Wetterdrohne zum Abflug bereit

Am Airport läuft ein vom Bund mitfinanziertes Pionierprojekt. Die St. Galler Firma Meteomatics erkundet mit einer Drohne die Atmosphäre über Altenrhein. Ziel ist, das Auftreten von Gewittern oder Nebel genau vorhersagen zu können.

Corina Tobler
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Die Meteodrohne startet zwei Wochen lang von Altenrhein aus zur nächtlichen Datenerfassung. (Bild: pd)

Die Meteodrohne startet zwei Wochen lang von Altenrhein aus zur nächtlichen Datenerfassung. (Bild: pd)

ALTENRHEIN. Das gab es in der Schweiz noch nie. Drohnen sind zwar je länger je beliebter für eindrückliche Aufnahmen aus der Luft. Doch die Drohne, die jetzt zwei Wochen lang nachts am Airport St. Gallen-Altenrhein abhebt, macht keine Bilder. Sie erfasst Wetterdaten. Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Wind und Luftdruck registriert das Fluggerät bis in 1,5 Kilometer Höhe.

Nur Wetterballon vergleichbar

Die anderthalb Kilogramm schwere und elektronisch angetriebene Meteodrohne ist eine Entwicklung der St. Galler Firma Meteomatics GmbH. Das Interesse am neuen Messinstrument und den Möglichkeiten, die es mit sich bringt, ist gross. «Unser Projekt läuft seit drei Jahren, nun startet die erste Messkampagne mit fünf Drohnen in der ganzen Ostschweiz. MeteoSchweiz und das Bundesamt für Zivilluftfahrt sind Projektpartner», sagt Meteomatics-Geschäftsführer Martin Fengler.

Wodurch zeichnet sich denn die neuartige Drohne aus? «Ausser dem Wetterballon, mit dem MeteoSchweiz zweimal täglich von Payerne aus Messungen durchführt, gibt es kein vergleichbares Instrument. Und anders als der Ballon geht die Drohne nach dem Abheben nicht verloren.» Nach dem Endziel des Einsatzes von Meteodrohnen gefragt, zögert Fengler keine Sekunde. «Unser Ziel ist die perfekte 24-Stunden-Prognose. Das treibt mich an. Es wäre sehr hilfreich, wenn man besonders das Auftreten von Gewittern und Nebel schon am Vortag genau vorhersagen könnte.»

Bereits neue Erkenntnisse

Beide Phänomene seien sehr lokal und hätten in der Grundschicht der Atmosphäre ihren Ursprung. Aus dieser Schicht sind kaum Daten vorhanden. Diese Lücke sollen die Drohnen schliessen. Das Endziel ist zwar noch ein Stück entfernt, aber: «Bereits mit den ersten Messflügen konnten wir einen Einblick ins Luftsystem zwischen dem Bodensee, dem Rheintal, dem Walen- und dem Zürichsee gewinnen, wie er bisher unmöglich war.»

Flüge in Wolken erstmals erlaubt

Damit die Meteodrohne ausser Sichtweite fliegen darf, muss sie hohe Anforderungen erfüllen, die an eine gewöhnliche Drohne nicht gestellt werden. «Dazu gehört etwa, dass die Drohnen Positions- und Navigationslichter haben müssen. Dank diesen und weiteren Einrichtungen dürfen unsere Drohnen auch in Wolken fliegen – als erste in der Schweiz», sagt Fengler.

Der Airport stellt für die Messkampagne das Gelände zur Verfügung, ist aber sonst nicht am Projekt beteiligt. «Die Drohne fliegt nur nachts, ausserhalb der Öffnungszeiten. Wir gewährleisten einen sicheren Ablauf der Flüge», sagt Airport-CEO Armin Unternährer.

Martin Fengler Geschäftsführer Meteomatics (Bild: pd)

Martin Fengler Geschäftsführer Meteomatics (Bild: pd)

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