Wenn Bauern auf Shoppingtour gehen

Am Freitag verzeichnete Wolfhalden einen Grossaufmarsch von Bauern und Viehzüchtern. Hunderte von Besuchern wollten sich die Gant beim bekannten Züchter Sepp Fuster nicht entgehen lassen.

Karin Erni
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«Auktion» steht auf dem hölzernen Wegweiser an der Strasse von Wolfhalden Richtung Lachen. Steil geht das Strässchen hinauf zum Guggenbüehl. Oben empfängt ein grosses Festzelt die zahlreichen Besucher. Den Autokennzeichen nach zu schliessen, kommen sie von weit her. Sogar aus dem Tessin und dem Tirol sind einige angereist. Manche haben einen Anhänger dabei. Hier muss es etwas Besonderes zu kaufen geben.

Heute kommen fast 70 Stück Jungvieh des bekannten Braunviehzüchters Sepp Fuster aus Wolfhalden unter den Hammer. Seine Tiere erzielen an Viehschauen und Ausstellungen stets gute Prämierungen. Nun gibt er das Bauern altershalber auf und verpachtet den Hof an einen ehemaligen Mitarbeiter. Weil dieser nicht alle Tiere übernimmt, wird ein Teil vergantet.

Kühe sind auf Hochglanz poliert

Vor der Auktion können die Tiere im Stall besichtigt werden. «Ho – nüd gad e Vechschau!» sagt ein älterer Bauer mit Filzhut anerkennend zu seinem Kollegen. «Momol, tolli Busli!», antwortet dieser. Fusters Kühe haben nicht nur eine gute Abstammung, sie wurden für die Ausstellung auch sorgfältig gestylt. Sie sind sauber gewaschen und das Fell ist kurzgeschoren, um die edlen Körpermerkmale gut zur Geltung zu bringen. Damit der saubere Eindruck bleibt, sind ein paar Stallburschen dauernd damit beschäftigt, jedes Kuhpflütterli sofort wegzuräumen. Mit einem Büschel Holzwolle wird den Tieren nach dem Geschäft sogar der Hintern abgewischt. Die Kühe lassen sich durch die Sonderbehandlung und den Publikumsaufmarsch nicht sonderlich beeindrucken und malmen gemütlich vor sich hin. Die Interessenten schreiten von Tier zu Tier. Gehen in die Knie, um die Zitzen zu inspizieren, studieren den Auktionskatalog und machen sich Notizen. Es wird geraucht, gefachsimpelt und Neuigkeiten ausgetauscht. Mittendrin steht Sepp Fuster im karierten Hemd, schüttelt Hände und beantwortet Fragen zu den Tieren.

Gute Preise trotz schwierigem Umfeld

Im Festzelt sind derweil die besten Bänke schon besetzt. Zum Essen gibt es Fitnessteller, wahlweise mit Fleischkäse oder Schinken. Vegetarier halten sich an die berühmten Wolfhäldler Nussgipfel. Punkt 13 Uhr wird die erste Kuh ins Zelt geführt. Auktionator Matthias Süess aus Andwil tritt in Aktion. Übers Mikrofon stellt er das Tier, seine Abstammung und sonstige Vorzüge kurz vor, danach gibt er den Startpreis bekannt. Die Stimmung ist zu Beginn noch etwas verhalten. «Am Afang sind Priise günschtig, do müend ehr zueschloh», muntert er die Bauern auf. Und tatsächlich geht immer mal wieder ein Arm hoch. Doch irgendwann ist Schluss. Mit den Worten. «Zum ersten, zum zweiten zum Dritten. Viel Glück!» ist der Kauf abgeschlossen. So geht es weiter. Kuh um Kuh wird herein- und wieder herausgeführt. Wenn das Interesse zwischendurch zu erlahmen droht, bringt Süess mit einem Spruch wieder Würze in die Sache. «Dinere Frau gfallt sie, chauf sie ere!» oder «S Gras wachst wieder, jetzt chönd ehr öppis Neus chaufe.» Nach mehr als zwei Stunden sind alle 69 Tiere verkauft. Fuster zeigt sich zufrieden mit dem erzielten Durchschnittspreis von 3000 Franken. «Es waren viele junge Tiere und sogar Kälber dabei.» Den Höchstpreis von 7200 Franken erzielte wie erwartet eine Erstmelkkuh aus seiner berühmten Zamora-Linie, mit der er an der Olma reüssiert hatte. Auch der Auktionator ist erleichtert: «Der Markt für Kühe ist derzeit wegen der Trockenheit schlecht. Aber das gute Resultat zeigt, dass Qualität nach wie vor gefragt ist.»