr persönliche Note zu geben, greifen Hinterbliebene je länger je mehr selber in die Tasten. Was dabei herauskommt, ist zuweilen wundervoll und berührend. Es kann aber auch ganz schön daneben gehen. Eine grosse Sammlung von nur mässig gelungenen, zum Teil regelrecht schrägen Todesanzeigen, nicht selten gespickt mit unfreiwilligem Humor, hat der Deutsche Christian Sprang zusammengetragen und unterdessen damit schon drei Bücher gefüllt. Wenn da beispielsweise steht «Nie gekämpft, im Strom des Lebens getrieben …darin untergegangen – aus die Maus», lässt das tiefe Rückschlüsse auf den Verstorbenen und seine Hinterbliebenen zu. Das gleiche gilt für «Papa, Du hast nicht vergebens gelebt: 50 Jahre haben wir gestritten, getrunken, gelebt – und das war gut so.» Oder: «Nun ist endlich Schluss. Der Mittelpunkt unserer Familie hat uns verlassen.» Hübsch, wenn noch beigefügt wird: «Grüss uns die Mutti!». Nur mässig phantasievoll zeigte sich jener Verfasser, der schrieb: «Hallo hallo – traurig traurig traurig.» Nicht lange rätseln über des Verstorbenen Hobby oder Beruf muss man, wenn seine Angehörigen schreiben: «Das sportlichste Mitglied unserer Familie wurde von seiner Krankheit überholt. Hans M. läuft nicht mehr.» «Er hat die Lampen in seinem Fachgeschäft nach 50 Jahren ausgeschaltet.» «Er lebte nur eine Halbzeit. Für uns ist die zweite Halbzeit, als spiele man nur mit halber Mannschaft.»

«Deine zornige Tochter»

Auch arge Familienstreitereien werden von Zeit zu Zeit über Todesanzeigen ausgetragen. Da kann man dann lesen: «Die unwürdige Bestattung hast Du nicht verdient. Leider wurde ich daran gehindert, Dich auf Deinem letzten Weg zu begleiten.» Bedenklich, wenn der Schwiegervater mit «Personifizierung geistigen Hochmutes und menschlichen Versagens» umschrieben wird, wenn «deine zornige Tochter» zeichnet oder darauf hingewiesen wird, dass «eine anonyme Beisetzung ohne Trauerfeier» vorgesehen ist.

Angesichts all dieser Ergüsse kann man nur mit einem Satz – ebenfalls einer Todesanzeige entnommen – schliessen: «Wir sind unfassbar.»

Quelle: www.todesanzeigensammlung.de.