«Wenig Geld für so viel Kuh»

Kühe, trächtige Rinder und Kälbchen standen an der Milchviehauktion zum Verkauf. Die Preise waren tief, das Gesetz von Angebot und Nachfrage spielte zu Ungunsten der Viehzüchter.

Adi Lippuner
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Ernsthafte Gesichter: Christian Näf, Viehzüchter aus Brunnadern (links) und der Nesslauer Landwirt und Auktionspräsident Andreas Wittenwiler. (Bild: Adi Lippuner)

Ernsthafte Gesichter: Christian Näf, Viehzüchter aus Brunnadern (links) und der Nesslauer Landwirt und Auktionspräsident Andreas Wittenwiler. (Bild: Adi Lippuner)

WATTWIL. Es braucht einiges, bis eine Kuh oder ein trächtiges Rind an einer Auktion zum Verkauf angeboten werden kann. So auch am Donnerstag, als Züchter aus der Region, aber auch von ennet dem Ricken und aus dem Werdenberg mit ihren Tieren in der Markthalle Wattwil vor Ort waren.

Enttäuschende Situation

Am Anfang steht die Planung, welcher Stier zu welcher Kuh passt, dann hoffen alle auf ein gesundes Kuhkälbchen und ist die Geburt gut überstanden, beginnt das Hegen und Pflegen des Nachwuchses. Tägliches Füttern, Überwachen, Betreuen und wenn der Zeitpunkt da ist, auch für das erwachsen werdende Tier wieder den richtigen Stier suchen, damit möglichst gute Nachkommen zur Welt kommen: Jeder Viehzüchter weiss was es braucht, bis ein Tier zur Auktion angemeldet werden kann. Umso enttäuschender dann die Situation, wenn Preise weit unter der Drei-Tausender-Marke geboten werden. Oder um es mit den Worten von Gantrufer Bruno Furrer zu sagen: «Wenig Geld für so viel Kuh.» Nur gerade fünf Tiere mit guter Abstammung und hohen Leistungen erzielten mehr als 3000 Franken. Selbst Leistungen von garantierten 35 oder gar 37 Litern Milch waren kein Grund, höhere Gebote zu machen. «Angebot und Nachfrage, aber auch der anhaltend tiefe Milchpreis sind Gründe für die Zurückhaltung der Käufer» war von Auktionspräsident und Landwirt Andreas Wittenwiler aus Nesslau zu erfahren.

Unsicherheit spürbar

«Wie geht es mit unserem Berufsstand weiter? Werden wir weiterhin mit so wenig Geld für unsere Milch auskommen müssen und was passiert mit der Zucht?». Solche und ähnliche Fragen stellen sich viele Bauern. «Einige haben», wie Andreas Wittenwiler erklärt, «ihren Betrieb umgestellt. Statt Milch wird nun mit der Mutterkuhhaltung Fleisch produziert.» Diese Betriebsform ermögliche grössere Flexibilität. Ein Zusatzeinkommen ausserhalb der Landwirtschaft werde dadurch möglich. «Auch Mutterkühe brauchen Betreuung, aber die Zeit kann anders eingeteilt werden, als bei den Milchbauern», so Andreas Wittenwiler. Als weitere Gründe führt der Fachmann an, dass die neuen Tierschutzvorschriften in Kraft treten und anstelle eines kostspieligen Um- oder Ausbaus der Ställe, werde eine Betriebsumstellung vorgenommen.

Die neue Agrarpolitik, welche nächstes Jahr in Kraft treten soll, ortet Andreas Wittenwiler noch nicht als Grund für die tiefen Auktionspreise. «Vielmehr ist es die allgemeine Verunsicherung und das im Moment grosse Angebot an Milchvieh.» Auf die Frage, welche Rolle der Futtervorrat spiele, war zu erfahren: «Bei uns in der Region mussten wir die Tiere rund zwei Wochen früher einstallen, aber dank der guten Ernten im Herbst sollte der Futtervorrat reichen.»

Milchbauer und Viehzüchter

Angesprochen auf seine eigenen Pläne meinte Andreas Wittenwiler: «Ich werde bei der Milchwirtschaft und Aufzucht bleiben. So kann ich meinen eigenen Viehbestand verjüngen und auch einige Tiere verkaufen.» Mit 38 Kühen und einer Fläche von 42 Hektaren gehört der Nesslauer Bauer zu den grösseren in der Region. «Zudem ist damit zu rechnen, dass sich der Milchpreis irgendwann wieder erholen wird. Je mehr Bauern umstellen, desto weniger Milch kommt auf den Markt und so sollte eines Tages dann auch hier die Regel von Angebot und Nachfrage wieder spielen.»