Wenn Streit und Gewalt eskalieren

Menschen in einer Krise erhalten bei der Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensfragen und einer Partnerorganisation in St. Gallen Hilfe. Deren Arbeit hat sich in den letzten Jahren verändert. So ist das gemeinsame Sorgerecht nicht nur von Vorteil.

Jesko Calderara
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Bei Konflikten in Partnerschaften empfehlen Fachleute, frühzeitig professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. (Bild: Michel Canonica)

Bei Konflikten in Partnerschaften empfehlen Fachleute, frühzeitig professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. (Bild: Michel Canonica)

AUSSERRHODEN. Am Sonntag ist der internationale Tag der Familie. Nicht immer ist diese Lebensform ein Ort der Liebe und Geborgenheit. In schwierigen Situationen suchen Einzelpersonen, Paare oder Familien Hilfe bei Madeleine Eberle Egli. Sie ist Leiterin der Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensfragen (BEFL) in Herisau. Hinter dem Angebot stehen die beiden Landeskirchen. «Wir sind eine niederschwellige Anlaufstelle für Menschen in einer persönlichen Krise», sagt Eberle Egli. Sie erwähnt als Beispiel eine junge Familie, welche durch die Geburt eines Kindes an Grenzen stösst. Auch Paare bei einer Trennung zu begleiten oder Gewalt in Partnerschaften sind Themen, bei denen Eberle Egli ihre Klienten unterstützt.

Binationale Beratungen

Beratungen können in Herisau, Teufen und Heiden beansprucht werden. Zudem steht auf Wunsch noch eine ausserkantonale Möglichkeit offen. 2014 schloss Appenzell Ausserrhoden eine Leistungsvereinbarung mit der Beratungsstelle für Familien St. Gallen. Die Probleme, mit denen Leiterin Yvonne Varan und ihr Team tagtäglich konfrontiert werden, sind vielfältig. Teil der Arbeit ist die binationale Beratung. Bei der Heirat mit einem Ausländer oder einer Ausländerin sind möglicherweise rechtliche Fragen zu klären. In solchen Partnerschaften könnten aber auch kulturelle Barrieren und Missverständnisse auftreten, sagt Varan.

Die weiteren Dienstleistungen der Beratungsstelle für Familie St. Gallen sind Paar- und Familienberatung, Mediation sowie Trennungs- und Scheidungsberatungen. Bei Erziehungsfragen sei eine Organisation wie Pro Juventute hingegen der bessere Ansprechpartner, so Varan.

Mehr ältere Menschen

Auswirkungen auf die Arbeit beider Beratungsstellen haben gesellschaftliche Veränderungen. So kämen neuerdings auch ältere Menschen in die Beratungen, sagt Madeleine Eberle Egli. Varan wiederum erwähnt die Patchworkfamilien. Solche gebe es heute mehr als früher. Dabei gehe es oftmals um die Akzeptanz eines neuen Partners oder dessen Kinder. Eine deutliche Steigerung verzeichnet die Beratungsstelle für Familien St. Gallen bei Mediationen in Zusammenhang mit dem gemeinsamen Sorgerecht, das 2014 in Kraft trat. Demnach müssen bei wichtigen Angelegenheiten, welche die gemeinsamen Kinder betreffen, beide Elternteile einverstanden sein. Grundsätzlich sei das begrüssenswert, meint Varan. «Das gemeinsame Sorgerecht bietet aber reichlich Stoff für Konflikte.» Die beiden Fachfrauen empfehlen, bei Problemen eine möglichst frühzeitige Kontaktaufnahme mit einer der Beratungsstellen. So könnten anstehende Konflikte in einem geschützten Rahmen mit Hilfe der Fachpersonen fair und einvernehmlich gelöst werden, sagt Eberle Egli.

Yvonne Varan Geschäftsleiterin Beratungsstelle für Familien St. Gallen (Bild: mc)

Yvonne Varan Geschäftsleiterin Beratungsstelle für Familien St. Gallen (Bild: mc)

Madeleine Eberle Egli Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensfragen (Bild: cal)

Madeleine Eberle Egli Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensfragen (Bild: cal)