Wie bleibt das Geld in Herisau?

Am 7. November gastiert die WandelBar im Schützenhaus in Herisau. Das Thema lautet: Wie erreicht man, dass die Bevölkerung ihr Geld vor Ort ausgibt. Roland Scherer von der Universität St. Gallen stellt ein Modell dazu vor.

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Der nächste Anlass der WandelBar beschäftigt sich mit der Frage, wie das lokale Gewerbe in Herisau gestärkt werden kann. (Bild: mge)

Der nächste Anlass der WandelBar beschäftigt sich mit der Frage, wie das lokale Gewerbe in Herisau gestärkt werden kann. (Bild: mge)

Herr Scherrer, der Fachbegriff für das Thema der WandelBar vom 7. November lautet «Residentielle Ökonomie». Auf der Einladung wird das stark vereinfacht: «Gopfried Stutz – hiergeblieben!» Also: Geld, bleib hier! Trifft es das, oder wird damit der Sachverhalt zu sehr verkürzt?

Roland Scherer: Nein gar nicht – denn genau darum geht es beim Konzept der Residentiellen Ökonomie: Wie viel Geld wird in der eigenen Gemeinde ausgegeben und welche Wertschöpfung kann daraus resultieren?

Warum sollte uns Herisauerinnen und Herisauer ein so komplexes Thema interessieren?

Scherer: Weil es spannend ist, was mit dem eigenen Geld passiert und welche Effekte für die regionale Wirtschaft, die Lebensqualität aus dem eigenen Konsumverhalten entstehen können.

Es geht also im weitesten Sinne darum, wohin das Geld der Konsumentinnen und Konsumenten fliesst, und weshalb sich das so verhält. Also: Wohin?

Scherer: Es geht nicht nur um das Wohin, also wo wird wofür Geld ausgegeben. Es geht vor allem aber auch um das Woher – also wer verdient wo welches Geld und wie viel davon fliesst nach Ausserrhoden oder gar direkt nach Herisau?

Was könnte denn das Herisauer Gewerbe tun, um ein grösseres Stück von diesem Kuchen zu bekommen?

Scherer: Das geht natürlich nur über ein entsprechendes Angebot – und nicht nur hinsichtlich der Produkte, sondern auch hinsichtlich des «Gesamterlebnisses» Einkauf. Nur mit einem entsprechend qualitativ hochstehenden Angebot – natürlich zu konkurrenzfähigen Preisen – kann man hier etwas erreichen.

Nun braucht es nicht nur ein Angebot, sondern auch eine Nachfrage. Bedeutet das Konzept der Residentiellen Ökonomie auch, dass die Gemeinde alles daran setzen müsste, vermögende Einwohner – also grosszügige Konsumenten – anzusiedeln? Wenn ja: Wie macht man das?

Scherer: Auch hier gilt: Wenn das vorhandene Angebot stimmt und auch das «Stadtbild», das heisst, das Image passt, wird die Gemeinde auch für vermögende Einwohner attraktiv sein.

Herisau steht vor einer Phase ohne Migros im Zentrum – der Grossverteiler plant einen Neubau und muss darum für mehrere Jahre in ein Provisorium an der Peripherie ausweichen. Das beunruhigt das lokale Gewerbe. Zu Recht?

Scherer: Sicherlich kann dies zu einen Problem führen – aber jede Krise ist auch als Chance zu verstehen und das Gewerbe ist gefordert, hier zu reagieren und das Zentrum weiterhin attraktiv zu halten – auch wenn die Migros zeitweilig nicht dort ist.

Ebenfalls ein aktuelles Thema in Herisau sind Parkplätze (gegenwärtig wird ein Parkierungskonzept erarbeitet). Aus Sicht der Residentiellen Ökonomie: Was ist wichtiger – viele Parkplätze vor den Läden oder ein intaktes Dorfbild?

Scherer: Entweder-oder-Denken ist hier der falsche Ansatz. Es muss insgesamt ein attraktives Bild sein und dieses setzt sich aus vielen Facetten zusammen – dazu gehört ein intaktes Dorfbild genauso wie die Verfügbarkeit von Parkplätzen.

Wenn Sie aus der «Werkzeugkiste» der Residentiellen Ökonomie ein Instrument auf Herisau anwenden könnten – was wäre das?

Scherer: Die Einführung der Wohnortpflicht für alle, die in Herisau arbeiten... Nein, das natürlich nicht– aber man muss sich schon Gedanken machen, wie man es schafft, dass die vielen Zupendler, die ausserhalb Herisaus wohnen, wieder am Arbeitsort wohnen und dort konsumieren. (pd)

WandelBar, Samstag, 7. November 10.30 bis 12.00 Uhr, Schützenhaus