Wie ein Bundesrat anpackt

Alt Bundesrat Arnold Koller beschreibt in seinem Buch «Aus der Werkstatt eines Bundesrates» Vorgänge in Bundesbern. Das Publikum der Lesung in Appenzell erhält spannende Einblicke.

Mea Mc Ghee
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Von der Werkstatt in den Gewölbekeller: Alt Bundesrat Arnold Koller liest aus seinem Buch. (Bild: mc)

Von der Werkstatt in den Gewölbekeller: Alt Bundesrat Arnold Koller liest aus seinem Buch. (Bild: mc)

APPENZELL. Mit seiner Präsenz, mit seinen Erzählungen – ab und an gewürzt mit einer Prise feinem Humor – zieht er das Publikum im Gewölbekeller des Bücherladens Appenzell in seinen Bann: Es liest alt Bundesrat Arnold Koller aus seinem Buch «Aus der Werkstatt eines Bundesrates». Unter den gegen vierzig Gästen weilt Ruth Metzler. Die Alt-Bundesrätin kennt freilich die Mechanismen, die in Bundesbern spielen, bestens. Für andere Politikinteressierte habe er versucht zu beschreiben, wie ein Bundesrat anpackt, erklärt Koller die Idee zu seinem «Werkstattbuch».

Kein nüchternes Sachbuch

Die Befürchtung, es handle sich um ein allzu nüchternes Sachbuch, wird bald entkräftet, als der Autor erste Zeilen aus dem Kapitel über seine Wahl im Jahr 1987 und die Zeit im EMD liest. Man erfährt, wie Koller, in den USA weilend, durch einen Anruf von Radio aktuell von der Demission Kurt Furglers erfahren hat, oder wie ihn die Presse vor der Bundesratswahl als «Kronprinzen» und «Sachpolitiker» beschrieben hat.

Als bescheidenen und hochgebildeten Menschen, dessen politischer Stil, geprägt durch die Landsgemeinde, tiefst föderalistisch und sozial war, hatte am Freitag Innerrhodens Ständerat Ivo Bischofberger den Autor eingangs der Lesung charakterisiert.

Supplements fürs Publikum

Die Gäste im Gewölbekeller kommen immer wieder in den Genuss von Supplements – Müsterchen, die Koller nicht in seinem Buch erwähnt: Er erzählt, wie er als frisch gewählter Bundesrat das EMD-Dossier vor Weihnachten von seinem Vorgänger erhalten hat, mit dem Auftrag, sich bis zum neuen Jahr klarzuwerden, welchen Typ Trainingsflugzeug für die Schweizer Armee anzuschaffen sei. Wie es ihn beeindruckt hat, dass die britischen Politiker am Parlamentarier-Skirennen Anfang Januar mit keinem Wort versuchten, ihn vom britischen Hawk-Flieger zu überzeugen.

«Heiliger Zorn»

Auf das Kapitel über die Kopp-Krise geht Koller nicht näher ein, sagt schmunzelnd: «Gleichstellung von Frau und Mann, ein passenderes Thema in Appenzell.» Die Debatte um das Gleichstellungsgesetz für Mann und Frau sei in allen Gremien emotional geführt worden, so auch anlässlich einer parlamentarischen Kommissionssitzung. Ein «heiliger Zorn» habe ihn erfasst, als zum wiederholten Mal ein Artikel des Gesetzes gekippt worden sei. «Mit solch einem Krüppel eines Gesetzes trete ich im Parlament nicht an», habe er gesagt. Doch es kam gut: Arnold Koller spricht an, wie wertvoll das Zweikammersystem für die Schweiz sei, und schliesslich dürfe sich das Gleichstellungsgesetz heute noch sehen lassen.

Im Anschluss an die Lesung stellte das Publikum Fragen, zum Beispiel, wie ein Bundesrat wichtige Entscheide fällt? «Die Macht des Bundesrates liegt in der Fähigkeit, zu überzeugen, in den verschiedenen Organen Mehrheiten zu schaffen.»