«Weniger Marketingfirlefanz, dafür mehr Leistung für den Gast»: Die Appenzellerland Tourismus AG will in Zukunft mehr in die Produktentwicklung investieren

Die Appenzellerland Tourismus AG reagiert mit diversen neuen Angeboten auf die Coronapandemie. Unter anderem soll der Wanderpass weiterentwickelt werden. Auch ein Kulturangebot für Daheimgebliebene ist geplant.

Claudio Weder
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Die ersten 1000 Wanderpässe waren im Jahr 2019 innerhalb von einer Woche vergriffen.

Die ersten 1000 Wanderpässe waren im Jahr 2019 innerhalb von einer Woche vergriffen.

Bild: Benjamin Manser (25. Juni 2019)
Monika Bodenmann-Odermatt, VR-Präsidentin der Appenzellerland Tourismus AG.

Monika Bodenmann-Odermatt, VR-Präsidentin der Appenzellerland Tourismus AG.

Bild: PD

«Der Frühling 2020 wird in die Geschichte eingehen», sagte Monika Bodenmann-Odermatt, Verwaltungsratspräsidentin der Appenzellerland Tourismus AG (Atag), am Dienstagabend im Rekadorf Urnäsch. Wegen der Coronapandemie wurde die 10. ordentliche Generalversammlung, die ursprünglich im Mai hätte stattfinden sollen, auf Ende Juni verschoben. Und zum ersten Mal wurde sie mit einem Stimmrechtsvertreter durchgeführt. «Eine völlig neue Erfahrung für uns», sagte Bodenmann-Odermatt.

Mit den Auswirkungen der Coronapandemie musste sich auch Andreas Frey, seit Oktober 2019 Geschäftsführer der Atag, auseinandersetzen. «Ich hätte mir mein erstes Jahr etwas anders vorgestellt», sagte er zu den rund 40 anwesenden Aktionären. Im Zusammenhang mit der Pandemie habe die Atag verschiedene Initiativen und Massnahmen ergriffen. Gemeinsam liegt ihnen folgender Gedanke zugrunde:

Andreas Frey, seit 2019 Geschäftsführer von Appenzellerland Tourismus AR.

Andreas Frey, seit 2019 Geschäftsführer von Appenzellerland Tourismus AR.

Bild: PD
«Wir wollen unsere Gelder nur zweitrangig in Kommunikation stecken und vor allem in das Produkt investieren und die Leistungsträger unterstützen.»

Führungen für Daheimgebliebene

Als eine Massnahme wurde der Wanderpass, der laut Frey 2019 ein «grosser Erfolg» war, zum Appenzeller Wander-Set weiterentwickelt. Dieses wird ab Juli bei verschiedenen Hotels in Appenzell Ausserrhoden ab zwei Übernachtungen erhältlich sein oder kann ab sofort online für 20 Franken bestellt werden. Ebenfalls wurde das Programm «Kultursommer 2020» geschaffen. «Von diesem können etwa Daheimgebliebene profitieren», sagt Frey. Ab Juli bis August werden täglich sechs Führungen in verschiedenen Gemeinden angeboten. «Die Teilnehmenden können Räume besuchen, die für Individualgäste normalerweise nicht zugänglich sind, etwa den Gerichtssaal in Trogen.»

Zudem steht für die Atag auch die Mitarbeit an der Weiterentwicklung der Ostschweizer Gästekarte (Oskar) im Vordergrund, die Ende 2019 durch die vier Ostschweizer Tourismusdestinationen übernommen wurde. «Oskar soll für die Beherbergungsbetriebe in der zweiten Jahreshälfte gratis sein», sagte Frey. Die Geschäftsführung von Appenzellerland Tourismus werde sich ausserdem dafür stark machen, dass möglichst bald eine Gästekarte für Ferienwohnungsvermieter und Zweitwohnungsbesitzer angeboten werden kann.

Ein Jahr des Wandels

An der Generalversammlung blickte Andreas Frey aber nicht nur in die Zukunft, sondern auch ins vergangene Jahr zurück, das für Monika Bodenmann-Odermatt ein «Jahr mit Licht und Schatten» war. Frey dagegen bezeichnete in seinem Rückblick 2019 als «Jahr des Wandels». Bereits unter der Leitung von Freys Vorgänger Urs Berger habe man sich gefragt, wie man als Aktiengesellschaft zukünftig am Markt aufgestellt sein wolle. Erste wegweisende Entscheide bezüglich der Strategie seien bereits gefallen.

Im Zentrum steht der Wandel von einer reinen Destinationsmarketingorganisation zu einer Destinationsmanagementorganisation. Um zu veranschaulichen, was dies genau bedeutet, zitierte Frey zwei St. Galler Professoren:

«Was wir in Zukunft brauchen, ist weniger Marketingfirlefanz, und dafür mehr Leistung für den Gast und Unterstützung der Leistungsträger.»

Anhand dieses Satzes definierte die Atag vier neue Aufgabenfelder, in denen sie zukünftig tätig sein will: Gästeberatung, Produktentwicklung, Kommunikation und Dienstleistungen für touristische Leistungsträger.

Diverse «Visionsprojekte» sind gemäss Frey bereits in Planung. Im Bereich Gästeberatung sei etwa eine mobile Touristinformation geplant. Im Bereich Produktentwicklung wolle man «exklusive Einblicke in die Kulisse der traditionellen Landwirtschaft» bieten. Neben der Weiterentwicklung der Gästekarte sowie des Wanderpasses seien unter anderem auch Infrastrukturprojekte im öffentlichen Raum (wie Feuerstellen oder Themenwege) in Zusammenarbeit mit den Gemeinden geplant.