Wenn das Schaf den Schlaf nicht bringt

Kürzlich ist es mir wieder einmal passiert: Ich liege im Bett und kann nicht schlafen. «Schäfchen zählen» lautet das im Volksmund bekannte Rezept. Doch statt mich einzuschläfern, macht das Zählen noch wacher. Und so habe ich mir einige andere Möglichkeiten angewohnt:

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Kürzlich ist es mir wieder einmal passiert: Ich liege im Bett und kann nicht schlafen. «Schäfchen zählen» lautet das im Volksmund bekannte Rezept. Doch statt mich einzuschläfern, macht das Zählen noch wacher. Und so habe ich mir einige andere Möglichkeiten angewohnt:

Will mein Geist nicht automatisch ins Land der Träume reisen, versuche ich, ihn gezielt dorthin zu bewegen. Bewusst schweife ich dann weg an einen Ort schöner Erinnerungen, bei der letzten Schlaflosigkeit war dies das Verzascatal. Ich stellte mir vor, wie ich mit meiner Familie die Ferien im wild-romantischen Tessiner Tal genossen habe, meine kleine Tochter vor Freude kreischte, als der Hund in der kalten Verzasca einige Runden schwamm und wie sie die Genüsslichkeit des Glace-Schleckens entdeckt hatte.

Manchmal verbinden sich solche Bilder schliesslich mit Nachtträumen, diesmal nicht. Also muss der nächste Versuch her: Ich stehe auf, leise natürlich, um Frau und Kind nicht zu wecken, begebe mich ins Bad und schaue durchs Fenster hinaus auf die Dächer Herisaus. Es ist bereits nach Mitternacht, zwar brennt da und dort noch ein Licht in den Häusern, doch mehrheitlich scheint's ruhig. Auch auf den Strassen blitzt nur noch selten der Scheinwerfer eines Autos auf. Herisau, weit weg von einer 24-Stunden-Stadt. Gott sei Dank natürlich. Ich versuche, die sich mir bietende Ruhe aufzusaugen, die ratternden Rädchen im Kopf abzustellen und jegliche Gedanken auf Morgen zu verschieben. Nach einigen Minuten schlüpfe ich erneut unter die Decke. Vergeblich.

Allmählich wird diese Nacht mühsam, rege ich mich auf, und werde dabei noch wacher. Mein Gesundheits- und Schönheitsschlaf ist arg gefährdet, dabei habe ich tagsüber doch einiges geleistet und sogar einen Kilometer im Hallenbad absolviert.

Vielleicht funktioniert's mit einer weiteren Taktik: Ich höre auf die Atemzüge meiner Frau, versuche, deren Rhythmus zu übernehmen, drehe mich einmal nach links, dann wieder nach rechts. Und Sie können die Antwort bereits erahnen... Gute Nacht, hätte ich beim Klingeln des Weckers am liebsten gesagt.

Roger Fuchs

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