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Wenn der Streit eskaliert

Die Staatsanwaltschaft behandelt jährlich bis zu fünfzig Fälle von Drohungen. Dass Männer bei einer Anzeige härter angefasst würden als Frauen, kann die Opferhilfe nicht bestätigen.
Alessia Pagani/Roger Fuchs
Drohungen werden auch von Fremden ausgesprochen. Meist besteht aber eine Beziehung zwischen Opfer und Täter. (Bild: Ursula Häne)

Drohungen werden auch von Fremden ausgesprochen. Meist besteht aber eine Beziehung zwischen Opfer und Täter. (Bild: Ursula Häne)

Eine Frau, die ihrem Noch-Ehemann per Whatsapp den Tod angedroht hatte, ist freigesprochen worden (siehe gestrige Ausgabe). Da stellt sich unweigerlich die Frage, ob ein Mann im gleichen Fall auch freigesprochen worden wäre? «Dass Gerichte bei Frauen milder urteilten als bei Männern, würde ich nicht unterschreiben», sagt Brigitte Huber, Geschäftsführerin der Opferhilfe St. Gallen und beider Appenzell. Fakt sei aber, dass Drohungen ein sehr zentrales Thema seien im Rahmen von häuslicher Gewalt. Noch gefährlicher würden solche Situationen oft dann, wenn eine Trennung tatsächlich vollzogen werde.

Wie Christian Bötschi, leitender Staatsanwalt von Appenzell Ausserrhoden, sagt, werden im Kanton jährlich rund 50 Anzeigen wegen Drohungen bearbeitet. «In der Regel werden die meisten Drohenden auch verurteilt.» Ungefähr Dreiviertel der Fälle werden mit einem Strafbefehl erledigt, in wenigen Fällen wird beim Kantonsgericht Anklage erhoben. «Sehr häufig besteht zwischen Täter und Opfer eine persönliche Beziehung.» Wie Bötschi erklärt, steht bei der häuslichen Gewalt nicht der Tatbestand der Drohung im Vordergrund, sondern vielmehr die «handfesteren» Delikte wie Tätlichkeit und Körperverletzung. Der Tatbestand der Drohung bei häuslicher Gewalt ist ein Offizialdelikt, das von Amtes wegen untersucht werden muss, während in den übrigen Fällen die Drohung nur auf Antrag des Opfers verfolgt wird. Ist der Sachverhalt klar und die Drohung bewiesen, so werden diese Verfahren in den meisten Fällen von der Staatsanwaltschaft im Strafbefehlsverfahren beurteilt. Nur in strittigen Fällen wird Anklage beim Gericht erhoben, während bei objektiv haltlosen Strafklagen das Verfahren eingestellt wird.

Drohungen kennen viele Facetten

Damit eine Drohung vorliegt, müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein: «Die Drohung muss objektiv geeignet sein, eine Person in Angst und Schrecken zu versetzen. Darüber hinaus muss sich aber die betroffene Person selber bedroht fühlen. Dieses subjektive Kriterium ist sehr wichtig und in der Regel entscheidend, ob eine Strafklage eingereicht wird», erläutert Bötschi. «Vielfach ist massgebend, wer eine Drohung ausspricht und wie nachhaltig dies geschieht.» So führen Aussagen eines wütenden Kindes gegenüber Erwachsenen kaum zu einer Strafklage, während versteckte Drohungen von Erwachsenen zu Angst führen können.

Nach Bötschi haben auch Frauen die Fähigkeit, jemanden zu bedrohen. «Richtet sich die Drohung gegen eine andere Frau, kann die Drohgebärde durchaus handfest sein, während Drohungen gegenüber Männern eher indirekt und versteckter, aber ebenso nachhaltig und unangebracht sein können.»

Die unterschiedlichen Facette von häuslicher Gewalt sind auch bei der Opferhilfe St. Gallen-Appenzell bekannt. Das beginnt, wie Brigitte Huber sagt, bei Demütigungen, verbalen Erniedrigungen oder der Tatsache, dass man beispielsweise jemandem abspricht, Kinder erziehen zu können. Bei fehlender Streitkultur kann all das irgendwann in Tätlichkeiten kippen. Bei der Opferhilfe bekannt sind auch Situationen, in denen systematisch versucht wird, mit Gewalt jemanden zu kontrollieren.

Über den Daumen gerechnet gehen 10 Prozent der häuslichen Gewalt von Frauen aus, 90 Prozent von Männern – wobei Brigitte Huber präzisiert, dass es verschiedene Studien mit unterschiedlichen Zahlen gibt, je nachdem welcher Fokus auf das Thema gelegt werde. Dass sich Männer bei der Opferhilfe melden, hat gemäss Huber in den letzten Jahren auf jeden Fall zugenommen. Die ganze Thematik würde nicht mehr so tabuisiert wie noch vor einigen Jahren.

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