Wo in Ausserrhoden dreimal so viel fürs Wasser gezahlt wird

Unterschiedliche Wasserpreise in den Ausserrhoder Gemeinden: Der tiefste beträgt 1.20, der höchste 4 Franken.

Astrid Zysset
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Die Wasserpreise variieren stark zwischen den Gemeinden. In Schönengrund ist das Wasser am günstigsten.

Die Wasserpreise variieren stark zwischen den Gemeinden. In Schönengrund ist das Wasser am günstigsten.

Bild: Steffi Loos/dapd

«Etwas erschrocken bin ich schon, als ich von der Erhöhung in Trogen gehört hatte», sagt Kurt Knaus, Präsident der Hydrantenkorporation in Schönengrund. Trogen sieht einen Preisanstieg auf vier Franken pro Kubikmeter vor, und wäre damit diejenige Gemeinde mit weitum dem höchsten Tarif. Schönengrund befindet sich am anderen Ende der Skala. Die Hinterländer Gemeinde ist in der vorteilhaften Lage, den tiefsten Wasserpreis im gesamten Kanton ausweisen zu können. Hier kostet der Kubikmeter gerade einmal 1.20 Franken. Doch warum ist hier der Preis dermassen tief? «Wir verfügen über viele eigene Quellen», sagt Knaus. Diese befinden sich in höheren Lagen, weshalb ausser der Belieferung der Hochzone auch keine Aufwendungen für einen Pumpmechanismus zum Tragen kommen. Die Personalkosten sind ebenfalls tief. Alles in allem: eine ideale Ausgangslage. Auf Anfang des kommenden Jahres müsse eine Preiserhöhung jedoch in Betracht gezogen werden, sagt Knaus. Einige Investitionen stehen an. So ist derzeit ein neues Reservoir im Bau. Wie hoch der Anstieg des Wasserpreises ausfallen wird, ist noch unklar. Der Präsident der Hydrantenkorporation rechnet jedoch damit, dass Schönengrund weiterhin einen Tarif verrechnen kann, der zu den günstig- sten im Kanton zählt. Die 1.20 Franken werden seit Anfang dieses Jahres angeboten.

In Trogen sei gemäss Mitteilung der dortigen Gemeinde die Erhöhung des Wasserpreises unumgänglich, da hohe Investitionen für den Unterhalt der Anlagen anstehen. Und da die Wasserversorgung als geschlossene Rechnung geführt wird, müssen sämtliche Aufwendungen durch die Wassergebühren gedeckt werden. Ursprünglich wollte die Gemeinde den Preis auf 4.90 Franken erhöhen. Auf Empfehlung des Preisüberwachers beliess sie es dann aber bei einem Anstieg von einem Franken auf deren 4.0 pro Kubikmeter.

Topografische Nachteile erhöhen Kosten

Vier Franken vermag einer Gemeinde wie Schönengrund als viel erscheinen. Reute und Rehetobel liegen mit einem Wasserpreis von 3.50 Franken pro Kubikmeter aber nur knapp dahinter. Gemäss Ruedi Egli, Wasserwart in Rehetobel, fallen hohe Betriebskosten an, da das Bodenseewasser in die Vorderländer Gemeinde raufgepumpt werden muss. Mit 25 Kilometern ist das Leitungsnetz relativ lang. Zudem steht eine Renovation der Pumpstation dieses Jahr noch an. «Wir investieren stetig in den Unterhalt. Aber wir haben grosse Betriebskosten und ein grosses Leitungsnetz. Das kostet», so Egli. Eine Senkung des Wasserpreises steht somit in Bälde nicht zur Debatte.

Ähnlich klingt es in Reute. Auch hier sind die Betriebskosten relativ hoch. Das sei der Topografie geschuldet, sagt Wasserwart Franz Estermann. Auf dem weitverzweigten Gemeindegebiet befinden sich sieben Reservoirs – eines pro 100 Einwohner. Vor zwei Jahren musste ein Grossteil dieser saniert werden. Die Ausgaben müssen durch den Wasserpreis in den nächsten Jahren wieder reinkommen. Eine Preissenkung ist somit nicht in Sicht. Aber immerhin: Der Preis für das Abwasser wurde in Reute unlängst gesenkt.

Umsichtige Investitionen, hohe Abschreibungsdauer

Nach Schönengrund weisen auch Heiden, Hundwil, Stein, und Herisau einen günstigen Wasserpreis aus. 1.80 Franken werden hier pro Kubikmeter verrechnet. In Stein ist ein solcher Preis gemäss Wasserwart Arnold Zellweger nur möglich, da die Unterhaltskosten gering sind. Bei den Personalaufwendungen fallen ein 20-Prozent-Etat auf den Wasserwart, und fünf Prozent auf die Buchhaltung – das war’s. «Damit sind Kontrolle, Unterhalt, Pflege sowie administrative Arbeiten abgedeckt», so Zellweger. Das Wasser stammt zu einem grossen Teil aus eigenen oder gemeinsamen Quellen im Besitze von Stein und Hundwil, welche alle auf dem Gemeindegebiet von Hundwil zu finden sind. Zusätzlich wird Wasser von der Korporation Hinterland eingespiesen. Bezüglich Anlagen gibt es in Stein nur ein einziges Reservoir. Dieses wurde im Jahre 2000 erweitert. 2017 kam eine Aufbereitungsanlage samt Pumpwerk bei der Oertlismühle (gehört Stein und Hundwil) hinzu. Dort fliessen die drei Quellgebiete Fitzisbach, Fiebet und Schlatt zusammen. Beide Investitionsaufwendungen müssen über den Wasserpreis amortisiert werden. Aber aufgrund einer hohen Abschreibungsdauer müsse dieser in nächster Zukunft wohl kaum oder nur moderat erhöht werden, so Zellweger.

Die Wasserversorgung in Heiden wird durch die Dorfbrunnen- und Roosenkorporation gewährleistet. 68 Liegenschaften sind darin zusammen geschlossen, Dividenden werden nicht ausgeschüttet. Der tiefe Wasserpreis ist gemäss Wasserwart Paul Niederer dem Umstand geschuldet, dass die Korporation zweckgebunden jährlich 500000 bis 700000 Franken für Unterhalts- und Leitungsarbeiten verwendet. Diese Summe werde nicht überschritten, da diese pro Jahr wieder abgeschrieben werden kann. Ein bis zwei Prozent des Leitungsnetzes werden jährlich erneuert, sodass sich kein Investitionsstau bilden kann. Und die Personalkosten seien gering, da – abgesehen vom Wasserwart – nur nebenamtliche Entschädigungen ausgezahlt würden.