Wertvolle Urkunden gefunden

Bei der Durchsicht der Archive der ehemaligen Gemeinden Krummenau, Nesslau und Stein wurden über 1000 Urkunden gefunden. Die meisten wurden im 18. Jahrhundert verfasst. Es gibt aber auch Exemplare aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Für Ahnenforscher sind sie eine wertvolle Quelle.

Martin Knoepfel
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Eine Urkunde von 1511: In den Archiven von Nesslau, Stein und Krummenau wurden zwölf weitere Urkunden aus dem 16. Jahrhundert gefunden. (Bilder: pd)

Eine Urkunde von 1511: In den Archiven von Nesslau, Stein und Krummenau wurden zwölf weitere Urkunden aus dem 16. Jahrhundert gefunden. (Bilder: pd)

NESSLAU. Momentan seien die Archivbestände der Gemeinde noch auf vier Standorte verteilt. Geplant sei, sie ins neue Gemeindehaus, wo ein Archivraum besteht, zu zügeln. Das kann man den jüngsten Gemeindemitteilungen von Nesslau vom letzten Dienstag entnehmen. Bei der Sichtung alter Archivbestände sei man nun auf eine umfangreiche Sammlung von Urkunden gestossen, heisst es weiter.

Der Historiker Armin Eberle aus Dietschwil weiss Bescheid. Die Sammlung umfasse 1042 Urkunden aus Pergament, dazu 16 Bücher, welche unter anderem Protokolle der beiden Gerichte «Zue dem Wasser» und «Thurtal» enthielten. 80 dieser Dokumente stammen laut einer Aufstellung von Armin Eberle aus dem Archiv von Nesslau, während 516 beziehungsweise 446 Urkunden aus den Archiven Stein und Krummenau stammen. Das älteste der Schriftstücke hat Jahrgang 1511.

Armin Eberle ist von der Gemeinde Nesslau mit der Sichtung aller Urkunden beauftragt worden. Er erwartet nicht, dass noch weitere Exemplare zum Vorschein kommen. Die 1042 Urkunden hätten sechs Kisten gefüllt, sagt er. Insgesamt 13 Schriftstücke stammten aus dem 16. Jahrhundert. 74 Urkunden seien im 17. Jahrhundert und der grosse Rest im 18. Jahrhundert ausgestellt worden.

Spät besiedelt

Die ältesten bekannten Urkunden zur Geschichte des Toggenburgs findet man natürlich im Stiftsarchiv St. Gallen. Armin Eberle weist darauf hin, dass das obere Toggenburg erst ab dem 13. Jahrhundert urbanisiert worden ist. Die nun gefundenen Urkunden seien deshalb für die Verhältnisse dieser Region sehr alt. Aus jener Zeit gebe es im Toggenburg nur wenige Aktenfunde. Armin Eberle spricht denn auch von einem äusserst wertvollen Fund und von einem «Glücksfall». Viele Urkunden trügen sogar noch ihre Siegel. Der Historiker geht davon aus, dass es sich bei den meisten dieser Dokumente um der Öffentlichkeit bisher unbekannte Originale handelt. Wahrscheinlich habe man die Urkunden jeweils dreifach ausgefertigt. Ein Exemplar blieb beim Gericht. Im Obertoggenburg habe es damals keine Gemeinden gegeben, sagt Armin Eberle. Die beiden Gerichte seien eigentlich grosse Verwaltungsbezirke gewesen.

Nach 1803 seien die Urkunden allmählich als Belege für Schuldverhältnisse in die Archive der neu entstandenen Gemeinden überführt worden, vermutet der Historiker. Nicht auszuschliessen sei, dass Exemplare einzelner Urkunden noch in Privatbesitz vorhanden sind.

Rückseite beschrieben

Diese Schriftstücke regelten Lehens- und Schuldverhältnisse, sagt Armin Eberle. Oft habe man die Urkunden in Schuldbriefe umfunktioniert, indem man einfach die Rückseite beschrieb. Armin Eberle hofft, dass man die Dokumente in irgendeiner Form erschliessen kann. Sie seien für die Genealogie sehr wichtig, da sie Personen mit ihrem Wohnort erwähnten. Wichtig sei auch, dass Güter genau beschrieben worden sind. Viele Lehensverhältnisse seien vor 1798, dem Jahr des Untergangs der Alten Eidgenossenschaft, in Geldzahlungen umgewandelt worden.