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WGs waren vor 300 Jahren normal

Kaum eine Familie im Appenzellerland konnte sich vor 300 Jahren ein Eigenheim leisten. Darüber referierte am Donnerstag Thomas Fuchs an der Hauptversammlung des Historischen Vereins Herisau.
Ein neues und drei bekannte Gesichter des Vorstands: Karin Fiechter, Renate Bieg, Barbara Auer und Hans Toggenburger. (Bild: pd)

Ein neues und drei bekannte Gesichter des Vorstands: Karin Fiechter, Renate Bieg, Barbara Auer und Hans Toggenburger. (Bild: pd)

HERISAU. Gut zwei Dutzend Mitglieder waren am Donnerstagabend zur Hauptversammlung des Historischen Vereins Herisau erschienen. Im Anschluss zeichnete Thomas Fuchs anhand verschiedener Gebäudetypen exemplarisch die Geschichte der Textilindustrie im Appenzellerland nach.

Häuser und ihre Bewohner

Schon fürs Spätmittelalter gibt es Hinweise, dass Flachs und Hanf angebaut und zu Leinen verarbeitet wurden. Die beiden ältesten Häusertypen im Appenzellerland, das Heidenhaus und das Tätschdachhaus, verfügten über Webkeller. Ob sie von Anfang an integriert oder später unterbaut wurden, ist nicht bekannt. Wichtige Impulse für den Siegeszug der Textilindustrie erfolgten im späten 17. Jahrhundert, als Kaufleute versuchten, in Trogen eine Leinwandschau zu etablieren. Sie scheiterten am Widerstand St. Gallens. Trotzdem erlangten Textilkaufleute aus dem Appenzellerland einigen Wohlstand, was sich im 18. Jahrhundert mit dem Auftreten zweier weiterer Gebäudetypen, dem Fabrikantenhaus und dem Kaufmannspalast, niederschlug.

In den Heiden- und Tätschdachhäusern wohnten nicht bloss die Hausbesitzer und deren Familien, sondern häufig auch weitere Familien oder alleinstehende «Ghäusige». Dabei gab es unterschiedlichste Konstellationen von gemischtgeschlechtlichen Arbeits- und Wohngemeinschaften. Überliefert ist davon aber oft nur dann etwas, wenn ein Fall vor Gericht landete. So wird von einem Haus berichtet, in dem 5 Familien wohnten. Eine sechsköpfige Familie teilte sich ein Zimmer. Zwischen der Tochter dieser Familie und dem Vater einer anderen kam es zu Annäherungen, woraus ein Kind resultierte. Eine andere Quelle erzählt von einer «Alters-WG». Vier Verwitwete Personen, zwei Männer und zwei Frauen, teilten sich einen Haushalt. Das Idealbild der bürgerlichen Kleinfamilie mit Eigenheim entstand erst vor rund 200 Jahren. Nur die wenigsten Familien konnten sich das leisten.

Rotationen im Vorstand

Der Historische Verein Herisau blickt auf ein gutes Jahr zurück, wenngleich der heisse Sommer auf die Besucherzahlen im Museum gedrückt hatte. Die Ausstellung zu den Internierten stiess beim Publikum auf grosses Interesse. Im Vorstand verzeichnet der Historische Verein einen weiteren Rücktritt. Die Aktuarin und Robert-Walser-Spezialistin Barbara Auer gibt ihr Amt nach zwölf Jahren ab. In ihrer Zeit im Vorstand hatte sie unter anderem mit Staatsarchivar Peter Witschi die Idee zu den «Walser-Sommern» entwickelt. «Als ich nach Herisau kam, kannte ich schon ein paar Leute, aber der Historische Verein war für mich ein Ort der Verwurzelung», sagte Barbara Auer in ihrer Abschiedsrede. Erstmals präsentierte Karin Fiechter (Herisau) die Vereinsrechnung. In Abwesenheit gewählt wurde Erziehungswissenschafterin Ingrid Brühwiler (Urnäsch). Das Aktuariat übernimmt Vorstandsmitglied Hans Toggenburger. (pd)

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