Appenzell Ausserrhoden
Phänomen Alder: Sonderausstellung zur «Striichmusig» im Appenzeller Brauchtumsmuseum in Urnäsch

Die Urnäscher Streichmusik steht im Mittelpunkt der aktuellen Sonderausstellung im Appenzeller Brauchtumsmuseum am Dorfplatz in Urnäsch. Eröffnet wird die Ausstellung am Samstag, 27. März. Wegen der Coronapandemie muss auf eine Vernissage verzichtet werden.

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Das Phänomen Streichmusik wird im Museum anhand von Objekten, Musikstücken, Fotos, Filmen und Tonaufnahmen und Anekdoten aufgezeigt.

Das Phänomen Streichmusik wird im Museum anhand von Objekten, Musikstücken, Fotos, Filmen und Tonaufnahmen und Anekdoten aufgezeigt.

Bild: Wälti Frick

Musikanten aus dem Appenzeller Hinterland, die noch bis in die dritte Generation kaum Noten lesen konnten, brachten die Appenzeller Musik hinaus in die Welt. Sie spielten vor Berühmtheiten und wurden zu weltweiten Werbeträgern für das Appenzellerland und für die Schweiz. Auf dem Umschlag eines japanischen Schulbuches abgebildet ist zwischen einem japanischen Pärchen Emil Zimmermann in Appenzeller Tracht, der Hackbrettspieler der «Streichmusik Alder». Im Hintergrund zu sehen ist nicht etwa der Säntis, sondern das Matterhorn als Symbol der Schweiz.

Die Appenzeller Streichmusikbesetzung, so wie wir sie heute kennen, entwickelte sich im 19. Jahrhundert. Die Bezeichnung «original Appenzeller Streichmusik» besteht aus einer festen Fünferformation. Dazu gehören ein Bass, ein Cello, zwei Geigen und ein Hackbrett. Seit der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wird für eine andere Klangfarbe auch gerne die Handorgel gespielt.

Weltweite Tourneen

Die Geschichte der Urnäscher Streichmusik begann 1884 mit der Musikantendynastie Alder. Die «Aldere» bilden darum auch den Schwerpunkt der Ausstellung. Besonders hervorgehoben wird die dritte Generation, die nach 1950 in den Vordergrund trat. Die Biografien der Musiker, ihr musikalisches Können und ihre professionellen Auftritte sind beeindruckend. Ihre Auslandtourneen führten die Musiker in den 1960er- und 1970er-Jahren nach Japan und Amerika und danach in die ganze Welt. Neben ihrer Musik boten sie dem Publikum eine Performance mit Appenzellerwitz, Zäuerli, Schellenschötten, Talerschwingen, Jodeln, Alphorn mit Fahnenschwingen und Tänzen. Ihre Reisen und Auftritte sind mit Geschichten und Anekdoten verbunden. So hält beispielsweise 1935 einer der Musikanten in London die zukünftige Queen Elisabeth an der Hand. Rund sechzig Jahre später schwebt eine Musikkassette schwerelos im All. Daneben sind die Musiker auch für Experimente bereit, sie traten unter anderem am Open Air St.Gallen und am Montreux Jazz Festival auf. Die weltweite Anerkennung stieg ihnen jedoch nicht zu Kopf. Zurück von ihren Tourneen wandten sie sich, ohne viele Worte, ganz selbstverständlich wieder ihren alltäglichen Beschäftigungen zu. Am Alten Silvester, an der Landsgemeinde und am Sennenball spielten sie am liebsten daheim in Urnäsch.

Der beliebte Alder-Klang

Seit der Gründung 1884 haben die Streichmusik Alder und die Alderbuebe 127 Destinationen im Ausland bereist. 1906 wurde ihre erste Schellackplatte aufgenommen; 1984 erhielten sie eine Goldene Schallplatte und 2003 wurde ihnen der Prix Walo verliehen. Die «schläätzigen» Kompositionen von Arthur, Erwin und Ueli Alder bilden das Fundament des beliebten Alder-Klangs. Mit ihrer Musik bewegen sie die Herzen der Menschen bis heute. Ihr Erfolgsrezept ist nach wie vor ihre Freude am Musizieren. Gespielt werden altüberlieferte Streichmusik, Neukompositionen, Eigenkompositionen und auch fremdländische Volksmusik. Heute musiziert bereits die sechste «Aldere»-Generation. Es ist der gewisse «Zick», der deren Musik seit Generationen auszeichnet und den die Grossväter Hansueli und Walter Alder heute ihren Grosskindern weitergeben. «Was wären wir ohne das Volkslied, ohne unsere überlieferte Folklore? Denn dort steckt die Wurzel unseres Musikmachens, von dort her kommt die Inspiration. Dass die Familie Alder auf 100 Jahre Streichmusik zurückblicken kann, ist Beweis für den tiefen Wert der volkstümlichen Musik, den zu erhalten, eine vornehme Aufgabe ist.» (Yehudi Menuhin, 1984, zum 100-Jahr-Jubiläum der Streichmusik Alder).

Anhand von Objekten, Musikstücken, Fotos, Filmen, Tonaufnahmen und Anekdoten wird den Besucherinnen und den Besuchern der Sonderausstellung in Urnäsch zur Streichmusik das Phänomen «Striichmusig Alder» musikalisch und geschichtlich aufgezeigt. In der Ausstellung im Brauchtumsmuseum dürfen verschiedene Musikinstrumente wie Bassgeige, Hackbrett, Handorgel, Schwyzerörgeli, Zither, Klavier oder Talerbecki ausprobiert werden. Auch sind verschiedene Rahmenveranstaltungen geplant. (pd)