Wenn es immer «föcheliger alpsteenelet»

Das naheliegendste Erholungsgebiet für die Menschen im Appenzellerland ist und bleibt der Alpstein. An sonnigen Wochenenden sind die Parkplätze allerdings oft so überfüllt, dass man als Familie dann doch lieber Reissaus nimmt und sich anderweitig Ruhe und Erholung gönnt.

Roger Fuchs
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Nach dem Alpstein benanntes Alterszentrum: Der «Alpsteeblick». (Bild: pd)

Nach dem Alpstein benanntes Alterszentrum: Der «Alpsteeblick». (Bild: pd)

Das naheliegendste Erholungsgebiet für die Menschen im Appenzellerland ist und bleibt der Alpstein. An sonnigen Wochenenden sind die Parkplätze allerdings oft so überfüllt, dass man als Familie dann doch lieber Reissaus nimmt und sich anderweitig Ruhe und Erholung gönnt. Die enorme Magnetwirkung des Alpsteins zeigt aber: Dieses Gebirge ist weit über die Kantonsgrenzen hinaus beliebt.

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Dieser Tage hat der Alpstein noch eine ganz neue Funktion bekommen: Er gibt dem künftigen Alters- und Pflegezentrum von Appenzell ein Gesicht. 70 kreative Personen hatten sich daran beteiligt, einen Namen für den Neubau zu finden. Nun hat die Jury entschieden: Das Alters- und Pflegezentrum von Appenzell wird «Alpsteeblick» heissen. Für die Wahl des Namens «Alpsteeblick» sei ausschlaggebend gewesen, dass der «Alpstee» mit Appenzell assoziiert werde, heisst es in einer Mitteilung.

Na so was, denkt sich der Lesende, also doch nicht das Matterhorn… Insgesamt haben gleich sechs Teilnehmerinnen im Rahmen des Namenwettbewerbs offenbar an den Alpstein gedacht, doch nur eine Frau schlug den Namen in Dialektschreibweise vor. Selbstverständlich sei dafür an dieser Stelle gratuliert.

Wie «kreativ» die Verwendung des Alpsteins für die Namensgebung ist, zeigt eine kleine Recherche. Offenbar «alpsteenelet» es einigen noch zu wenig. So scheint geradezu vergessen zu gehen, dass es in Appenzell die Kapelle Alpsteebuebe, die Kapelle Alpstää-Nixe, die Kapelle Alpstein oder auch den Männerchor Alpstee gibt. Und weiten wir den Horizont, so finden wir ein Hotel Alpstein in Wildhaus, die Alpstein-Drogerie in St. Gallen, Alpstein-Reisen in Gossau, die Alpstein IT-GmbH in Hundwil oder die Alpstein-Garage in Buchs. Mir jedenfalls wird es allmählich ganz schwindlig vor so viel Alpstein. Und es ist noch lange nicht zu Ende, denken wir nur an die Alpstein-Metzg in Herisau, das Restaurant Alpstein in Appenzell – übrigens ganz in der Nähe des künftigen «Alpsteeblick» – oder auch das einmalige Tourismusangebot von Appenzellerland Tourismus AI unter dem Namen «Alpstee».

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Von einer schützenswerten Marke kann hier wohl keine Rede mehr sein. Nach dem jüngsten Juryentscheid in Appenzell darf man sich nun sogar als kreativen Kopf bezeichnen, wenn man sich des Namens Alpstein bedient. Eines Tages gibt es dafür wohl noch den Nobelpreis.

Dem Tourismus sei anzuraten, nun ganz schnell das Angebot «Alpstee» durch das Angebot «Alpsteeblick» zu erweitern. Angesichts der unglaublichen Begeisterung für den Alpstein wäre dies die beste Chance, die Zimmerbelegung im Alterszentrum für immer auszulasten. Statt wie beim Angebot «Alpstee» sieben Übernachtungen inklusive Halbpension anzubieten, müsste es beim «Alpsteeblick» dann eben heissen: Letzte Bleibe mit stetiger Erinnerung daran, dass es in dieser Gegend «föchelig alpsteenelet».