Werkbeiträge und Stipendien an Ausserrhoder Kunstschaffende vergeben

Acht Künstlerinnen und Künstler aus dem Kanton Appenzell Ausserrhoden erhielten gestern Abend einen Werkbeitrag der kantonalen Kulturstiftung. Während die einen zum wiederholten Mal einen solchen in den Händen hielten, war es für andere eine Premiere. Auch zwei Artist-in-Residence-Stipendien wurden vergeben.

Claudio Weder
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«Sie macht das, was man Weltmusik nennen würde»: Sängerin Joana Obieta weilte während der Preisvergabe in Boston. (Bild: Claudio Weder)

«Sie macht das, was man Weltmusik nennen würde»: Sängerin Joana Obieta weilte während der Preisvergabe in Boston. (Bild: Claudio Weder)

Alljährlich vergibt die Ausserrhodische Kulturstiftung Beiträge an Kunstschaffende, die in Ausserrhoden wohnhaft sind oder einen besonderen Bezug zum Kanton nachweisen können. Die diesjährigen Werkbeiträge im Wert von 80000 Franken wurden am Dienstagabend im Krombachsaal der Psychiatrischen Klinik Herisau überreicht. Das Auffällige: Die acht Künstlerinnen und Künstler sind allesamt regional verankert, stehen aber – auf ihre ganz eigene Art – mit der grossen weiten Welt in Verbindung.

Altbekannte und junge Talente

Den ersten Werkbeitrag erhielt Fotograf Ueli Alder. Die Jury würdigte seine umwerfenden Bildfindungen, sein breites Schaffen sowie seine Risikobereitschaft. Neben Alder wurde in der Kategorie Bildende Kunst und Architektur auch H. R. Fricker mit einem Beitrag gewürdigt. Der Konzeptkünstler hat seit den 1970er Jahren mit Mail-Art, Ortsbeschriftungen, Museumsgründungen und zahlreichen anderen Arbeiten internationales Renommee erworben.

In der Hoffnung, bald mehr von ihnen zu sehen, erhielten nicht zuletzt auch die Architekten Ilona Schneider und Michel Eigenschatz eine Auszeichnung. Die Jury lobte ihre schlichten Bauten, in denen «die Sache und nicht das Architekten-Ego» im Vordergrund stehen.

Erfreut zeigte sich die Kulturstiftung über die Zunahme der Bewerbungen von jungen Talenten in der Sparte Musik. Als «unbedingt förderungswürdig» erachtete die Jury die 26-jährige Joana Obieta. Die in Ausserrhoden aufgewachsene Sängerin, die derzeit am Berklee College in Boston (USA) studiert und sich bei der Vergabefeier per Videobotschaft zuschaltete, habe eine eigene Musiksprache gefunden: «Sie macht das, was man Weltmusik nennen würde», sagte Jens Weber in seiner Laudatio. Ihre Musik sei ein zauberhaftes Netz, das alle einfängt.

Ein ebenso würdiger Empfänger eines Werkbeitrags sei Klangtüftler Sven Bösiger. Der in Gais Wohnhafte hat sich als eigenwilliger Musiker und Archivar der Klänge der appenzellischen Kultur einen Namen gemacht.

Kein Unbekannter ist auch der dritte Preisträger in dieser Sparte: Tobias Preisig. Der Violinist habe «den Nerv der Zeit auf einer Geigensaite getroffen», so Jens Weber. Mit seinem provokativen und visionären Schaffen sei er eine Bereicherung für die Musikwelt.

Kurt Fröhlich und Helen Mates de Pratos hiessen die Werkbeitragsempfänger in der Sparte Literatur, Theater und Tanz. Mit Kurt Fröhlich wurde ein Pionier des Figurentheaters auserkoren. Der Preis sei daher mehr zum Zwecke der Anerkennung gedacht, nicht zum Zwecke der Förderung, so Rainer Stöckli in seiner Laudatio. Denn fördern müsse man einen Exponenten, der seit 40 Jahren werkt und seiner Sache nachweislich nicht müde wird, wahrlich nicht. Die in Trogen aufgewachsene Szenografin Helen Prates de Matos wurde für ihre Jugendtheaterproduktionen ausgezeichnet. Peter Surber hob in seiner Lobesrede ihr Flair für gesellschaftliche, die Jugend umtreibende Themen hervor.

Zwei Stipendien vergeben

Bereits im Frühling hat die Ausserrhodische Kulturstiftung zwei Artist-in-Residence-Stipendien vergeben. Der erste Begünstigte ist Emanuel Geisser, vor dessen Vermessungskünsten kein Raum sicher sei – auch Europa nicht. Der in Gais aufgewachsene Künstler unternimmt nächstes Jahr eine Expedition längs durch den Kontinent, wobei er seine Erkenntnisse und Erfahrungen in einem periodischen Künstlermagazin festhalten wird.

Während Geisser seinen Aufenthalt noch vor sich hat, hat Gret Zellweger ihren bereits absolviert. Sie sei die erste und bisher einzige Artist in Residence, die ihr Stipendium angetreten habe, bevor sie es erhalten hat, sagt Barbara Auer. Zellweger war im polnischen Zakopane, um die dortige kunsthandwerkliche Tätigkeit zu studieren. Zum Schluss der Feier trat sie auf die Bühne und bedankte sich dafür, dass «ihr mir das eingebrockt habt».