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Hier versinkt "Wetter's Spezialitäten-Welt" im Schlamm

Seit einem knappen Jahr betreibt die Wetter-Metzg im Tirol einen Fleisch- und Wildverarbeitungsbetrieb mit Ladengeschäft. Bei einem starken Unwetter wurde dieses arg in Mitleidenschaft gezogen. Markus Wetter spricht von einem Totalschaden.
Karin Erni
Das Firmengelände stand über einen Meter tief unter Wasser. (Bild: PD)

Das Firmengelände stand über einen Meter tief unter Wasser. (Bild: PD)

«Es ist eine Katastrophe. Horror pur», sagt Markus Wetter. Das Unwetter vom 1. August hat einen grossen Teil seiner Arbeit der letzten Jahre zerstört. An der Auttobahnraststätte in Pettneu, ennet dem Arlberg, hat der Metzgermeister aus Appenzell einen Betrieb mit Vorzeigecharakter aufgebaut. Dort wurden seit dem 20. August letzten Jahres Spezialitäten aus Wildfleisch hergestellt, die mehrheitlich in die Schweiz exportiert wurden. Im Erdgeschoss lockte die liebevoll gestaltete «Wetters Spezialitätenwelt» Touristen und Durchreisende an. Im 200 Quadratmeter grossen Verkaufsraum gab es Appenzeller Produkte wie Käse oder Alpenbitter zu kaufen, aber auch verschiedene kulinarische Spezialitäten aus Nord-, Süd- und Osttirol.

Die Unwetter waren am Mittwoch gegen 18.30 Uhr über den Bezirk Landeck gezogen. Gemäss einer Schätzung der österreichischen Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik fielen im Bereich Pettneu innerhalb kurzer Zeit über 60 Liter Regen pro Quadratmeter. Ein rund 60000 Kubikliter fassendes Geschiebebecken im Schnannerbach füllte sich schnell und überlief. Eine Flut aus Wasser, Steinen und Schlamm ergoss sich in das Gewerbegebiet und drang in die Räumlichkeiten der Firma ein. «Hier stand alles 1,5 Meter hoch unter Wasser», sagt Markus Wetter. «Es tat unglaublich weh, die X-Tonnen Fleisch in der Schlammbrühe schwimmen zu sehen.» 70 bis 80 Feuerwehrleute waren zwei Tage lang damit beschäftigt, das Gebäude und die Umgebung von Schlamm zu befreien und die kaputten Waren zu entsorgen. Drei 30-Tonnen-Container haben sie bisher mit Abfall gefüllt. Wie gross der finanzielle Schaden ist, der ihm durch das Unglück entstanden ist, kann Wetter noch nicht genau beziffern. Die Sachverständigen hätten bis jetzt nur vage Andeutungen gemacht. Er rechne aber mit einer Schadenssumme von über vier Millionen Euro.

Er habe eigentlich das Gefühl gehabt, gut versichert zu sein, sagt Markus Wetter. «Doch ich habe mich offenbar getäuscht.» Bei diesem Ereignis handle es sich um höhere Gewalt, habe ihm der Versicherungsmakler beschieden. Anders als in der Schweiz bezahlen Versicherungen in Österreich in einem solchen Fall nichts. Wetter muss die Hoffnung aber noch nicht ganz aufgeben. Der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter hat das Unwettergebiet am Samstag persönlich besichtigt und sicherte der Gemeinde volle Unterstützung zu. Er hat bereits 12 Millionen Euro aus einem Katastrophenhilfsfonds in Aussicht gestellt, die dem gesamten Gebiet zu Gute kommen sollen. Inzwischen hat sich sogar der Bund eingeschaltet. Man habe ihm versichert, sagt Wetter vorsichtig optimistisch, dass sein Betrieb als wichtig für die Region angesehen werde und man ihn erhalten wolle. «Der Laden war ja auch etwas ganz Besonderes, jeden Tag sind Touristen gekommen und haben darin fotografiert.» Nicht zuletzt gehe es auch um den Erhalt der Arbeitsplätze.

Produktion könnte bald wieder laufen

Glück im Unglück ist, dass im oberen Stockwerk alles unversehrt geblieben ist. Dort befinden sich die Wursterei, Heiss- und Kaltrauchanlagen, Pökelräume und Trocknungsanlagen. Liebhaber müssen also nicht allzu lange auf die bekannten Spezialitäten wie Hirschtrockenfleisch und -salsiz oder Reh- und Gamssalami verzichten. «Hier oben könnten wir die Produktion praktisch sofort wieder aufnehmen.» Wie lange es allenfalls dauern wird, bis auch der Laden und die anderen Einrichtungen im Erdgeschoss wieder hergestellt sind, weiss Wetter nicht. «Das dauert sicher mehrere Monate. Wir hoffen natürlich ganz fest, dass es irgendwie weitergeht, und dass uns das Land Tirol mit seinem Naturkatastrophenfond entsprechend hilft, respektive den Zustand vom 1. August 18.20 Uhr wieder ermöglicht.»

Firmeninhaber Markus Wetter.

Firmeninhaber Markus Wetter.

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