Wenn Werte verschoben werden

Der Teletext ist eine nützliche Einrichtung. Er ebnet in knapp gehaltener Form den schnellsten Weg zu den wichtigsten Begebenheiten.

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Der Teletext ist eine nützliche Einrichtung. Er ebnet in knapp gehaltener Form den schnellsten Weg zu den wichtigsten Begebenheiten. Bei Geschehnissen von hohem Neuigkeitswert, wenn also wirklich Welt- oder manchmal auch Schweizbewegendes passiert, wird uns davon in Form von Flash-Meldungen Kenntnis gegeben. Das ist dann etwa der Fall, wenn ein Erdbeben Verwüstung und Tod hinterlässt oder ein Flugzeug nach einem Absturz Dutzende von Menschen aus dem Leben gerissen hat.

Auf nationaler Ebene sind Flash-Meldungen beispielsweise den Rücktritten von Bundesräten oder dem Ableben hochprominenter Persönlichkeiten vorbehalten. Manchmal erreichen auch Sportereignisse den Flash-Status, etwa der Gewinn von Medaillen bei Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften. Vergangene Woche hat sich mir im Zusammenhang mit einem Flash aber doch die Frage nach der Verhältnismässigkeit gestellt. Es hiess da in dicken Lettern, Alex Frei und Marco Streller hätten den Rücktritt aus der Fussball-Nati gegeben. Ist das wirklich von solcher Bedeutung, dass man dieses Ausscheiden aus der Nationalmannschaft auf die gleiche Stufe stellen muss wie einen Bundesratsrücktritt oder das Wüten eines Tsunamis?

Dieses Hinterfragen könnte man mir als Sportmuffelei auslegen. Dabei bin ich grundsätzlich sehr daran interessiert, was sich in der Welt des Sports alles tut. Das erkennt man allein schon daran, dass ich als Inhaber von Saisonkarten kaum je ein Spiel sowohl des FC St. Gallen als auch des TSV St. Otmar verpasse. Das ändert aber nichts an meiner Ansicht, das schlagzeilenartige Vermelden einer blossen Demission zweier Spieler aus der nationalen Equipe habe einiges mit dem Verschieben von Werten zu tun, wenn nicht gar mit Realitätsverlust.

Martin Hüsler

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