Wem «gehört» der Regierungsratssitz?

Die Kollegen der SVP erheben vehement Anspruch auf den Sitz von Regierungsrat Diem. Dieser Sitz «gehöre» der SVP. Damit verbunden wird die Kandidatur von Paul Signer als ungehörig disqualifiziert. Ich bin der Ansicht, dass ein Sitz in der Regierung unseres Kantons einzig dem Stimmvolk gehört.

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Die Kollegen der SVP erheben vehement Anspruch auf den Sitz von Regierungsrat Diem. Dieser Sitz «gehöre» der SVP. Damit verbunden wird die Kandidatur von Paul Signer als ungehörig disqualifiziert. Ich bin der Ansicht, dass ein Sitz in der Regierung unseres Kantons einzig dem Stimmvolk gehört. Der Stimmbürger alleine hat einen Anspruch auf diesen Sitz und darf erwarten, dass Kandidaten zur Verfügung stehen, die der Sache nicht nur verpflichtet, sondern auch in jeder Hinsicht gewachsen sind. Ich darf als Einwohnerrat seit einigen Jahren mit Paul Signer in seiner Funktion als Gemeindepräsident von Herisau zusammenarbeiten. Ich habe ihn dabei als sehr kompetent, lösungsorientiert und langfristig denkend kennengelernt. Aufgrund dieser Erfahrung kann ich Paul Signer als Regierungsrat vorbehaltlos zur Wahl empfehlen.

Markus Brönnimann

Bachstrasse 37

9100 Herisau

Die Scheuklappen ablegen

Leserbrief «Atomstrom sauberer als Solarstrom» vom 30. Januar.

Herr Höhener macht die Behauptung, dass Atomstrom sauberer ist als Solarstrom und auch sogar Windenergie. Da muss ich ihm Recht geben. Atom ist auch zuverlässiger, witterungsunabhängig, und die Kraftwerke fallen nicht gleich um bei einer frischen Brise, wie geschehen diese Woche in England, als sich ein 250 000 Pfund teurer Windgenerator bei 80 km/h Wind umpusten liess.

Aber die Argumente des Herrn Höhener haben ein paar ganz wesentliche Makel. Die von ihm als sicher betitelten Kraftwerkmodelle ASBWR und AP1000 Westinghouse sind Light Water Reaktoren (LWR), das heisst herkömmlicher Art. Sie arbeiten unter enormen Druck, und bei einem GAU schleudern riesige Mengen an radioaktiver Pollution in die Atmosphäre. Sie hinterliessen ein hochstrahlendes Reaktorenhaus mit ungekühlten Brennstäben und bilden «No-Go- Zonen» auf immer und ewig. Siehe Tschernobyl.

Falls kein GAU passiert und alles normal verläuft, wäre noch über den nuklearen Abfall zu diskutieren. Diese LWR produzieren Unmengen Plutonium das über Jahrtausende endgelagert werden muss. Ein LWR braucht 250 Tonnen Uran, um ein Gigawatt Strom zu erzeugen, und von den 250 Tonnen werden gerade noch 10 Prozent verbrannt – der Rest ist Abfall, den wir entsorgen müssen. Zudem bleibt der Plutoniumabfall als Rohmaterial für Kernwaffen beziehungsweise für «dirty bombs» in Terroristenhänden zurück. Dieser LWR-Zug ist beim Volk und bei den Politikern endgültig abgefahren.

Trotzdem stimme ich Herrn Höhener zu, dass Atomstrom die Zukunft bedeutet. Ich bin nicht gegen Atomstrom per se, bin aber für den richtigen Atomstrom. Der richtige Atomstrom arbeitet ohne Druck, braucht nur eine Tonne Thorium-Brennstoff für ein Gigawatt Strom und brennt dieses fast vollständig auf. Thorium-Reaktoren sind sicher. Sie strahlen nicht, sind nicht unter Druck und brauchen kein riesiges Reaktorenhaus und etliche Hektaren Sicherheitsraum. Sie sind CO2-neutral. Sie produzieren nur geringe Mengen nicht waffenfähigen Abfalls mit einem Halbleben von 150 Jahren. Die Vorteile sind unzählig und jede und jeder mit Internetzugang kann sich ausführlich darüber informieren.

Unsere Schweizer Atomlobby will diese Stromproduktionsmethode jedoch totschweigen. Das von Herrn Höhener zitierte Paul Scherrer Institut sowie die ETH werden von der Stromlobby finanziert und richten sich nach dem Motto «Wes Brot ich ess, des Lied ich sing». Sie werden Thorium weiterhin hin als untauglich abkapseln.

Aber untauglich ist Thorium nicht, den die Chinesen, mit Unterstützung und in Zusammenarbeit mit den USA, arbeiten auf Hochtouren, diese Reaktoren fertig zu entwickeln, und können hoffentlich die ersten in etwa fünf Jahren ans Netz bringen. China braucht etliche neue Kernkraftwerke in den nächsten Jahrzehnten. Von dieser Technologie könnten wir auch profitieren, statt die Landschaft mit allerlei nutzlosen Eisenwaren zu verschandeln beziehungsweise uns und die Nachbarstaaten mit Gaskraftwerken zu vergiften.

Es ist endlich Zeit, dass unsere Atomkraft-Befürworter zur Umkehr gezwungen werden. Die Politiker und Politikerinnen müssen auch die von der Atomlobby verpassten Scheuklappen ablegen und frei von Vorurteilen entscheiden

Roger West

Unteres Ziel 28

9050 Appenzell