Wenn HSG'ler über Tourismus sinnieren

Seit zwei Semestern befassen sich Studierende der Universität St. Gallen (HSG) mit dem touristischen Angebot in Herisau und Urnäsch.

Roger Fuchs und Daniel Thür
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Seit zwei Semestern befassen sich Studierende der Universität St. Gallen (HSG) mit dem touristischen Angebot in Herisau und Urnäsch. Nach einer eingehenden Analyse und einem in den Dörfern abgehaltenen Workshop fanden in dieser Woche Präsentationen statt, die Aufschluss über konkrete, im dritten Semester anlaufende Massnahmen geben sollen (Appenzeller Zeitung, 24. 6.

). Nun darf man ja den Tag nicht vor dem Abend loben, und angesichts der Tatsache, dass das Projekt noch ein halbes Jahr dauert, mag ein jetziges Urteil früh sein, dennoch wollen wir bilanzieren.

Eines scheint klar: In Urnäsch wie in Herisau ist das touristische Angebot ausbaufähig. Für Urnäsch wollen die Studierenden deshalb im nächsten Semester sogenannte Angebots-Pakete und auch einen Restaurant-Pass ausarbeiten, für Herisau will man das Potenzial und die Möglichkeiten der drei Zielgruppen Militär, Kulturreisende und Familien weiter ausloten.

Weitere Ideen zur Steigerung der touristischen Attraktivität stehen im Raum, können von den HSG-Absolventen mit ihren begrenzten Ressourcen aber nicht umgesetzt werden. Wohin aber sind jene Überlegungen verschwunden, die aufgrund der Analyse im 1. Semester resultierten, den Studierenden als konkrete Vorschläge ins 2. Semester mitgegeben wurden, am Ende dieses Semesters aber mit keiner Silbe mehr erwähnt wurden? Die Gruppe Urnäsch hätte das Projekt «Grosseltern-Ferien»

näher anschauen sollen, bei der Gruppe Herisau stand ursprünglich die Schärfung des touristischen Profils im Raum, beispielsweise durch eine konkrete Verbindung zwischen Event-Dorf und Robert-Walser-Pfad…

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Vergleicht man die beiden bisherigen Arbeiten miteinander, so lässt sich ein grosses gemeinsames Manko erkennen:die Hotelinfrastruktur.

Wolle Urnäsch das gehobenere Gästesegment anziehen, so müssten im Bereich Beherbergung Investitionen getätigt werden, fassten die Studierenden am Dienstag vor den Augen des Gemeindepräsidenten Stefan Frischknecht ihre Wahrnehmung zusammen. Auch in Herisau ist die Unterkunftssituation alles andere als rosig. Die Frage an die Studierenden, was sie ändern würden, wenn sie keine Rücksicht auf finanzielle Belange nehmen müssten, hätte deutlicher nicht sein können: die Unterkunftsproblematik lösen.

Mit der bevorstehenden Schliessung des Hotels Säntis werde sich die Situation gar noch zuspitzen.

Obschon nun bereits seit einem Jahr untersucht, analysiert, ausgewertet und über konkrete Massnahmen nachgedacht wird, zeichnet sich ab, dass die Nachhaltigkeit des Projekts dereinst nur sehr dürftig sein wird. Daran sind jedoch nicht die Studierenden schuld, sie haben ihre Arbeit getan.

Für vieles, das mittlerweile angedacht und angesprochen wurde – darunter eine Dorfplatzverschönerung in Urnäsch oder ein Ausbau des Standortmarketings in Herisau – bräuchte es finanzielle wie personelle Ressourcen. Ergo werden ohne politischen Willen und den Willen der Betroffenen Ideen genauso schnell wieder versanden, wie sie in den Studien aufblitzen.

Ein typisches Beispiel dafür, wie unterschiedlich die Interessen liegen und gewichtet werden, zeigte sich am Dienstag bei der Präsentation der «Gruppe Herisau». Für Willi Alder vom Sportzentrum Herisau wird dem Sport zu wenig Beachtung geschenkt. So habe man beispielsweise eine Eishalle, welche – schweizweit einzigartig – das ganze Jahr über geöffnet sei. Alder fehlt in der Untersuchung das attraktive Sportangebot bei den ausgewählten Zielgruppen. Doch auch hier stelle sich die Frage, wo in Herisau trainierende Sportler übernachten könnten.

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Auch einige Fragezeichen gilt es nach dem zweiten Semester hinter die Universitätsseite zu setzen. Markus Brönnimann, Verwaltungsdirektor der Uni, ist gleichzeitig Präsident der Stiftung Wirtschaftsförderung AR. Als solcher hat er die Studie zwar in Auftrag gegeben, nahm sich am Ende des zweiten Semesters aber nicht mehr die Zeit, die Ergebnisse «live» anzuhören. Festzustellen waren überdies etliche Mutationen bei den Studentengruppen.

In der Projektgruppe Urnäsch sassen gerade noch zwei Studierende, die auch im ersten Semester der Gruppe angehört hatten, erneute Wechsel zeichnen sich ab. Es ist anzunehmen, dass den Studierenden letztlich ziemlich egal ist, was in Herisau und Urnäsch aufgrund ihrer Arbeiten – die wohl kaum gratis sind – weiter resultiert. Sie haben ihre Pflicht getan, wurden benotet und sind einen Schritt weiter auf ihrer Karriereleiter.

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Wie zu Beginn gesagt: Wir wollen nichts verschreien. Aber es dürfte spannend sein, in fünf bis zehn Jahren die Arbeiten wieder zur Hand zu nehmen und Politiker wie Wirtschaftsexponenten zu fragen: Was habt ihr tatsächlich umgesetzt?

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