Kälberiglus bergen ein Problem: Sie können sich beim aktuellen Wetter in einen tödlich heissen Ofen verwandeln

Die aktuellen Temperaturen sind nicht nur für die Menschen ungemütlich. Auch Haus- und Nutztiere leiden mehr oder weniger stark unter der Hitze, denn sie können sich ihren Platz meist nicht aussuchen.

Karin Erni
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Wenn ein Kälberiglu ungeschützt in der prallen Mittagssonne steht, kann der Hitzestau für das eingesperrte Tier tödlich enden. (Bild: Karin Erni)

Wenn ein Kälberiglu ungeschützt in der prallen Mittagssonne steht, kann der Hitzestau für das eingesperrte Tier tödlich enden. (Bild: Karin Erni)

Die Hitzefalle Auto hat schon wieder zugeschlagen. Vor drei Tagen ist im nidwaldischen Buochs ein Hund gestorben, der in einem parkierten Auto eingeschlossen war. Trotz Warnungen passiert es immer wieder, dass Hunde im Auto zurückgelassen werden. Doch nicht nur eingesperrte Hunde leiden. «Weniger bekannt ist, dass auch Kälber in einen ähnlichen Hitzestress geraten können», sagt der Appenzeller Kantonstierarzt Sascha Quaile.

Der Grund dafür liege bei den weitverbreiteten Iglus für Kälber. Diese seien grundsätzlich eine gute Sache. «Die Tiere haben genügend frische Luft und das ist für ihre Gesundheit wichtig.» Doch in der Regel stünden die Plastikbehausungen an Orten, wo es warm ist und wo sie vor der Sonne wenig geschützt sind, so der Veterinär. «In der kalten Jahreszeit ist das ein Vorteil, doch bei der momentanen Wettersituation kann das zu Problemen führen.» Durch die Sonneneinstrahlung staut sich im Iglu die warme Luft und kann schlecht entweichen.

Hitzestress kann Tiere töten

Tiere leiden unter Hitzestress, wenn ihr Körper mehr Wärme erzeugt und auf ihn mehr Wärme einwirkt, als er abgeben kann. Dies kann zu einer Überhitzung des Körpers bis hin zum Tod führen. Er rate deshalb den Bauern, den Iglubereich grosszügig zu schattieren, sagt Quaile. «Am besten ist es, wenn die Iglus während der heissen Tage im Jahr hinter das Haus gezügelt werden, wo es kühler ist. Ebenfalls wichtig ist, immer für genügend Wasser zu sorgen.»

Im Gegensatz zu den Kälbern in den Iglus können sich die Tiere auf der Weide ihren bevorzugten Platz selber aussuchen. Die Tierschutzgesetzgebung sehe vor, dass auf der Weide zwingend genügend Schattenplätze für alle Tiere während der heissesten Tageszeit vorhanden sein müssen, sagt Sascha Quaile.

«Rinder und Schafe geraten bereits ab Temperaturen von 25 Grad in einen Hitzestress. Die Tiere geben während einer Hitzeperiode weniger Milch und sind krankheitsanfälliger.»

Die meisten Bauern halten die Tiere deshalb momentan tagsüber im Stall und lassen sie über Nacht auf die Weide. Das hat den Vorteil, dass sie auch weniger von Insekten belästigt werden.

Jeder Tierhalter sei verpflichtet, die jeweiligen Vorschriften einzuhalten, sagt Quaile. «Wir gehen von Amtes wegen allen Hinweisen nach, die auf eine nicht tierschutzkonforme Haltung hinweisen.» Die meisten Tierhalter zeigten sich jedoch in der Folge einsichtig und würden die beanstandeten Probleme umgehend beheben.

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