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Wenn Fakten altern

Brosmete
Erich Fässler

Heute ist Samstag. Und weil morgen ein besonderer Tag ist, werde ich neu geboren. Nein, das ist kein Aprilscherz, das ist christliches Abendland. Schön, dass Sie (noch) wissen, was Ostern bedeutet. Jugendliche wissen das oft nicht mehr.

Wenn ich von meiner Jugend erzähle und davon, dass wir das «Heilig Grab» aufstellen halfen, uns andächtig ins Gebet fallen liessen und es, nach all dem Beten, am Karsamstag wieder abbauen halfen, dann glotzen die Jungen nur ins Leere. «Heilig Grab»?! Was kann an einem Grab schon «heilig» sein. Was ist überhaupt «heilig»? Wir Kinder waren es nicht, denn beim Abbau des «Heilig-Grabes» haben wir uns mit dem Sackmesser in den Konstruktionsbalken verewigt. Wie Generationen von Ministranten vor uns!

Von früher und Ostern erzählen, Interesse wecken für das, was Auferstehung für das christliche Abendland bedeutet. Nein, nicht den Heiland aus der Grablege mechanisch aufrichten. Nein, nicht Erlösung von Sünden oder Erbsünde, das vielleicht auch. Ostern als Geheimnis in einer, ansonsten, definierten Welt. Ostern als Erwachen neuer Hoffnung. Hoffnung auf ein Miteinander, Hoffnung auf Frieden zwischen den Völkern, Hoffnung darauf, dass das Abendland sein Attribut «christlich» wieder findet und sich nicht länger vom Islam abgrenzt, um sich zu definieren.

Wer in unserer Zeit sagen kann, der Islam gehöre nicht zu Deutschland oder nicht zur Schweiz, hat «christlich» nie begriffen. Ostern meint Interesse für den Menschen grad, weil er anders ist. Interesse für fremde Kulturen, Interesse an der Vielfalt und Freude darüber, dass die Sonne ohne Unterschied über allen scheint.

Sie finden, das sei ein Aprilscherz?! Nun gut, dann lesen Sie die Brosmete morgen halt nochmals! Heute ist das Ernst! Wir brauchen keine digitale Reinkarnation, wir brauchen offene Denk- und Fühlräume – ein offenes Ostergrab eben!

Erich Fässler

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