Weniger Kirchgemeinden?

TEUFEN. Die Präsidien der Evangelischen Kirchgemeinden beider Appenzell liebäugeln an ihrer Sommerkonferenz mit dem Zusammenschluss von Kirchgemeinden zu grösseren Einheiten.

Marcel Steiner
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Weniger Finanzen und die schwindende Bereitschaft, in kirchlichen Gremien mitzuwirken, wird in der Kirche zu Veränderungen führen. (Bild: ker)

Weniger Finanzen und die schwindende Bereitschaft, in kirchlichen Gremien mitzuwirken, wird in der Kirche zu Veränderungen führen. (Bild: ker)

TEUFEN. Im Zentrum der Sommersitzung der Präsidien der Evangelischen Kirchgemeinden beider Appenzell im evangelischen Kirchgemeindehaus in Heiden stand die Frage, ob die heutige Struktur der reformierten Appenzeller Landeskirche mit 20 Kirchgemeinden noch zeitgemäss sei. Christian Vetterli, Kirchenpräsident in Schönengrund und Präsident der Präsidienkonferenz, stellte ein Modell zur Diskussion, das er als provokativ bezeichnete. Dieses sieht vor, dass drei Kirchgemeinden Hinterland, Mittelland und Vorderland die kleineren Gemeinden vereinen. Dazu kommen vier eigene Einheiten für die drei grösseren Gemeinden Herisau, Teufen, Heiden und die Diaspora-Gemeinde Appenzell.

Heute bereits an morgen denken

In der Diskussion zeigte sich, dass Vetterlis Idee nicht als besonders provokativ empfunden wurde. Die Kirchgemeindepräsidentinnen und -präsidenten bezeichneten es als wichtig, sich bereits heute mit solchen Zukunftsgedanken auseinanderzusetzen. Denn es sei absehbar, dass die zunehmend knapper werdenden Finanzen, die stets schwindende Bereitschaft der Kirchgemeindemitglieder, in Behörden und Gremien mitzuarbeiten, sowie die steigende Komplexität der Verwaltungsarbeit auch in der Kirche zu Veränderungen führen werde.

Professionelle Begleitung

Die Präsidienkonferenz war sich einig, unter diesen Voraussetzungen rechtzeitig selbst aktiv zu werden und nicht zu warten, bis seitens der Kantonalkirche Druck zu Zusammenschlüssen aufgebaut werde, wie das beispielsweise in St. Gallen, Zürich oder Bern der Fall sei. Für die Präsidentinnen und Präsidenten ist es wichtig, dass über die Zukunft der appenzellischen Kirchgemeindestrukturen in der Bevölkerung eine breite Diskussion in Gang kommt. Sie sind sich bewusst, dass dabei heikle Punkte wie die Identität der Dorfgemeinschaften oder die Gemeindeautonomie tangiert werden. Deshalb sind sie auch der Meinung, dass ein solcher Veränderungsprozess nur in kleinen Schritten zum Erfolg führen kann. Von der Kantonalkirche erwartet die Präsidienkonferenz, dass die Kirchgemeinden in diesen Veränderungsprozessen mit professioneller Hilfe unterstützt und begleitet werden. Der Vorstand der Präsidienkonferenz wurde ermächtigt, diesbezüglich beim Kirchenrat vorstellig zu werden.

Neues Vorstandsmitglied

Weiter erörterte die Präsidienkonferenz die Frage, was eine Kirchgemeinde attraktiv mache, und sammelte Ideen für gemeindeübergreifende Projekte. Auf organisatorischer Ebene war Yvonne Angehrn, Kirchgemeindepräsidentin in Teufen, nach dreijähriger Zugehörigkeit aus dem Vorstand der Präsidienkonferenz zurückgetreten. Als Nachfolgerin wurde Regula Schibli, Präsidentin der Kirchgemeinde Reute-Oberegg, gewählt. Die Präsidienkonferenz besteht seit drei Jahren und ist das Netzwerk der evangelischen Kirchgemeinde-Präsidien. Die Konferenz ist kein kirchliches Beschlussgremium, sondern dient in erster Linie dem Informations- und Erfahrungsaustausch.

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