Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

«Wer hat den schnellsten Rollstuhl?»

WATTWIL. Am Donnerstag trat das Komik-Urgestein Peach Weber im Zelt beim Alters- und Pflegeheim Risi auf. Mit regelmässigen Anlässen dieser Art schafft die Heimleitung im Risi einen Ort der Begegnung zwischen Bewohnenden und der Bevölkerung.
Olivia Hug
Peach Weber verzückte an seinem Auftritt im Alters- und Pflegeheim Risi mehrere Generationen gleichermassen. (Bild: Olivia Hug)

Peach Weber verzückte an seinem Auftritt im Alters- und Pflegeheim Risi mehrere Generationen gleichermassen. (Bild: Olivia Hug)

«Früher war ich weit und breit der Schönste», lässt Peach Weber sein Publikum in gewohnt bescheidener Manier wissen. «Heute bin ich nur noch weit und breit.» Sein eigenes Körpergewicht macht der Aargauer Komiker nicht selten zum Thema seiner Programme. Dass er etwas bewegungsträge ist, gibt er offen zu. Schliesslich habe er Wettkämpfe gewonnen, bei welchen es darum ging, am längsten neben einem Bewegungsmelder zu arbeiten, ohne dass dieser losgehe.

So sitzt er auch auf der Bühne im Zelt vor dem Alters- und Pflegeheim Risi gemütlich auf seinem Stuhl, bewegt sich nur, um die Saiten seiner Gitarre anzuschlagen. Das Publikum währenddessen kann sich auf seinen Stühlen kaum halten, folgen doch Peach Webers Witze im Sekundentakt. «Wie so viele Bands plane auch ich eine Wiedervereinigung. In letzter Zeit bin ich nämlich auseinander gegangen.»

Leben und begegnen

Normalerweise esse er nichts vor einem Auftritt, erzählt Peach Weber noch kurz vorher während des VIP-Abendessens im Alters- und Pflegeheim. Doch einem Stück Straussenfleisch auf heisser Steinplatte kann auch er nicht widerstehen. Mit ihm kommen über 50 weitere Gäste in den Genuss der Küche des Risi. Beinahe sämtliche Plätze sind besetzt, später wird es im Zelt nicht anders aussehen – es herrscht Hochbetrieb zur abendlichen Stunde. So soll es sein, meint Georg Raguth, Heimleiter des Alters- und Pflegeheims.

Seit er vor anderthalb Jahren im Risi die Leitung übernommen hat, wird es immer mehr zur Begegnungsstätte. «Hier soll etwas laufen, es soll gelebt werden», erklärt Georg Raguth seine Idee prägnant. Der Auftritt Peach Webers reiht sich nach dem Appenzeller Brunch mit der Streichmusik Alder und dem generationenübergreifenden Zirkus Pipistrello in die Liste jener Aktivitäten, welche regelmässig im Risi stattfinden werden.

Das Ziel des Heimleiters ist es, mit Unterhaltungsprogrammen und Anlässen sowohl die Bewohnenden als auch die Bevölkerung anzusprechen. Den Austausch schätzen beide Zielgruppen gleichermassen. «Es ist das Bedürfnis der älteren Leute, sich mit ihren Familien und Freunden in einem Rahmen auszutauschen, der auch ein Erlebnis bietet.» Daher finden viele Anlässe auch auf den Wunsch der Bewohnenden statt.

Der Heimleiter sieht es vor, jeden Monat eine Aktivität zu veranstalten, wobei dies dreimal jährlich etwas Grösseres sein wird. Finanziert werden die Veranstaltungen durch die daraus gewonnenen Einnahmen.

Pflege an erster Stelle

Georg Raguth ist gelernter Krankenpfleger und arbeitete lange Zeit bei einer Krankenversicherung. Bewusst hat er die Ausbildung zum Heimleiter gemacht, um wieder vermehrt Umgang mit älteren Menschen zu pflegen.

Mit diesen und den Mitarbeitenden des Risi sitzt er nach einer Veranstaltung zusammen, um das Erlebte auszuwerten und allenfalls Inputs für die kommenden Aktivitäten zu erhalten. «Wir sind sicher keine Konkurrenz für andere Kulturanbieter im Dorf», betont georg Raguth, «doch auch ein Alters- und Pflegeheim kann ein Ort sein, wo etwas geht.» Ein solcher Ort zu sein, bedeutet jedoch auch einen Mehraufwand für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sämtlicher Bereiche. Diese seien engagiert und mit Freude bei der Sache, erzählt der Heimleiter.

Das Wichtigste bleibe jedoch die eigentliche Arbeit im Alters- und Pflegeheim. «Erste Priorität hat nach wie vor die Pflege.»

Wettbewerb ohne Alterslimit

Wie es in einem Altersheim zu und her geht, meint auch Peach Weber zu wissen. «Das Wettbewerbsdenken hält bis ins hohe Alter an», lässt er das Wattwiler Publikum fachmännisch wissen, das sich gerade erst vom letzten Lachanfall erholt. «Früher galt es, die coolsten Turnschuhe zu haben, später das schnellste Auto.

Mit fortgeschrittenem Alter heisst es <wer hat den bestbezahlten Job? Die meisten Scheidungen?> Im Altersheim geht's dann darum, den schnellsten Rollstuhl zu haben oder den höchsten Blutdruck.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.