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Wenig Geld für Solarstrom

Besitzer von Fotovoltaikanlagen beklagen sich über die tiefen Rückvergütungen. Dies hat für die Energiewende Folgen. Einen vergleichsweise schlechten Preis für Strom aus der Sonne bezahlt die St. Gallisch-Appenzellische Kraftwerke AG.
Jesko Calderara, Martin Schneider
Der Verein Appenzeller Energie hält die administrativen Hürden für den Bau von Solaranalagen für zu hoch. (Bild: Fotolia)

Der Verein Appenzeller Energie hält die administrativen Hürden für den Bau von Solaranalagen für zu hoch. (Bild: Fotolia)

Es wäre im diesjährigen Hitzesommer die Lösung gewesen: eine eigene Fotovoltaikanlage auf dem Dach, die sauberen Strom produziert. Die Besitzer solcher Anlagen haben zurzeit jedoch wenig Grund zur Freude. «Die Rückvergütungen der Energieversorger sind zu tief», sagt Romeo Böni, Vizepräsident des Vereins Appenzeller Energie. Zudem seien die politischen Hürden zur Realisierung solcher Anlagen zu hoch. In einer kürzlich an der Hauptversammlung verabschiedeten Resolution ist von «Verhinderung» statt «Förderung der Generationenaufgabe Atomausstieg und Energiewende» die Rede. Die Resolution endet mit einem Aufruf an die Adresse der Energieversorger, «dem Auftrag von Politik und Stimmbürger aktiv und wohlwollend Folge zu leisten.»

Der erwähnte Auftrag findet sich in der jüngeren Energiegeschichte: Die Schweiz hat den Atomausstieg beschlossen und sich mit der Annahme des revidierten Energiegesetzes, welches seit anfangs 2018 gilt, für die Förderung erneuerbarer Energien ausgesprochen. Mit der Energiestrategie 2050 im Hinterkopf sollten sich auch Private ermutigt sehen, in erneuerbare Energien zu investieren. Genau von dieser Seite kommt aber vermehrt Kritik an die Adresse der Energieversorger, vor allem seitens der Besitzer von Fotovoltaikanlagen. Diese können denjenigen Strom, den sie selber nicht verbrauchen, ins Netz einspeisen, und erhalten dafür Geld von den Energieversorgern, die sogenannte Rückvergütung.

Für kleine Anlagen läuft die KEV aus

Ein Interesse daran, dass diese Rückvergütungen möglichst hoch sind, hat auch der Verein Appenzeller Energie. Dieser betreibt selber Fotovoltaikanlagen und hat in seinen Reihen mehrere Mitglieder, die in den vergangenen Jahren in Solaranlagen investiert haben. Teilweise sind die ständig schlechteren Preise für Solarstrom gerechtfertigt, weil Anlagen laufend preisgünstiger werden. Für den Vizepräsidenten des Vereines, Romeo Böni, ist jedoch klar: «Das Volk hat die Energiewende beschlossen, aber die Elektrizitätswirtschaft lebt diese nicht.» Aus Sicht des Vereines sind die aktuell von vielen regionalen Energieversorgern bezahlten Rückvergütungen zu tief angesetzt, als dass sich für Private Investitionen in Energieproduktionsprojekte lohnen würden. Besonders gravierend sei die Situation für diejenigen, die in den letzten Jahren hohe Summen in Fotovoltaikanlagen gesteckt hätten und mittlerweile tiefere Rückvergütungen bekämen als zu Beginn der Investition, sagt Böni.

Weiter hat sich die Situation für die Besitzer von kleinen Anlagen verschlechtert, weil das System der sogenannten kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) ausläuft. Sie erhielten früher garantierte Einspeisevergütungen. Diese fixen Preise sind auslaufend und kleine Anlagen zwischen zwei und hundert Kilowatt werden noch mit Einmalvergütungen gefördert. Dies wiederum mache Investitionen noch unattraktiver, sagt Böni. Die Rückvergütung spielt für das Gelingen der Energiewende eine wichtige Rolle. Der ganz grosse Teil der Investoren rechnet und wolle nicht die Strombranche samt den Verbrauchern subventionieren, sagt Anton Kölbener, Präsident des Vereins Appenzeller Energie. Die Kosten für die Generationenaufgabe werden auf rund 40 Milliarden Franken geschätzt. «Ohne angemessene Rückvergütung kommen wir nicht im nötigen Tempo vorwärts», sagt Kölbener. Keine Alternative sind seiner Meinung nach aus wirtschaftlichen Gründen und wegen des Ressourcenverschleisses Batteriespeicher. Für solche Zahl der Kanton Appenzell Ausserrhoden Fördergelder.

Grosse Unterschiede bei den Rückvergütungen

Eine vom Verband unabhängiger Energieerzeuger VESE erstellte Auflistung zeigt grosse regionale Unterschiede bei den Vergütungstarifen für Solarstrom. Die Industriellen Werke Basel (IWB) beispielsweise bezahlen 14 Rappen pro Kilowattstunde, die bernische BKW hat jüngst die Preise von 4,4 auf 8,9 Rappen erhöht. Abgeschlagen auf den hinteren Rängen finden sich diverse Ostschweizer Netzbetreiber, darunter die St. Gallische Appenzellische Kraftwerke AG als einer der grossen Abnehmerinnen in der Region. Bis vor kurzem zahlte sie für den Solarstrom 15 Rappen pro Kilowattstunde, seit diesem Jahr vergütet sie den eingespeisten Solarstrom gerade einmal mit 4,73 Rappen. Damit bewegt sich die SAK nur wenig über dem von der Eidgenössischen Elektrizitätskommission ElCom festgelegten Mindesttarif von 4,23 Rappen pro Kilowattstunde.

Auch innerhalb des Vergütungssystems zeigen sich Unterschiede. Viele Netzbetreiber bezahlen zusätzlich zur Grundvergütung für den eingespeisten Strom den ökologischen Mehrwert, der mehrere Rappen pro Kilowattstunde betragen kann. Bei der SAK gibt es für Solarstrom lediglich einen Grundpreis. Wer mehr haben will, muss den Strom auf der SAK-Plattform der Naturstrombörse verkaufen. An diesem System stört sich Romeo Böni. «In anderen Regionen ist der ökologische Mehrwert fix eingepreist. In unserer Region aber muss man oftmals an Auktionen teilnehmen, um den ökologischen Mehrwert vergütet zu bekommen.» Für Böni ist dies eine von vielen Hürden, die sowohl von politischen Ämtern wie auch von der Elektrizitätswirtschaft gesetzt würden. Letztlich reduziere sich dadurch die Attraktivität, in erneuerbare Energien zu investieren. Er fordert deshalb nicht zuletzt eine schweizweit einheitliche Regelung zur Vergütung des ökologischen Mehrwertes von Strom.

Hinweis

Die Antworten der St. Gallisch-Appenzellischen Kraftwerke AG (SAK) lagen bis Redaktionsschluss der heutigen Ausgabe nicht vor.

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