Wie einst: Zu Fuss zum Tagungsort

Der Verein Lehrerinnen und Lehrer Appenzell Ausserrhoden wurde 1912 gegründet. Zuvor waren die Lehrer in regionalen Konferenzen vernetzt. Heute treffen sie sich in Gais, wo einst ein Lehrerseminar bestand.

Mea Mc Ghee
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GAIS. Heute nehmen Hunderte Lehrerinnen und Lehrer aus dem Appenzellerland den Weg zur jährlichen Kantonalkonferenz des Vereins Lehrerinnen und Lehrer Appenzell Ausserrhoden (LAR) nach Gais unter die Füsse. Sie wandern zur Jubiläumstagung, wie sie es in guten alten Zeiten taten. Ihr Verband feiert heuer sein 100jähriges Bestehen.

Wenig Dokumentiert

«In den Archiven finden sich nur wenige historische Dokumente zum Ausserrhoder Lehrerverein und zur kantonalen Lehrerbildung», hat Ruedi Steiner festgestellt. Der pensionierte Lehrer aus Bühler hat sich mit der Geschichte seines Berufsstandes befasst. Eine ergiebige Quelle ist das 65. Heft der Appenzellischen Jahrbücher von 1938. Es enthält eine Zusammenfassung zur Geschichte des Lehrervereins, verfasst durch den Urnäscher Lehrer Rudolf Rechsteiner. Vernetzt waren die Lehrer – damals übten ausschliesslich Männer diesen Beruf aus – seit 1824. Im Anschluss an eine öffentliche Prüfung von Junglehrern hätten die Schullehrer bei einem Nachtessen die Gründung einer Konferenz beantragt. «Aus den entlegensten Gemeinden im Osten des Kantons pilgerten die Schulmänner, oft 20 bis 30 an der Zahl, jeden Monat nach Trogen, dem ständigen Konferenzorte, um da den Geist zu erfrischen und zu stärken und neue Kraft zur Ausübung des schwierigen Berufes zu schöpfen», heisst es im Jahrbuch. Verhandelt wurden Mitteilungen aus der Schule, Winke über die Behandlung der Kinder, Fragen zu Lesestücken und Schulschriften.

Ein Jahr später gründeten die Herisauer Lehrer eine Konferenz, jene im Vorderland taten es ihnen 1829 gleich. Diese Konferenzen entstanden, weil der Fussweg nach Trogen besonders bei schlechtem Wetter beschwerlich war. Fortan fanden jeden Monat Bezirkskonferenzen statt. 1826 trafen sich die Lehrer zur ersten Generalkonferenz in Teufen. Bei diesen Treffen war stets ein Pfarrer Vorsitzender, ein Lehrer amtete als Aktuar.

Nationale Konferenzen zu teuer

1849 wurde der Schweizerische Lehrerverein gegründet, aber die Tagungen wurden von den Ausserrhoder Lehrern aus Kostengründen nicht besucht. In Ausserrhoden gibt es seit 1846 Statuten, und seit 1851 präsidiert ein Lehrer die Generalkonferenz. Ab 1874 gab es in allen Gemeinden Ortskonferenzen und ab 1885 eine Pensionskasse mit Beteiligung des Kantons. 1912 wurde der heutige Lehrerverein mit neuen Statuten, einem fünfköpfigen Vorstand sowie einer Kontrolle mit drei Mitgliedern gegründet. Das Finanzwesen umfasste die Vereinskasse, eine Sterbefall- und eine Hilfskasse.

Seminar auf Riesern

Die heutige Jubiläumskonferenz findet aus gutem Grund in Gais statt, denn das Dorf nimmt in der hiesigen Geschichte des Lehrerberufes eine besondere Position ein: Hier wurden einst in einem kantonalen Seminar Lehrer ausgebildet. Ruedi Steiner transkribierte den Nachruf auf J. U. Heierle (1825–1849), der das Seminar auf Riesern einst besuchte: «An einem der ersten Morgen des Juni 1842 standen vor dem hause der Risern, dem hange entlang, eine lange Reihe von Söhnen und Knaben. Das Lehrzimmer wurde betreten, die Plätze alle besetzt und der Kurs von Pfarrer Weishaupt mit einer kräftigen Ansprache eröffnet.» Die Lehrerbildungsstätte unter der Leitung von Hermann Krüsi bestand von 1833 bis zu dessen Tod im Jahre 1844. Danach bildete Johann Konrad Zellweger gleichenorts von 1852 bis 1866 noch über hundert Lehramtskandidaten aus. Weitere Versuche, ein appenzellisches Lehrerseminar zu führen, blieben ohne Erfolg. 1866 schloss Ausserrhoden mit dem Kanton Thurgau ein Abkommen zur Ausbildung der Lehrer in Kreuzlingen.

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