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Wenn ein Elternteil traumatisiert ist

Menschen, die sehr schwierige Erlebnisse wie Gewalt, Grenzverletzungen oder Verfolgung erlebt haben, können dadurch traumatisiert sein. Was hat die Traumatisierung eines Elternteils für Auswirkungen auf die Kinder? Und was brauchen dann die Kinder, damit sie eine gute Entwicklung machen können?
Catherine Bächler Sozialarbeiterin Fh, Familienbegleitungen Bächler&schulze, Ebnaterstr. 79, Wattwil, Telefon 071 988 29 30; Www.familienbegleitung-B-S.ch

Menschen, die sehr schwierige Erlebnisse wie Gewalt, Grenzverletzungen oder Verfolgung erlebt haben, können dadurch traumatisiert sein. Was hat die Traumatisierung eines Elternteils für Auswirkungen auf die Kinder? Und was brauchen dann die Kinder, damit sie eine gute Entwicklung machen können?

Gesamte Situation anschauen

Wenn ich in einer Familienbegleitung erfahre oder erlebe, dass zum Beispiel eine Mutter traumatisiert ist, ist dies eine wichtige Erkenntnis. Es gilt herauszufinden, woher die Traumatisierung stammt und inwiefern sie Grenzverletzungen erlebt hat. Der nächste Schritt ist, zu klären, ob sichergestellt ist, dass sich die Grenzverletzungen aktuell nicht wiederholen. Wenn dies sichergestellt ist, ist für mich der nächste Schritt, mit der Mutter herauszufinden, welche Auswirkungen dies auf ihr Leben hat. Hat sie deswegen Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen oder auch Flashbacks? Gibt es Situationen, in denen sie überreagiert und nachher nicht mehr genau weiss, warum? Ist dadurch das Leben von Ängsten geprägt? Gibt es immer wieder Probleme in Beziehungen mit Nähe und Distanz? Fällt es der Familie schwer, entspannte und ruhige Zeiten miteinander zu verbringen? Funktioniert die Alltagsplanung nur noch über einzelne Stunden oder Tage?

Mit diesen und ähnlichen Fragen wird das Ausmass des Einflusses auf das Leben des traumatisierten Menschen und dessen Familie herausgefunden. Oft ist es hilfreich, ergänzend eine passende, persönliche Unterstützung für den Elternteil zu suchen. Denn in der Familienbegleitung geht die Aufmerksamkeit weiter zu den Kindern.

Situation der Kinder anschauen

Es stellt sich die Frage, wie viel der traumatischen Situationen die Kinder selber miterlebt haben.

Haben sie gesehen oder miterlebt, als zum Beispiel Gewalt oder Übergriffe geschahen? Inwiefern erleben sie die Auswirkungen, die das Trauma der Mutter auf die Familie hat?

Gemeinsam wird beobachtet, ob die Kinder im Alltag Verunsicherungen oder andere Auffälligkeiten zeigen. Sind sie ungewöhnlich scheu oder frech? Geraten sie viel in Konflikte und auch in Handgreiflichkeiten mit Anderen? Haben sie undefinierbare Ängste? Fällt es ihnen schwer, Kontakte zu Mitmenschen zu knüpfen? Beginnen sie, Elternaufgaben zu übernehmen und stellen ihre eigenen kindlichen Bedürfnisse zurück? Zeigen sie selber Grenzüberschreitungen? Wichtig ist, die Situation der Kinder im Zusammenhang mit der ganzen Situation anzuschauen, da unterschiedlichste Aspekte das Verhalten der Kinder beeinflussen können.

Stabilisierende Massnahmen

Wenn die traumatischen Erlebnisse Auswirkungen im Alltagsleben der Familie zeigen, hilft es, mehr Sicherheit und Stabilität im Alltagsleben einzuführen. In der Familienbegleitung werden mit den Eltern stabilisierende Elemente gesucht, die im Tagesablauf und der Erziehung ergänzt werden können. Dies sind beispielsweise Rituale, klare Strukturen und Abmachungen, die liebevoll und verbindlich eingefordert werden. Die vorhandenen Strukturen in der Familie werden angeschaut und es wird überprüft, ob diese dem Alter und der Entwicklung der Kinder entsprechen. Danach wird besprochen, wie die neuen Abmachungen und Strukturen eingeführt werden können. Es gibt verschiedene Hilfsmittel, die die Eltern in der Umsetzung unterstützen können. Dies ist jedoch ein längerer Prozess und braucht die Bereitschaft der Eltern, sich zu engagieren.

Wenn die traumatisierte Mutter alleinerziehend ist oder der Partner nicht die Kapazität hat, ausreichend für die Kinder da zu sein, kann es sinnvoll sein, zu schauen, dass die Kinder eine zusätzliche stabile Bezugsperson haben. Jemand mit dem sie regelmässig Kontakt pflegen, jemand, der in Krisensituationen einspringen kann und den Kindern Sicherheit vermittelt. Dies kann eine Person aus dem Verwandten-, Bekanntenkreis oder eine Fachperson sein.

«Andersartigkeit» ansprechen

Für Kinder fast jeden Alters ist es wichtig, dass sie altersentsprechend informiert werden. Sie spüren, dass «etwas los ist». In der Familienbegleitung wird vorbesprochen, wie ein solches Gespräch gestaltet werden kann. Was die Mutter erlebt hat, wird möglichst kurz, in einfachen Worten und Überbegriffen geschildert. Die Auswirkungen werden genauer umschrieben: Zum Beispiel, dies hat der Mama Angst oder weh gemacht, darum ist sie jetzt manchmal wütend oder traurig, wenn es ihr wieder in den Sinn kommt. Damit wird für das Kind deutlich, dass sein Verhalten nichts mit den Ängsten, der Erschöpfung, der Wut, der Unzufriedenheit oder ähnlichem der Mutter zu tun hat. Das Kind benötigt immer wieder diese Entlastung.

Dies sind einige Möglichkeiten, Kinder in schwierigen Situationen zu unterstützen, damit sie eine gute Entwicklung machen können. Auch bei den Kindern kann es sinnvoll sein, wenn sie traumatische Situationen miterlebt haben, zusätzlich eine spezialisierte Abklärung oder Therapie einzurichten.

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