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Wenigerweiher: Heute geschützt, früher industriell genutzt

Der Wenigerweiher bei St. Georgen förderte massgeblich die Industrialisierung im Einzugsgebiet der Steinach. Seit 1979 ist das Areal ein Naturschutzgebiet.
David Scarano
Bild: David Scarano

Bild: David Scarano

St. Gallen. Zwischen der Haltestelle «Schwarzer Bären» der Appenzeller Bahnen und dem Schauplatz der Schlacht bei Vögelinsegg im «Loch» unterhalb Speicher liegt der malerische Wenigerweiher. Der künstliche See ist subjektiv und objektiv betrachtet einmalig: Er ist nicht nur einer der schönsten Weiher auf Stadtsanktgaller Boden, sondern verfügt gemäss «Swissinfo» zudem über den ältesten immer noch funktionierenden Damm der Schweiz.

Erbaut wurde er zwischen 1821 und 1823 auf Initiative des Unternehmers Michael Weniger (1763–1836), daher auch der Name des Weihers. Der Stausee diente der Versorgungssicherheit: Bei Trockenheit war es so möglich, den am Bach angesiedelten Industrie- und Gewerbebetrieben durch Entleerung zusätzliches Wasser zuzuführen.

Im Berichteband Nummer 90 der St. Gallischen Naturwissenschaftlichen Gesellschaft beleuchtet Stadtarchivar Marcel Mayer die Geschichte des Stausees. Für den Historiker stellte der Wenigerweiher in der Frühzeit der Industrialisierung einen Standortvorteil dar. Nach dem Bau des Wenigerweihers siedelten sich diverse Appreturbetriebe, Bleichereien oder Giessereien im Gebiet an.

Wenigers Imperium

Schon vor dem Bau des Dammes hatten Betriebe die Steinach zur Energiegewinnung genutzt. Zu ihnen gehörte Kaufmann Michael Weniger. Um 1810 hatte er zusammen mit dem Winterthurer Johann Jacob Rieter – dem Gründer des gleichnamigen, heute global tätigen Industriekonzerns – in St. Georgen eine Spinnerei erstellt. Zehn Jahre später zog sich Michael Weniger aus der Firma zurück und konzentrierte sich auf das eigene Unternehmen. Die 1815 ins Leben gerufene «Michael Weniger & Comp.» bestand aus mehreren Firmen in der Textil- und Metallbranche, unter anderem aus einer Spinnerei, einer Giesserei und einer Maschinenwerkstätte. Der Industriepionier pflegte zudem ein weiträumiges Handelsnetz. Er investierte in eine Textilfabrik in St. Petersburg, unterhielt Beziehungen nach Ostindien sowie England und er besass in Tiflis eine Handelsniederlassung. Als eines der ersten St. Galler Handelshäuser war es Michael Weniger gelungen, geschäftliche Verbindungen mit Nordamerika aufzubauen. Seit 1819 hatte er Baumwollartikel in die USA exportiert. Die Blütezeit erlebte Wenigers Imperium zwischen 1826 und 1836. Fünf Jahre nach dem Tod des Industriellen ging das Unternehmen 1841 Konkurs.

Zwischen Rendite und Schutz

Der Wenigerweiher blieb in Familienbesitz. An der Spitze der Stiftung stand auch eine bekannte Herisauer Familie, die Reutlingers, die mit dem Industriepionier verwandt ist. Unter anderem sass zwischen 1971 und 1995 Rudolph Reutlinger der Stiftung als Präsident vor. Der Ausserrhoder Politiker gehörte 20 Jahre dem Regierungsrat an. Höhepunkt war die Wahl zum Landammann 1981.

Mit der gesellschaftlichen Entwicklung verlor der Wenigerweiher aus industrieller Sicht an Bedeutung. Parallel dazu stiegen die Naturschutz- und Sicherheitsanforderungen. Aus dem Renditeobjekt wurde zunehmend ein Verlustgeschäft. «Die Wasserzinsen, die die Liegenschaften am Bach entlang entrichteten, reichten nicht mehr, um die Unterhaltskosten zu decken», sagt Fred Reutlinger, heute Projektleiter Tourismus im Amt für Wirtschaft des Kantons St. Gallen, der wie sein Onkel Rudolph und Vater Heinrich ebenfalls Stiftungspräsident war. Als das Vermögen Gefahr lief, aufgebraucht zu werden, machte sich die Stiftung Gedanken über die Zukunft des Privatweihers. Eine Möglichkeit war, den Weiher mit Schutt aufzufüllen. Weil der Naturschutzverein der Stadt St. Gallen eine Entleerung befürchtete, reichte dessen Gründungsmitglied und Gemeinderat Arthur Stehrenberger im Stadtparlament eine Motion zur Erhaltung des Weihers ein. Die Schutzverordnung trat schliesslich 1979 in Kraft. Das Amphibienlaichgebiet ist von nationaler, der Flachmoor von kantonaler Bedeutung.

Lehrpfad entsteht

Seit 2002 gehört das Areal der der St. Gallischen Naturwissenschaftlichen Gesellschaft (NWG). Der ehemalige Privatbesitz ist nun auch der Öffentlichkeit zugänglich. Zurzeit erarbeitet die NWG einen Lehrpfad, der vom Wenigerweiher durch das St. Georgen-Quartier bis hinunter in die Mülenenschlucht führt. 37 Tafeln an 29 Standorten informieren über geologische, ökologische und industriegeschichtliche Besonderheiten. Die Einweihung findet am 23. September statt.

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