Wenn die News vierjährig ist: Ausserrhoder Parteien vernachlässigen die digitale Welt

Ob auf Social-Media oder den eigenen Webseiten: Die Mehrheit der Ausserrhoder Polit-Organisationen schneidet online schlecht ab.

David Scarano
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Die Ausserrhoder Parteien sind noch nicht im digitalen Jetzt angekommen: Ihre Auftritte wirken häufig verstaubt. Illustration: Selina Buess

Die Ausserrhoder Parteien sind noch nicht im digitalen Jetzt angekommen: Ihre Auftritte wirken häufig verstaubt. Illustration: Selina Buess

Bei diesem Vergleich der Digital-Aufritte der Parteien geht es nicht um «User Experience» oder «Usability», sondern um die grundsätzliche Frage: Wie gut und zeitnah informieren FDP, SVP, oder SP ihre Mitglieder und Interessierte auf den verschiedenen Onlinekanälen? Und obwohl die Ansprüche der Tester aus dem Redaktionsteam nicht hoch sind, ist die Antwort ernüchternd.

Verglichen mit anderen Kantonen fällt die Ausserrhoder Parteienlandschaft massiv ab: Die Polit-Organisationen sind noch nicht richtig im digitalen Zeitalter angekommen. Die meisten Parteien sind nicht sonderlich engagiert, wenn sie überhaupt präsent sind. Das erstaunt, da im Ausserrhoder «Superwahljahr 2019» mit den Kantons-, Gemeinde-, Regierungs- und Nationalratsurnengängen der Bedarf an Informationen überdurchschnittlich sein dürfte.

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Signer und Biasotto danken immer noch für Wahl

Die FDP ist mit 800 Mitgliedern die mit Abstand grösste Partei im Kanton. Sie verfügt auch über eine Geschäftsstelle. Dennoch hinterlässt die FDP einen zwiespältigen Eindruck. Sie ist zwar die einzige Ausserrhoder Partei, die auch auf Facebook, Twitter und Instagram mitmischt. Sie macht dies aber teilweise so lieblos, dass der Gesamteindruck massiv darunter leidet. So hat sie etwa auf Twitter den Dienst am 25. September 2018 eingestellt. Patina weist auch der Facebook-Auftritt auf. Auf dem Banner bedanken sich Paul Signer und Dölf Biasotto weiterhin artig für die Wiederwahl in den Ausserrhoder Regierungsrat, die bereits am 10. Februar über die Bühne gegangen ist. Immerhin sind die Posts einigermassen aktuell.

Katastrophal schneidet die FDP auf der eigenen Webseite ab. Das Erinnerungsvermögen der Besucher wird arg auf die Probe gestellt. So sind auf der Startseite zwei Blogeinträge aufgeführt, die sich mit der Fair-Food-Initiative und dem Spitalverbundgesetz befassen – notabene zwei Vorlagen, die im September 2018 an die Urne kamen. Nicht besser wird es, wenn sich der User auf die Sektion News verirrt. Dabei kann man nicht einmal von einem Beitrag sprechen, handelt es doch lediglich um einen Link auf ein PDF zu einem parlamentarischen Vorstoss. Die Interpellation stammt von August 2018. Der neuste Beitrag auf der Startseite betrifft die Delegiertenversammlung vom 1. Mai 2019. Wobei die Bezeichnung Beitrag wiederum in die Irre führt: Die FDP hat lediglich die Einladung zur DV in Grub verknüpft.

Die Partei hätte durchaus etwas zu berichten: Wer aber etwa eine Mitteilung zum anstehenden Sommerfest von Mitte August mitsamt Nominierung der Nationalratskandidatin und der viel gepriesenen Präsenz von Aussenminister Ignazio Cassis sucht, wird enttäuscht. Nur unter «Agenda» führt die FDP ihren Grossanlass auf, der allerdings etwas für Insider ist: Die Partei nennt weder Ort noch Uhrzeit.

SVP mit Aktuellem aus dem Jahre 2015

SVP und EVP schneiden gesamthaft noch schlechter ab als die FDP. Diese bekommt immerhin einen Fleissstern. Die SVP fällt als Verweigerin auf, sie will weder von Twitter noch von Facebook oder Instagram etwas wissen. Ihre Webseite überzeugt auch nicht. Diese wirkt nicht nur gestalterisch veraltet. Der letzte News-Eintrag auf der Startseite stammt zwar vom 20. Juni 2019. Die Beiträge der Rubrik Aktuell sind hingegen noch älter als die der FDP. Diese betreffen Anlässe von Anfang 2015.

Die EVP lässt Twitter, Instagram und Facebook ebenfalls links liegen. Ihre Webseite kommt genauso lieblos daher. Die aktuellste Mitteilung stammt vom 19. März 2019 und behandelt den Wahlerfolg in Herisau. Die restlichen Rubriken bleiben weitestgehend leer. Unter «Positionspapiere» findet sich einzig etwas zur Sexualpädagogik. Das Papier wurde bereits 2012 verabschiedet.

Nur leicht besser machen es die Ausserrhoder Parteiunabhängigen. Der letzte News-Beitrag datiert vom 18. März 2019, die jüngste Medienmitteilung vom 1. Mai. Auf Facebook hat der Elan hingegen nicht einmal bis nach den Gesamterneuerungswahlen gereicht: Die einzigen Beiträge behandeln den Wahlkampf und stammen vom 25. Februar.

Etwas engagierter zeigt sich die SP: Sie ist zwar weder auf Instagram noch Twitter präsent, sie aktualisiert aber immerhin ihre Web- und Facebookseite regelmässig. Die jüngste Mitteilung von Anfang Juli betrifft ihre Strategie bei den Nationalratswahlen. Auf Facebook äusserte sich die SP zum Frauenstreik Mitte Juni. Überraschend am besten schneidet mit der CVP eine Partei ab, die nicht für ihre Dynamik bekannt ist. Auf der Webseite informiert sie ihre Besucher zeitnah. So hat sie unter anderem eine Mitteilung im Nachgang zur ersten Sitzung im Einwohnerrat Herisau verfasst. Die Partei ist zudem auf Facebook und Instagram einigermassen aktiv. So hat die Sektion etwas zu ihrer Teilnahme am Sommerparteitag der CVP Schweiz gepostet – nichts Weltbewegendes, aber in der Summe reicht das bereits, um in dieser Ausserrhoder Misere aufzufallen.