Wenn zwei das Gleiche wollen: Kampfwahl um Trogner Gemeinderatssitz

Ilir Selmanaj und Daniel Bruderer streben am 15. März die Nachfolge von Daniela Heyer an.

David Scarano/Charlotte Kehl
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Ilir Selmanaj ist Geschäftsführer des Alters- und Pflegeheims Haus Vorderdorf.

Ilir Selmanaj ist Geschäftsführer des Alters- und Pflegeheims Haus Vorderdorf.

Bild: David Scarano

Kandidat 1: Ilir Selmanaj

Gut Ding braucht Weile – das gilt auch für die Lokalpolitik. Ilir Selmanaj ist in den vergangenen zehn Jahren nach eigenen Angaben regelmässig von Parteien oder Gruppierungen angefragt worden, ob er sich für ein Gemeinde- oder Kantonsratsamt zur Verfügung stellen wolle. Stets lehnte er dankend ab.

Im vergangenen November sagte er dem Trogner Gewerbeverein schliesslich zu. Der Geschäftsleiter des Alters- und Pflegeheims Haus Vorderdorf will die Nachfolge von Daniela Heyer antreten, die nach sieben Jahren als Gemeinderätin ausscheidet. Unterstützt wird er auch von SP und FDP.

30 Jahre in Trogen zu Hause

Man könne nicht immer nur nehmen, man müsse auch etwas zurückgeben. Jetzt sei der richtige Zeitpunkt für ein öffentliches Amt gekommen, begründet Selmanaj seine Kandidatur. Im Haus Vorderdorf seien alle wichtigen Umbauten und Projekte abgeschlossen. Zudem haben seine drei Kinder ein Alter erreicht, die den Eltern einen gewissen Freiraum ermöglichen. Die Tochter ist 15 Jahre, die beiden Söhne 19 und 21.

Obwohl er lange abgewunken hatte, spielte Selmanaj dennoch stets mit dem Gedanken, sich politisch zu engagieren. Prägend für ihn war ein Workshop vor 20 Jahren auf dem Säntis. Regierungsräte und Kantonsbewohner machten sich damals Gedanken über die künftige Entwicklung Ausserrhodens. Selmanaj schwärmt heute noch vom Umgang unter den Teilnehmern. Der Trogner legt selber grossen Wert auf eine gute Kommunikation. Auffallend sind etwa seine exakte Aussprache, die wohlüberlegten Aussagen sowie seine Offenheit, mit der er Gesprächspartnern begegnet. Dass der Heimleiter auch eine Mediatorausbildung absolviert hat, verwundert daher nicht. «Wer etwas erreichen will, muss zuhören können», sagt er denn auch. Selmanaj ist im Kosovo aufgewachsen, reiste als 23-jähriger Medizinstudent mit Rucksack und Gitarre durch Europa. Rasch entwickelte er ein besonderes Verhältnis zur Schweiz, wo er sich schliesslich niederliess. Seit 30 Jahren lebt er in Trogen, seit über 20 Jahren ist er Schweizer Bürger. In Ausserrhoden arbeitete er nach abgeschlossener Ausbildung zunächst als Krankenpfleger in der Rheinburgklinik in Walzenhausen. Danach bildete er sich weiter und stieg alsbald die Karriereleiter hoch. 2002 übernahm er gemeinsam mit seiner Ehefrau Sabine die Leitung des Haus Vorderdorf, damals noch ein Gehörlosenheim.

Präsident Heimverbands Curaviva Appenzellerland

Selmanaj ist seit acht Jahren Vorstandsmitglied des Schweizerischen Hörbehindertenverbands Sonos. Fünf Jahre lang war er Präsident von Curaviva Appenzellerland. Seine Erfahrungen und sein Wissen – er hat unter anderem Lehrgänge in Betriebswirtschaft und Führungsmanagement absolviert – will er nun in den Dienst Trogens stellen. Selmanaj möchte sich für eine massvolle Entwicklung einsetzen. Der Nutzen für die Bevölkerung steht für ihn im Vordergrund. Eine nachhaltige Energiepolitik sind ihm dabei genauso wichtig wie ein lebendiges Gewerbe und Kulturleben. Trogen habe sich in den vergangenen Jahren positiv entwickelt, sagt er. «Ich will meinen Beitrag leisten, dass wir diesen Weg weitergehen können.»

Kandidat 2: Daniel Bruderer

Er ist Verkaufsleiter einer Firma für Vermessungssysteme, 38 Jahre alt, seit knapp drei Jahren wohnhaft in Trogen und ist, wie er es ausdrückt, «hier angekommen». Er hat mit seiner Lebenspartnerin Antje Mäder ein Haus gekauft und will sich in der Gemeinde engagieren. Das sind bei Daniel Bruderer nicht nur schöne Worte, sondern es folgten darauf die tatkräftige Mitwirkung in der Feuerwehr und die Mitarbeit in der Energiekommission. Nun stellt sich der diplomierte Betriebswirtschafter NDS HF der Wahl für den Posten der scheidenden Daniela Heyer im Gemeinderat.

«Ich denke, dass ich die nötigen Voraussetzungen für dieses Amt mitbringe», meint der im Kanton Baselland aufgewachsene Kandidat. Seit seiner Lehre als Maurer in Kaiseraugst war er immer im Bau- oder Baunebengewerbe tätig.

Dank der Politik Fuss im Dorf fassen

Nach verschiedenen Aus- und Weiterbildungen bis hin zum Abschluss als diplomierter Betriebswirtschafter NDS HF kann er auf eine gut 15-jährige Tätigkeit im Verkauf zurückblicken. Aktuell ist er Verkaufsleiter Nord- und Ostschweiz bei der Firma Fieldwork Maschinenkontroll- und Vermessungssysteme AG in Bühler und konnte sich ein breites Netzwerk in der Bau- und Vermessungsbranche aufbauen. Ein ausgeprägtes Verhandlungsgeschick und Durchsetzungsvermögen sei da unabdingbar, fügt er hinzu. «Ich schätze bei meiner Tätigkeit vor allem den Kundenkontakt. Die richtige Sprache zu finden, sei es mit der Geschäftsleitung beim Verkaufsgespräch oder beim Handwerker, der unser Produkt anwendet, macht mir Freude.»

Für die Mitarbeit in der Energiekommission zierte er sich nicht lange. «Zum einen war es eine gute Möglichkeit, in der Gemeinde Fuss zu fassen. Zum anderen interessierte mich das breite Spektrum des Arbeitsfeldes.» Vor allem die vielfältigen technischen Möglichkeiten, sei es beim Recycling oder beim Erforschen der tatsächlichen Nachhaltigkeit bei neuen Energie- und Heizsystemen, interessieren den faktenbezogenen Baumenschen. «Aber auch die verschiedenen Aspekte des Langsamverkehrs, die Neugestaltung des Landsgemeindeplatzes oder die Planung für
die notwendigen Schulersatzbauten finde ich hochspannend», sagt der Gemeinderatskandidat.

Drei Jahre in der Mittelländer Gemeinde

Dass Daniel Bruderer sich für die Gemeinschaft engagiert, sei für ihn selbstverständlich. So sei er aufgewachsen. «Vor allem, wenn man gerne mal einen ‹kritischen dummen Latz› hat, muss man bereit sein, selber etwas zu tun», sagt er und schmunzelt. Sein Arbeitgeber sei bereit, ihm den nötigen Spielraum zu geben und seine Hobbys (Garten, Wandern, Kochen, Zigarren) lassen ihm durchaus noch Luft nach oben. Auch seine Lebenspartnerin unterstützt seine Kandidatur.

Dass diese nur knapp drei Jahren nach der Wohnsitznahme in der Gemeinde erfolgt, sei nicht geplant gewesen, des frei werdenden Amtes wegen aber der folgerichtige Schritt. Der Gemeinderat, der Einsitz in der Bauplanungskommission hat, übernimmt auch das Präsidium in der Energiekommission. Somit kann der Sitzinhaber die Energieanliegen mit Nachdruck im Rat vertreten.

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