Widukind

Am 6. Januar feiern die Menschen aus Enger ihr eigenes Fest. Die Heiligen Drei Könige interessieren sie nur am Rande. Wirklich wichtig ist nur einer. Und der war kein König, sondern Herzog, genauer: Sachsenherzog, hiess Widukind, vielleicht auch Wittekind.

Merken
Drucken
Teilen

Am 6. Januar feiern die Menschen aus Enger ihr eigenes Fest. Die Heiligen Drei Könige interessieren sie nur am Rande. Wirklich wichtig ist nur einer. Und der war kein König, sondern Herzog, genauer: Sachsenherzog, hiess Widukind, vielleicht auch Wittekind. Genaues weiss man nicht, diesbezüglich. Lokale Lautverschiebungen werden toleriert. Da ist man grosszügig. Ausnahmsweise.

Besagter Widukind war der letzte Sachsenführer, der Karl dem Grossen Widerstand geleistet hat. Er wollte sich nicht unterwerfen und hoffte, in der Tradition seines Vorfahren Hermann des Cheruskers, der etliche Jahrhunderte vorher die Römer in einen Hinterhalt gelockt und abschreckend genug besiegt hatte, auf ein erneutes Wunder derselben Art. Die Römer interessierten sich nach der peinlichen Niederlage am Teutoburger Wald nicht weiter für Ostwestfalen. Warum sollte Karl hartnäckiger sein?

Nun, Karl war es. Er setzte alles daran, Widukind zu bezwingen und in der Folge auch zu taufen. Das nun wollte Widukind auf gar keinen Fall, weiss die Tradition. Die Rede der Christen von der Nächstenliebe erschien ihm leeres Gerede, ein Bekenntnis blutleerer Lippen.

Er selbst, nach seiner Unterwerfung, wollte denen, die schon länger Christen waren als er, zeigen, wo der Hammer hängt. Und deshalb stiftete er als besiegter das bessere Drei-Königs-Fest, das Timpkenfest, eine Armenspeisung.

Die Engeraner Bäckereien backen diese Timpken noch heute nach einem Rezept, das mindestens so geheim ist wie das Rezept der Appenzeller Kräutersulz.

Denken Sie an Weggli mit einer deutlich härteren Kruste, und insgesamt irgendwie milchiger, auch grösser.

In einem dieser Jahre war Olli mit seinen Sugarbeets eingeladen worden, den Gottesdienst, zu dem alle Schulen auch aus den eingemeindeten Bezirken anrücken mussten, zu einer kleinen Performance umzugestalten...

Lars Syring